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Schweizer Nati: Eine erste Annäherung zwischen Petkovic und Tami

Pierluigi Tami (r.), der Direktor der Nationalmannschaft, ist mit der Arbeit von Nationaltrainer Vladimir Petkovic (l.) sehr zufrieden.

Pierluigi Tami (r.), der Direktor der Nationalmannschaft, ist mit der Arbeit von Nationaltrainer Vladimir Petkovic (l.) sehr zufrieden.

Der Schweizer EM-Fahrplan steht, die Zukunft des Nationaltrainers bleibt ungewiss. Für Teamdirektor Pierluigi Tami ist Vladimir Petkovic die erste Option.

Es ist einer dieser Tage, an dem alles möglich scheint. Am ­Morgen gibts Sonne, die Temperaturen sind milde, ehe Huddelwetter aufkommt und den ­ganzen Kleiderplan über den Haufen wirft. Am frühen Nachmittag bittet Vladimir Petkovic aus Rücksicht auf Köbi Kuhns Abdankungsfeier vom Freitag in Zürich vier Tage früher als ursprünglich geplant zum «runden Tisch». Der Nationaltrainer will im bernischen Muri im Haus des Schweizer Fussballs zurück­blicken auf 2019, über die bevorstehende EM und womöglich über seine Zukunft informieren. Zumal sein Vertrag nach dem paneuropäischen Turnier endet.

Die Frage nach der Zukunft bleibt an diesem Montag unbeantwortet. Ein ­erstes ausführliches Gespräch nach einem kürzeren in Gibraltar hat es in der Vorwoche zwischen Petkovic und Pierluigi Tami gegeben, der im Verband seit nicht ganz fünf Monaten als neuer ­Direktor der Nationalmannschaft arbeitet. «Wir wollen ­weitere Gespräche führen. Mein Wille ist da, weiterzumachen. Wichtig ist, dass beide Seiten bereit sind, miteinander weiterzugehen», sagt Petkovic fürs Erste. Tami sitzt daneben und weil er bald einmal sagt, «Vlado ist meine erste Option», sind trotz Geheimhaltung des Gesprächsinhaltes eine erste Aus­legeordnung und eine An­näherung gemacht.

Tami ist zufrieden mit der Arbeit von Petkovic

Doch so einfach ist es nicht, denn es ist der entscheidende Punkt: Wie sehr wollen beide Seiten diese Weiterführung der Arbeit über die EM hinaus, eine Arbeit, die Petkovic 2014 be­gonnen und mit dem Gruppensieg in der EM-Qualifikation den vierten erfolgreichen Parcours – Nations League inklusive – gebracht hat? Tami sagt:

Im Rückblick des Nationalcoachs finden sich grundsätz­liche Argumente, die für einen nächsten Kontrakt sprechen. Petkovic hat neue Spieler eingebaut und das Team verjüngt, nur drei Spieler sind über 30 Jahre alt. Er ist fordernd, will immer mehr, auch wenn er an der EM für einmal nur Schritt für Schritt gehen will und keine Zielvor­gabe macht. Petkovic sagt: «Ich will die 23 besten Schweizer ­haben, die in meiner Mannschaft am besten zusammenpassen.» Es sollen Spieler sein, die bis zum Meisterschaftsende in ihren Klubs regelmässig zum Einsatz kommen und 150 Prozent geben können.

Petkovic sieht einen guten Ist-Zustand seines Teams und die grosse Möglichkeit, es ­künftig noch besser zu machen. «Hunger und Wille sind vor­handen.» Grundsätzlich bejahen also alle die Weiterbeschäftigung. Die Frage ist vielmehr, ob sich der als recht stur geltende Petkovic dem Anforderungsprofil, das Tami für einen National­trainer soeben ausarbeitet, in einem weiteren Zyklus stellen will. Und so bleibt es das dringliche Ziel aller Beteiligten, die Personalie spätestens im März vor dem ­ersten Zusammenzug 2020 geklärt zu haben. Um den Fokus dann bereits voll auf die EM zu richten. Im Idealfall klärt sich die Angelegenheit früher oder bereits am 9.Januar, wenn Tami seinerseits erste Bilanz zieht und sagt, welche Pläne er für das ­Nationalteam hat, die auch zur Wiederannäherung an die Basis dienen sollen.

Rom ist die Basis, im März folgt zuerst das Turnier in Katar

Bis zum finalen Personalentscheid, den der Zentral­vorstand fällen wird, bleibt ein weiter Weg, viele Unwägbarkeiten und Unsicherheiten sind auf beiden Seiten zu minimieren. Da hilft es, dass der EM-Fahrplan steht und die Schweizer Delegation weiss, wie und wo sie das Turnier begehen will. Zur Überraschung vieler, jedoch mit der Hoffnung auf einen längeren Verbleibt im Turnier, wählt sie Rom als Basiscamp, hierfür erhält sie von der Uefa ein Sonderrecht. Denn eigentlich muss jeder Teil­nehmer fünf Tage vor Turnierbeginn das Basiscamp beziehen, die Schweizer aber reisen direkt von Zürich aus nach Baku ans erste EM-Spiel.

Ebenfalls scheint es nur noch eine reine Formalität zu sein, Ende März ein Trainingscamp in Katar mit einem Vierländerturnier zu absolvieren. Das wird dem SFV Geld generieren von einem Staat, der gesellschaftlich-politisch in der Kritik steht. Bedenken äussert der SFV keine, zumal ein Schnupperkurs für die Bedingungen an der WM 2022 nicht schaden kann. Der SFV ist pragmatisch geworden, obschon er gerade beim Thema Katar ein Unbehagen nicht ganz kaschieren kann. Die Prise Pragmatismus kann auch in der Causa Petkovic nicht schaden. Im Fussball gab diese schon gute Resultate.

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