Am Ende wurden die Schweden für einen biederen Auftritt sehr gut belohnt. Und die Fischer-Boys in ihrem unablässigen Bemühen, noch einmal ins Spiel zurückzukehren, auch noch durch einen skandalösen Schiedsrichterpfiff zurückgebunden. Einem Treffer von Dominik Schlumpf (55.) wurde die Anerkennung versagt, weil der Referee eine Aktion vor Lundqvist viel zu früh abgepfiffen hatte.

Die Szene im Video.

Es passte zu einem Abend, an dem die Schweizer noch einmal alles in die Waagschale warfen, aber das Blatt nicht mehr zu wenden vermochten. «Wir haben uns mehr vorgenommen. Wir wollten unbedingt nach Köln. So auszuscheiden tut sehr weh», bedauerte Simon Bodenmann. Ihm war anzusehen, welche grosse Gelegenheit seine Mannschaft in Paris verpasst hatte, Schweizer Eishockey-Geschichte zu schreiben.

Famoses Mitteldrittel

Aber dieses zweite Drittel! Hat man jemals eine Schweizer Mannschaft gegen einen so hochkarätig besetzten Gegner wie die Schweden besser spielen gesehen? Nein. Es waren 20 Minuten, in denen alle Qualitäten dieser Eisgenossen Jahrgang 2017 noch einmal eindrücklich unter Beweis gestellt wurden. Sie schafften es, die NHL-Stars in der schwedischen Verteidigung und Goalie Henrik Lundqvist immer wieder vor grosse Probleme zu stellen.

Die Highlights der 1:3-Niederlage der Schweiz gegen Schweden

Das bittere Out der Schweizer an der WM 2017 im Viertelfinal

Mit getauschten Trikots hätte man als Zuseher gedacht: «Ja, diese NHL-Spieler sind halt doch eine Nummer zu gross für die Schweizer.» Aber das Gegenteil war der Fall. Umso bitterer, dass die Mannschaft von Nationaltrainer Patrick Fischer nach 40 Minuten trotz deutlicher Überlegenheit mit 1:2 im Hintertreffen lag. Es war ein miserabler Lohn für eine grosse Leistung.

Die letzte Entschlossenheit fehlte

Und letztlich leider auch der entscheidende Faktor, dass das Schweizer WM-Abenteuer gestern Abend zu Ende ging. In diesem zweiten Drittel hätten es die Rot-weissen in der Hand gehabt, in diesem Duell auf Augenhöhe die Differenz zu schaffen. Ein wenig mehr Fortune im Abschluss, etwas mehr Entschlossenheit von Gaetan Haas, Denis Hollenstein und Pius Suter bei deren Grosschancen – und die Schweizer wären mit einer Führung ins letzte Drittel gegangen.

Eine kleine Unaufmerksamkeit in der Defensive gepaart mit einer etwas ungeschickten Intervention von Goalie Leonardo Genoni reichten so den Schweden, um sogar eine Führung in diese zweite Drittelspause zu retten. Ein langer Pass von Oliver Ekman-Larsson, ein etwas zu offensiv agierender Raphael Diaz, ein etwas zu spät eingreifender Christian Marti und schlechtes Timing von Genoni waren in der Gesamtsumme zu viel, um William Nylander am schwedischen Führungstor zu hindern.

Die Schweizer hätten an diesem Abend, an dem sie eine grosse Leistung zeigten, einen Torwart gebraucht, der sich keinerlei Schwächen zuschulden lassen kommt und ebenfalls über sich hinauswächst. Leider gelang Leonardo Genoni diese grosse Leistung nicht. Im Gegenteil. Er sah nicht nur beim zweiten Tor der Schweden nicht so gut aus, sondern auch beim dritten durch Alexander Edler, welcher die Schweizer Hoffnungen auf eine Sensation mit dem 1:3 früh knickte.

Der Verteidiger der Vancouver Canucks profitierte von einem saftigen Abpraller des Schweizer Goalies. Solche Gelegenheiten lassen sich gestandene NHL-Cracks eben nicht entgehen. Und auf der anderen Seite musste NHL-Superstar Henrik Lundqvist im Tor der Skandinavier seinem Ruf effektiv gerecht werden. Bitter: Mit vertauschten Torhütern hätten die Schweizer dieses Spiel vermutlich gewonnen. Diese Erkenntnis soll aber nichts von den über das ganze WM-Turnier gesehen sehr guten Leistungen von Genoni wegnehmen.

Telegramm

Schweiz - Schweden 1:3 (1:1, 0:1, 0:1)

Paris. - 8417 Zuschauer. - SR Iverson/Kubus (CAN/SVK), Otmachow/Suchanek (RUS/CZE). - Tore: 5. Bäckström (Lindberg, Nylander) 0:1. 13. Haas 1:1 (Eigentor Ekman-Larsson). 34. Nylander (Ekman-Larsson) 1:2. 44. Edler (Joel Lundqvist) 1:3. - Strafen: 1mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Schweden.

Schweiz: Genoni; Diaz, Furrer; Loeffel, Genazzi; Untersander, Kukan; Marti; Rüfenacht, Almond, Schäppi; Praplan, Haas, Hollenstein; Ambühl, Malgin, Herzog; Bodenmann, Suter, Suri; Brunner.

Schweden: Henrik Lundqvist; Stralman, Hedman; Brodin, Ekman-Larsson; John Klingberg, Edler; Lindholm, Rask, Landeskog; Nylander, Bäckström, Lindberg; Söderberg, Karlsson, Everberg; Eriksson Ek, Krüger, Joel Lundqvist; Nordström.

Bemerkungen: Schweiz ohne Untersander (verletzt), Richard, Hiller (beide überzählig) und Schlegel (Ersatzgoalie). Schweden ohne Carl Klingberg (Zug) und Omark (beide überzählig). - Furrer (im zweiten Drittel), Almond (nach zwei Dritteln) und Diaz (49.) verletzt ausgeschieden. - Timeout Schweiz (57.) - Schweiz von 56:20 bis 56:27 und ab 57:03 ohne Goalie. - Schüsse: Schweiz 27 (5-13-9); Schweden 29 (8-9-12). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/3; Schweden 0/1.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Etienne Wuillemin: