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Schweizer Klubs sind im europäischen Fussball-Herbst ungenügend

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YB, Lugano, Thun und Luzern ausgeschieden, nur Basel überwintert europäisch: Das ist ungenügend.

Aus und vorbei. Die Young Boys haben bei den Rangers zwar aufopferungsvoll gekämpft und ein 1:1 geholt, aber ausgeschieden aus der Europa League sind sie dennoch. Obwohl sie sich in einer starken Gruppe behaupten mussten, ist dies eine Enttäuschung. Aber den Bernern ist die Energie abhanden gekommen, die sie für ihren Powerfussball benötigen. Während Monaten ein halbes Dutzend Stammspieler zu ersetzen, ist per se schon schwierig. Wenn dann aber die Batterien der anderen leer werden, wird die Aufgabe auf internationaler Stufe schier unlösbar.

Bereits im August war der Schweizer Meister in den Qualifikationsspielen zur Champions League mit zwei Unentschieden an Roter Stern gescheitert. Etwas unglücklich zwar, doch die Belgrader haben in der Gruppenphase der Königsklasse offenbart, dass YB sie eigentlich hätte packen müssen.

Voll überzeugt hat in der Europa League dagegen der FC Basel. Mit dem 2:0 gegen Trabzonspor wurde er gar Gruppensieger. Wer nun glaubt, die Basler hätten es mit Laufkundschaft zu tun gehabt, liegt falsch. Denn: Krasnodar steht aktuell in der russischen Meisterschaft auf Rang 2, Getafe in der spanischen Liga auf dem beeindruckenden fünften Platz und Trabzonspor in der Türkei auf Position drei. Die grösste Tat vollbrachte der FCB mit den beiden Siegen über Getafe. Einen spanischen Kontrahenten sowohl im Hin- wie im Rückspiel zu schlagen, hat bisher noch kein Schweizer Klub geschafft.

Auch wenn der FCB international überwintert, darf in der Bilanz das Verpassen der Champions League nicht vergessen gehen. Nachdem er sich gegen Eindhoven formidabel durchgesetzt hatte, war er gegen den österreichischen Vizemeister Linzer ASK nicht bereit und verlor beide Spiele. Ein fetter «Tolggen» im Reinheft von Rotblau ist das schon.

Als der FC Lugano im Mai am letzten Spieltag in der Super League ausgelassen die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League bejubelte, hatte er wohl vergessen, was zwei Jahre zuvor geschehen war. Von der Uefa aus dem scheinbar untauglichen Cornaredo ins teure Luzerner Exil getrieben, waren kaum Zuschauer erschienen.

Noch trostloser sah es nun im kostengünstigeren St. Galler Kybunpark aus, wohin die Luganesi dieses Mal auswichen. Es kamen 1000 Fans gegen Kiew, 1900 gegen Malmö und 1200 gegen den FC Kopenhagen. Dass er ohne Heimvorteil keine Chance auf ein Weiterkommen hatte, ist den Tessinern nicht zum Vorwurf zu machen. Eher der Uefa, die ein Stadion nicht akzeptiert, in dem die Schweizer A-Nati im letzten Jahr noch zwei Länderspiele austrug. Und eher auch der Stadt Lugano, die es nicht schafft, ihrem Verein eine der Uefa genehme Spielstätte zur Verfügung zu stellen. Das Bild, das Lugano in dieser Konstellation abgibt, ist schlecht für den Klub, die Stadt und generell für den Schweizer Fussball.

Dieser hat im Europacup-Herbst 2019 – es gehören auch Luzern und Thun dazu –unter dem Strich nicht überzeugt. Der 22. Platz im Uefa-Ranking 19/20 (Stand vor dem letzten Spieltag) ist der Beleg dafür. Im Besonderen war das Abschneiden in den Qualifikationsspielen mit sieben Niederlagen und nur drei Siegen ungenügend.

Autor

Markus Brütsch

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