Schwingen
Samuel Giger erteilt nach kuriosem Start eine Lektion – und die Aargauer Eidgenossen können etwas lernen

Samuel Giger gewinnt das Solothurner Kantonalschwingfest, Nick Alpiger verletzt sich und Joel Strebel sagt: «Irgendwann wendet sich das Blatt.» Doch vorerst hatte der Gast aus dem Kanton Thurgau das Sagen.

Martin Probst
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Samuel Giger (oben) besiegt Joel Strebel im Schlussgang des Solothurner Kantonalschwingfests in Matzendorf.

Samuel Giger (oben) besiegt Joel Strebel im Schlussgang des Solothurner Kantonalschwingfests in Matzendorf.

Wolfgang Rytz

Wie wird man selbst der Beste? Wenn man von den Besten lernt und sie irgendwann überholt. Das mag abgedroschen klingen – und doch steckt viel Wahrheit darin. «Irgendwann wendet sich das Blatt», ist Joel Strebel überzeugt.

Zweimal trifft der 24-Jährige auf Samuel Giger, zweimal verliert er. Im vierten Gang schon nach wenigen Sekunden, im Schlussgang leistet er bereits mehr Gegenwehr. Aber nach etwas mehr als zwei Minuten liegt der Freiämter Eidgenosse erneut auf dem Rücken.

Giger gewinnt das Solothurner Kantonalschwingfest. Zufrieden ist Strebel, der das Fest im geteilten vierten Rang be­endete, trotzdem. Es war eine Übungslektion unter Ernstbedingungen. «Natürlich wollte ich gerne gewinnen», sagt er. «Aber irgendwann werde ich auch dort sein. Das ist mein Ziel.»

Aber was fehlt? Nicht viel. Vielleicht vor allem Routine gegen die Besten des Landes.

Giger und Alpiger werden mit Punktabzug bestraft

Solche gab das Solothurner Kantonalschwingfest. Wie schon das Aargauer vor einer Woche. In Lenzburg war König Christian Stucki Gast und reiste als Sieger ab. Am Sonntag in Matzendorf übernahm diese Rolle Giger. Beide gehören zur absoluten Elite der Schwinger.

Davon war im ersten Gang allerdings nicht viel zu sehen. Giger traf auf Nick Alpiger, gegen den er am Eidgenössischen 2019 in Zug unterlag – als einer der Topfavoriten auf den Königstitel. Auch damals fand das Duell im Anschwingen statt und beendete Gigers Titelträume. Gut möglich, dass das noch im Hinterkopf war.

Eine Revanche ohne Sieger: Samuel Giger und Nick Alpiger trennen sich im Anschwingen des Solothurner Kantonalschwingfest mit einem Gestellten.

Eine Revanche ohne Sieger: Samuel Giger und Nick Alpiger trennen sich im Anschwingen des Solothurner Kantonalschwingfest mit einem Gestellten.

Patrick Luethy

Zumindest zeigten Alpiger und Giger kein Interesse, den Kampf überhaupt richtig zu beginnen. Beide verhinderten aktiv, dass der Gegner richtig Griff fassen konnte. Das führte so weit, dass beiden am Ende 0,25 Punkte abgezogen wurden. Der Gang endete zwar gestellt, allerdings mit der Wertung einer Niederlage.

Beide steigerten sich in der Folge und kamen zu schnellen Erfolgen. Bis Alpiger im vierten Gang plötzlich humpelnd den Platz verliess. Kurze Zeit später stand fest, dass es für ihn nicht weitergeht. Nach einem Fehltritt wird eine Bandverletzung im ­linken Fuss vermutet. Eine MRI-Untersuchung soll am Montag für Klarheit sorgen. Er sagt:

«Ich habe mir im rechten Fuss schon einmal ein Band gerissen. Jetzt ist vielleicht der linke Fuss dran.»

Und doch ist das Pech gross. Am Eidge­nössischen 2019 zog er sich nach dem Coup gegen Giger zum Auftakt einen Sehnenriss im Hüftbeuger zu. Nach einer Operation wäre der 25-Jährige zwar im vergangenen Frühling bereit ge­wesen, doch dann verhinderte Corona die Saison.

Sein Comeback gab der Aargauer vor einer Woche in Lenzburg, als er im Schlussgang Christian Stucki unterlag. Nun droht erneut eine Pause.

Giger und die Diskussionen um alle oder keiner

Giger setzte unterdessen zu einer Gala an. Mit vier Siegen in Sekundenschnelle stiess er in den Schlussgang gegen Strebel vor. Nichts war zu spüren von den Diskussionen im Vorfeld. Der Nordostschweizer Verband wehrte sich gegen eine schrittweise Öffnung im Schwingen. Das führte so weit, dass Giger und Co. sogar einen Trainingsverzicht diskutierten, als erst die 120 besten Schwinger zurückkehren durften.

So weit kam es zwar nicht. Die Unruhe aber war gross. «Das Thema ist längst vergessen», sagt Giger. «Meine Vorbereitung hat es auch nicht beeinflusst.»

Neben Strebel holten drei weitere Aargauer den Kranz. Patrick Räbmatter reagierte auf die Enttäuschung von vor einer Woche, als er die Kranzränge verpasste: «In meinen Kopf ist in dieser Woche viel passiert. Vielleicht wollte ich es in Lenzburg zu sehr.»

Andreas Döbeli teilte sich trotz einer leichten Erkältung unter der Woche, «die mir vielleicht zehn Prozent Kraft raubte», den zweiten Rang mit Oliver Hermann. Dessen Auf­tritte sind umso überzeugender, da er derzeit nur eingeschränkt trainiert, da in den nächsten zwei Wochen Semesterprüfungen anstehen. Hermann lässt sich in Biel zum Holzbau-Ingenieur ausbilden.

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