Schweizer Leichtathletinnen
Ein Freudenstrahlen bei Kambundji und ganz viele bittere Tränen bei Sprunger und Moser

Die Berner Sprinterin steht auch über 200 m im Olympiafinal vom Dienstag. Für die Hürdenläuferin Lea Sprunger und die Stabspringerin Angelica Moser platzen hingegen sportliche Träume.

Rainer Sommerhalder
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Mujinga Kambundji freut sich über die zweite Finalqualifikation bei Olympia.

Mujinga Kambundji freut sich über die zweite Finalqualifikation bei Olympia.

Petr David Josek / AP

Tag um Tag, Training für Training. Wochen, Monate, ja sogar Jahre vergehen, in denen Sportlerinnen und Sportler auf ein Ziel hinarbeiten. Es ist Schwerstarbeit, verbunden mit ausserordentlichem Verzicht, gleichzeitig für sehr viele unter ihnen wichtigster und manchmal auch einziger Angelpunkt im Leben.

Umso schmerzvoller der Moment, wenn Träume von Athletinnen platzen, Ziele unerreichbar werden. Hürdenläuferin Lea Sprunger und Stabhochspringerin Angelica Moser – beide in der jüngsten Vergangenheit auch schon auf der Sonnenseite des Sports – erlebten diesen Moment in Tokio für sich nur um Minuten voneinander getrennt.

Lea Sprunger hätte sich den Abschluss ihrer Karriere anders vorgestellt.

Lea Sprunger hätte sich den Abschluss ihrer Karriere anders vorgestellt.

Martin Meissner / AP

Die 31-jährige Romande Sprunger verlängerte einzig wegen Olympia ihre Karriere um ein Jahr. Nach Platz vier an der WM 2019 in Doha lautete ihr ursprüngliches Projekt «Olympiamedaille». Doch wie bei Angelica Moser störten Verletzungen den kontinuierlichen Aufbau auf dieses grosse Ziel empfindlich und offenbar nachhaltig. «Noch vor zwei Monaten konnte ich nicht rennen», sprach Sprunger schluchzend ins Mikrofon. Die tränengeschwängerten Augen sagten mehr als ihre Worte. Die Bitterkeit des Augenblicks in HD.

Eine Entschuldigung an die Enttäuschten

Bei Hallen-Europameisterin Moser begann der Gefühlsausbruch bereits auf dem Wettkampfplatz. Dank Zoom war das Publikum auch hier unmittelbar dabei. Der TV-Auftritt geriet danach zum emotionalen Bouquet. Die Athletin entschuldigte sich bei den vielen Menschen, die sie mit ihrem Scheitern enttäuscht habe. Ein seltsamer Satz, der viel darüber aussagt, wie gross der Druck in einem solchen Wettkampf ist.

Angelica Moser muss ihre Enttäuschung gezwungenermassen mit der ganzen Welt teilen.

Angelica Moser muss ihre Enttäuschung gezwungenermassen mit der ganzen Welt teilen.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Druck war auch bei Sprinterin Mujinga Kambundji ein Thema. «Nicht verkrampfen» lautete nämlich die Vorgabe ihres Trainers für den Halbfinal über 200 m. Wie bereits über 100 m schaffte es die Bernerin in den Final der weltbesten acht Läuferinnen. Doch die Hürde Medaille scheint in Tokio deutlich höher als bei der WM in Doha vor zwei Jahren. Dort gelang Kambundji dieses historische Kunststück als Dritte – notabene mit einer Zeit (22,51), die bei Olympia nicht für den Finaleinzug gereicht hätte.

Kambundji läuft dreimal exakt ihre beste Zeit

Während die nackten Zahlen verraten, dass im Final am Dienstag (14.50 Uhr Schweizer Zeit) für ein Podestplatz wohl unter 22 Sekunden gelaufen werden muss, scheint Kambundji irgendwie in ihrer Resultatwelt gefangen zu sein. Bereits über 100 m war die exakte Egalisierung ihrer persönlichen Bestzeit das höchste der Gefühle. Über die doppelte Distanz gelang ihr dieses arithmetische Kunststück im Vorlauf- und Halbfinal innerhalb von zehn Stunden zweimal auf die Hundertstelsekunde. 22,26 lautete die offensichtlich magische Zeit.

Kambundji ist überzeugt, dass sie schneller rennen kann. Sie sagt: «Es ist alles da, was es braucht, um schnell zu sein. Ich bin in meiner besten Form». Erstaunt war sie über ihre Zeit im Vorlauf, als sie sich müde fühlte und zudem auf den letzten Metern nicht durchzog. «Vielleicht hätte ich das doch tun sollen», sagte sie nach dem Rennen.

Im Gegensatz zu den Teamkolleginnen Sprunger und Moser konnte die 29-Jährige die offenen Fragen in der Wettkampfanalyse mit einem Strahlen wegzaubern. Mujinga Kambundji schwebt auf Wolke sieben. Dort gibt es keine Tränen.

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