Ski-WM
Das starke Geschlecht: Die Schweizer Frauen gewinnen seit Jahren mehr WM-Medaillen als die Männer

Zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze holten die Schweizer Skifahrerinnen bisher an der WM in Cortina. Die Männer müssen sich mit dreimal Bronze begnügen. Diese Überlegenheit der Frauen ist erklärbar. Aber sie ist auch in Gefahr.

Martin Probst
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Erfolgreiche Schweizerinnen: Corinne Suter und Lara Gut-Behrami präsentieren ihre WM-Medaillen den Fotografen.

Erfolgreiche Schweizerinnen: Corinne Suter und Lara Gut-Behrami präsentieren ihre WM-Medaillen den Fotografen.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Als Team ging die Schweiz leer aus. Sonst ist die WM in Cortina mit bisher acht Medaillen ein grosser Erfolg. Fünfmal jubelte eine Schweizerin und dreimal ein Schweizer. Dass die Frauen erfolgreicher sind, erstaunt nicht. Sie weisen seit einigen Jahren die bessere Bilanz aus.

An der WM in Cortina haben Corinne Suter, Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin bisher fünf Medaillen gewonnen. Bei den Männern sind es durch Loïc Meillard und Beat Feuz drei. Dass die Frauen mehr WM-Medaillen gewinnen war auch 2019 und 2017 der Fall.

Die Schweizer WM-Medaillen-Bilanz

Ohne Teamwettkampf
Gold Silber Bronze Total
Cortina 2021
Frauen 2 1 2 5
Männer 0 0 3 3
Are 2019
Frauen 1 1 1 3
Männer 0 0 0 0
St. Moritz 2017
Frauen 1 2 1 4
Männer 2 0 1 3
Vail 2015
Frauen 0 0 1 1
Männer 1 0 1 2
Schladming 2013
Frauen 0 1 0 1
Männer 0 0 0 0
Garmisch 2011
Frauen 0 0 0 0
Männer 0 1 0 1
Val d'Isère 2009
Frauen 0 2 0 2
Männer 2 1 1 4
Are 2007
Frauen 0 0 0 0
Männer 1 1 3 5

Dass die Frauen die WM-Bilanz anführen, ist erklärbar. Allerdings zeichnet sich eine Trendwende ab. Und diese kommt nicht zufällig. Doch der Reihe nach.

Gut-Behrami und die Speedfahrer

Nach zwei Weltmeisterschaften ohne Medaille in Serie bei den Frauen nahm Lara Gut-Behrami 2007 erstmals an Titelkämpfen teil und gewann sogleich zwei Medaillen. Zehn Jahre lang – bis zur WM in St. Moritz – war sie die einzige Schweizerin, die an Weltmeisterschaften Podestplätze erzielte.

Auch bei den Männern waren es in diesen zehn Jahren die Speedfahrer, die WM-Medaillen gewinnen konnten. Allerdings verteilten sich diese Erfolge auf mehrere Athleten. Zuerst war da Didier Cuche, später Patrick Küng und Beat Feuz.

Es waren aber auch Krisenjahre auf der technischen Seite. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen – mit Ausnahme von Gut-Behrami im Riesen­slalom. Swiss-Ski reagierte. Der Verband schuf neue Teams mit Technikerinnen und Technikern. Es war ein Neustart mit Talenten wie Wendy Holdener, Michelle Gisin, Daniel Yule oder Ramon Zenhäusern. Sie alle debütierten 2012 im Weltcup.

Michelle Gisin und Wendy Holdener.

Michelle Gisin und Wendy Holdener.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Die Männer brauchten länger

Die Frauen etablierten sich in der Folge schneller. Holdener gehörte im Slalom bald zu den Besten. 2013 fuhr sie erstmals auf das Podest. Gisin, die sich zu einer Allrounderin entwickelte, schaffte 2016 die Premiere. Bei Yule und Zenhäusern dauerte es bis 2018, ehe beide erstmals ein Podest bestiegen.

Dieser spätere Durchbruch erklärt, warum die Frauen die Männer in der WM-Bilanz überholt haben. Während Yule und Zenhäusern noch keine Einzelmedaille besitzen, sind es bei Holdener schon drei und bei ­Gisin zwei.

Daniel Yule und Ramon Zenhäusern.

Daniel Yule und Ramon Zenhäusern.

Walter Bieri / KEYSTONE

Hinzu kommt, dass auf der Speedseite der Frauen eine zweite Athletin neben Lara Gut-Behrami den Durchbruch schaffte. Corinne Suter gewann bisher vier WM-Medaillen.

Auf Seiten der Männer gelang der Aufstieg im Weltcup zwar auch Mauro Caviezel, an Weltmeisterschaften holte er bisher – auch verletzungsbedingt – nur eine Medaille. 2017 Bronze in der Kombination.

Hinter Gisin und Holdener klafft eine Lücke

Am Sonntag im Slalom haben Yule und Zenhäusern in Cortina die nächste Medaillenchance. Der Slalom der Frauen findet am Samstag statt, mit Holdener und Gisin, die auch im Riesenslalom am Donnerstag eine Favoritin ist, in den Hauptrollen.

Marco Odermatt und Loïc Meillard.

Marco Odermatt und Loïc Meillard.

Christian Bruna / EPA

Und genau das könnte zum Problem werden. Während auf Seiten der Männer mit Loïc Meillard (bisher zwei WM-Medaillen) und Marco Odermatt zwei Techniktalente aufgeschlossen haben, klafft hinter Holdener und Gisin eine Lücke. Das könnte die WM-Medaillenbilanz der Frauen dereinst gefährden.