Ski-WM
Nicht von allen geliebt – aber erfolgreich: So wurde Lara Gut-Behrami zur Weltmeisterin

Zwölf Jahre, nachdem sie erstmals eine WM-Medaille gewann, holt Lara Gut-Behrami Gold. Es ist liegt ein langer, manchmal beschwerlicher Weg hinter ihr. Aber die Widerstände haben sich gelohnt.

Martin Probst
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Lara Gut-Behrami posiert mit der ersehnten Goldmedaille.

Lara Gut-Behrami posiert mit der ersehnten Goldmedaille.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Es ist nur ein kurzes Gespräch, aber eines, das viel darüber sagt, wie gross der Druck war, der vor dem WM-Super-G auf Lara Gut-Behrami lastete. Corinne Suter, die Silber gewinnt, erzählt davon: «Ich sagte zu Lara, dass wir zum Glück früher starten konnten. So blieb uns weniger Zeit, nervös zu sein.»

Am Dienstag, am ursprünglichen Renntag, war der Super-G um 13 Uhr angesetzt. Er wurde dann mehrmals verschoben und schliesslich abgesagt. So hatten die Athletinnen viel Zeit, sich Gedanken zu machen. Darüber, dass man nach zuletzt mässigen Resultaten, zu zweifeln begann. Wie Corinne Suter. Darüber, dass die Form stimmt. Ja eigentlich alles stimmt. Dass der Titel nach vier Super-G-Siegen in Serie zum Greifen nahe ist. Wie Lara Gut-Behrami.

Corinne Suter gewinnt WM-Silber.

Corinne Suter gewinnt WM-Silber.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

«Lara gab mir recht», sagt Corinne Suter. «Auch sie war sehr nervös.» Beide erlebten ein Happy End. Suter wurde Zweite, ein Resultat, dass sie so nicht erwartet hätte. Gut-Behrami wurde Weltmeisterin. Ein Resultat, das alle erwartet hatten. Sie sagt:

«Ich wollte unbedingt so fahren, wie ich es kann. Es war aber das erste Mal, dass ich nicht an die Goldmedaille gedacht habe.»

Allerdings war ihr klar: Wenn sie fährt, wie sie es derzeit kann, sollte es gut kommen. Obwohl Mikaela Shiffrin, die Dritte wurde, fast etwas dagegen hatte, dann aber einen Fehler machte.

Nicht der Liebling der ­Massen – aber erfolgreich

Gut-Behrami ist es wichtig, den Stellenwert der Medaille – zumindest gegen aussen – nicht zu überhöhen. Ein Lächeln ja, aber ihre Worte bleiben nüchtern. «Auch ohne Goldmedaille wäre ich noch der gleiche Mensch. Ich bin zufrieden, was ich im Leben habe. Ein Unfall verändert dein Leben als Athletin. Eine Goldmedaille nicht.»

Sie denkt noch einmal an die WM 2017 zurück. Auch dort war sie Topfavoritin, stürzte allerdings kurz vor der WM und wurde mit Schmerzen im Super-G Dritte. Nur Dritte, weil fast alle nach der Goldmedaille lechzten, die sie endlich gewinnen sollte. Schmerzen hin oder her. Beim Einfahren für den Kombislalom zog sie sich einen Kreuzbandriss zu. Es wurde ihr zu viel. Der Körper zog die Notbremse. Und sie fühlte sich erstmals frei.

2009, als 17-Jährige, gewann Lara Gut, damals noch ohne Zusatz im Namen, zweimal Silber an der WM in Val d’Isère. Es schien der letzte Beweis, dass sie, die zuvor schon im Weltcup so fulminant aufgetreten war, zu Grösserem berufen war. Mit ihrer unbeschwerten Art wurde sie zum Liebling der Schweizer Skifans. Zu einer, die zur neuen Vreni Schneider werden könnte, einfach ohne Slalom.

Doch so märchenhaft wie es begann, ging es nicht weiter. Lara Gut, die schon damals von ihrem Vater Pauli trainiert wurde und mit ihm den Alleingang suchte, verstrickte sich in Nebenschau­plätzen. Es kam zu Konflikten mit Swiss-Ski. Von den Medien fühlte sie sich – manchmal zurecht – ungerecht behandelt. Zu den anderen Schweizerinnen entwickelte sich keine Bindung. Sie musste als junge Frau nicht nur ein Privatteam finanzieren, sondern zahlreiche Probleme ­selber lösen.

So kometenhaft wie erhofft, stieg sie zwar nicht auf. Trotzdem geht oft vergessen, dass Gut-Behrami mit 30 Weltcupsiegen bereits jetzt die dritterfolgreichste Schweizerin ist. Nur noch Erika Hess mit 31 und Vreni mit 55 liegen vor ihr. Und eine wie Schneider ist sie ebenfalls geworden. Nicht als Liebling der Nation, aber als erste und seither einzige Schweizerin, die nach der Glarnerin den Gesamtweltcup gewinnen konnte.

Die Puzzleteile passen – die Konflikte bremsen nicht

Viele Konflikte sind bis heute geblieben. Aber Gut-Behrami hat gelernt, sie zu bewältigen. Swiss-Ski und sie fanden einen Weg, zwar nicht in steter Harmonie, um zusammen zu arbeiten. Ihr Verhältnis zu den Medien ist angespannt geblieben. Aber sie hat gelernt, wie sie damit umgehen kann. In das Schweizer Frauenteam ist sie bis heute nicht richtig integriert. Aber die Zusammenarbeit auf der Piste funktioniert. Ihr reicht das.

Michelle Gisin, im Super-G auf Rang acht klassiert sagt, angesprochen darauf, ob es neben der Piste mit Gut-Behrami besser laufe, lange nichts und dann: «Dazu möchte ich nichts sagen.» Und sagt damit mehr, als hätte sie geantwortet. Lara Gut-Behrami belasten solche Dinge nicht. Sie sagt: «Es passt im Moment alles. Familie, Arbeit, Lockerheit, technischer Bereich, physisch und mental.» Auch darum wurde sie jetzt Weltmeisterin.