Skispringen
Simon Ammann versucht seit langem seine Landung zu optimieren - gelingt es doch noch?

Simon Ammann startet am Samstag mit gemischten Gefühlen am Sommer-Grand-Prix in Einsiedeln. Noch wird er seinen Ansprüchen nicht gerecht.

Rainer Sommerhalder
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Simon Ammann auf seiner Heimschanze in Einsiedeln.

Simon Ammann auf seiner Heimschanze in Einsiedeln.

KEYSTONE

Richtig glücklich wirkt Simon Amman in diesen Tagen nicht. Der vierfache Olympiasieger genügt den eigenen Ansprüchen nur in Ansätzen. Weite Sprünge sind im Verlauf der Sommersaison eher Zufallsprodukt denn Programm. Der Plan, mit einem komplett neuen Flugprofil die Voraussetzungen für eine technisch saubere Telemark-Landung zu schaffen, lässt sich nicht so einfach in die Tat umsetzen, wie sich der Toggenburger dies erhofft hatte. «Es gibt bei meinen Flügen noch keine relevanten Fortschritte. Das ist für mich ein kleiner Frust», sagt Simon Ammann. Er ist ungeduldig. «Ich habe mir die Umstellung zeitlich kürzer vorgestellt.»

Keine Garantie für tolle Sprünge

Mit der körperlichen Verfassung nach dem verspäteten Trainingsstart zeigt sich das Aushängeschild der Schweizer Skispringer zufrieden. Er schliesst auch nicht aus, dass es beim Heim-Auftritt am Samstag in Einsiedeln für eine Topplatzierung reichen könnte. Die vertraute Schanze und die Motivation, im Verlauf der einzigartigen Karriere einen seiner letzten Wettkämpfe in der Schweiz bestreiten zu dürfen, tragen zum gedämpften Optimismus bei. Aber eben, es gibt keinerlei Garantie. «Betreffend Flugsystem tut sich nichts. Ich mache technisch gesehen höchstens Mini-Schritte. Was fehlt, ist ein grosser Schritt.»

Der Rücktritt als Option?

Simon Ammann vermisst nicht nur eine nachhaltige Steigerung, ihm fehlen auch Lösungsansätze. Das lässt ihn grübeln. Er sagt, es brauche bis in den Winter einen gewaltigen Effort, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Der 35-Jährige will mit dem Selbstverständnis in den Weltcupwinter steigen, regelmässig in die Top 10 zu springen. Er hat sich entschieden, noch eine oder sogar zwei Saisons Spitzensport an seine 20-jährige Karriere anzuhängen, weil er Erfolg haben will. Weil er glaubt, den perfekten Sprung noch vor sich zu haben.

Gestenreich erklärt Hermann Maier seinen Rücktritt Gestenreich erklärt Hermann Maier seinen Rücktritt. (Archiv)

Gestenreich erklärt Hermann Maier seinen Rücktritt Gestenreich erklärt Hermann Maier seinen Rücktritt. (Archiv)

Keystone

Für eine Abschiedstournee als Grüss-Gott-Onkel steht Simon Ammann nicht zur Verfügung. Dann ist dem Familienvater schon eher ein knalliger Last-Minute-Rücktritt zuzutrauen, wenn er im Spätherbst feststellen müsste, dass er seine Ziele nicht anvisieren kann. Wie sagte Simon Ammann im Juni, als er punkto Fortsetzung der Karriere noch mit sich rang und der Verband ein klares Zeichen forderte. «Hermann Maier ist 2009 auch erst Mitte Oktober unmittelbar vor Saisonbeginn zurückgetreten.»

Noch ist Simon Ammann von diesem Szenario weit entfernt. Immerhin hat der 35-Jährige in seiner Karriere oft bewiesen, auch auf komplexe Probleme Lösungen zu finden. Und mit Rückschlägen ist er schon längst «per Du». Schliesslich bleiben lohnenswerte Ziele für den Winter.

Ein geheimnisvolles Ziel

Ziele, aus denen der zweifache Schweizer Sportler des Jahres derzeit noch ein Geheimnis macht. «Ich habe eine ganz konkrete Motivation vor Augen. Aber wenn ich es jetzt schon verrate, werde ich bis dahin ständig darauf angesprochen und es verliert dadurch seinen Zauber. Aber es ist ein gewisser Punkt, der einen ganz besonderen Wert für mich hat», sagt Ammann. Wenn man raten müsste: Die Vier-Schanzen-Tournee – obwohl noch nie gewonnen – ist es nicht. Weltmeister war er schon, den Weltcup als Erster beendet hat er ebenfalls bereits. Wie wäre es mit dem Titel im Skifliegen – und vielleicht sogar dem Weiten-Weltrekord?

Zurück zum Hier und Jetzt. Vor dem Springen in Einsiedeln wird Ammann darauf angesprochen, dass sein typisches Lachen seltener geworden ist. Er erwidert: «Wenn das mit der Landung klappt und ich mich wieder in die Top 10 vorgekämpft habe, wird man mich wieder strahlen sehen.» Dann verabschiedet er sich lachend.