WM-Testspiel
Rommel, der Kanal und das Kinderbuch: 9 Fakten über den Nati-Gegner Panama

Nach dem 1:0-Sieg in Griechenland am Freitag testet die Schweiz heute in Luzern gegen den WM-Teilnehmer Panama. Die Mittelamerikaner nehmen im Sommer in Russland zum ersten Mal überhaupt an Weltmeisterschaften teil.

Ralf Meile
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Nationaltrainer Hernan Dario Gomez feiert die erstmalige WM-Qualifikation Panamas.

Nationaltrainer Hernan Dario Gomez feiert die erstmalige WM-Qualifikation Panamas.

Keystone

Panama, der Schweizer Testspielgegner vom Dienstagabend, ist ein Fussball-Exot – und auch abseits des grünen Rasens ein für uns Schweizer eher unbekanntes Land. 2018 in Russland nimmt Panama erstmals in seiner Geschichte an einer WM-Endrunde teil. Dort treffen die Mittelamerikaner in der Gruppe G auf Belgien, England und Tunesien. Die «Canaleros» setzten sich in der WM-Qualifikation einzig wegen der besseren Tordifferenz in einem Fernduell gegen Honduras durch. Die Entscheidung fiel erst in der 88. Minute: Roman Torres wurde durch seinen Treffer zum 2:1-Sieg gegen Costa Rica zum gefeierten Matchwinner.

1. Wo liegt Panama überhaupt?

In Zentralamerika. Das Land bildet den Übergang von Nord- zu Südamerika, eingeklemmt von Costa Rica im Westen und Kolumbien im Osten. Dank dem Panamakanal können Schiffe von der Karibik in den Pazifik fahren und dank dieser Abkürzung verdient das Land viel Geld. Panama gilt dadurch als einer der reichsten Staaten Lateinamerikas. Rund vier Millionen Menschen leben auf einer Fläche, die knapp doppelt so gross wie die Schweiz ist.

2. Oh, wie schön ist Panama

Das Kinderbuch mit diesem Titel ist wohl für viele Menschen im deutschsprachigen Raum die grösste Verbindung zum Staat in Mittelamerika. Janoschs Geschichte handelt von einem kleinen Tiger und einem kleinen Bären, die gemeinsam nach Panama reisen.

3. Rommel Fernandez

Der einstige Fussballstar ist ein Nationalheld, dessen Eltern bei der Wahl des Vornamens einen zweifelhaften Geschmack bewiesen. «El Panzer» wechselte 1986 als erster Fussballer Panamas nach Europa (Teneriffa, Valencia, Albacete). Nachdem er 1993 bei einem Autounfall bloss 27-jährig starb, wurde ihm zu Ehren das Nationalstadion in Estadio Rommel Fernandez umbenannt. Dort schafften seine Nachfolger auch den historischen 2:1-Sieg gegen Costa Rica, der die WM-Teilnahme bedeutete.

4. Seine Nachfolger

Der Siegtorschütze im entscheidenden Spiel: Roman Torres.

Der Siegtorschütze im entscheidenden Spiel: Roman Torres.

Keystone

Im aktuellen Kader sucht man lange, bis man einigermassen bekannte Namen findet. Man stösst auf Stürmer Gabriel Torres, der bis im Winter in Lausanne spielte und nun beim chilenischen Klub Huachipato beschäftigt ist. Oder man stösst auf die Verteidiger Roman Torres (Seattle Sounders), Michael Murillo und Fidel Escobar (beide New York Red Bulls) oder Mittelfeldspieler Anibal Godoy (San Jose Earthquakes), die ihr Geld in der MLS verdienen. Goalie Jaime Penedo ist die Nummer 1 von Dinamo Bukarest. Den grossen Star gibt es in der Auswahl von Panamas Nationaltrainer Hernan Dario Gomez, einem Kolumbianer, nicht.

5. Die grössten Erfolge Panamas

Die WM-Qualifikation ist das Beste, was Panama jemals auf einem Fussballplatz geschafft hat. In der Verbandsvitrine setzt wenig Silberware Staub an: Der Erfolg bei der Mittelamerika-Meisterschaft 2009 ist der einzige Titelgewinn der Neuzeit. Hinzu kommen seit 2005 je zwei zweite und dritte Plätze am Gold Cup, der «EM» des CONCACAF-Verbands.

Als Panama vor zwei Jahren erstmals als Gastteam zur Copa America eingeladen wurde, scheiterte es in der Vorrunde. Einem Sieg gegen Bolivien folgten Niederlagen gegen Argentinien und Chile.

6. Berühmte Panamaer

Ruben Blades ist ein gefeierter Salsa-Musiker, der schon mit Michael Jackson zusammenarbeitete. Er gründete auch schon eine recht erfolgreiche Partei, war UNO-Sonderbotschafter gegen Rassismus, während fünf Jahren Tourismus-Minister Panamas und spielte in Hollywood-Filmen wie «Once Upon a Time in Mexico» oder «Safe House» mit.

Gefürchtet war der ehemalige Diktator Manuel Noriega, der in den 80er-Jahren die Macht an sich riss. Im Mai starb der Mann, der CIA-Agent und Drogendealer war, nach 27 Jahren im Gefängnis.

Weitspringer Irving Saladino wurde 2008 in Peking Olympiasieger. Es ist das bislang einzige Olympiagold in Panamas Geschichte und es war erst die dritte Medaille insgesamt nach zwei bronzenen Auszeichnungen des Sprinters Lloyd LaBeach im Jahr 1948.

Eine Legende ist auch Boxer Roberto Duran. Schon mit 16 Jahren wurde das Leichtgewicht Profi; Duran kämpfte, bis er 50 war. Fünf Mal wurde er Weltmeister, unter anderem schlug er Sugar Ray Leonard. Er trug den Spitznamen «Mano de Piedra» («die Hand aus Stein»), weil er als 14-Jähriger angeblich ein Pferd mit einem einzigen Schlag K.o. schlug.

In der von den USA kontrollierten Panamakanalzone kam 1918 Ingenieur Edward Murphy auf die Welt. Von ihm stammt das berühmte Murphy's Law: «Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.»

7. Der Panama-Hut

Der berühmte handgeflochtene Strohhut kommt ... aus Ecuador. Bekannt ist er dennoch als Panama-Hut. Eine Vermutung für die Verwechslung: Als 1855 ein Hut für Napoleon III. nach Frankreich geschickt wird, wird der Hut in Panama verschifft und die Franzosen glauben daher, dass er aus diesem Land kommt.

8. Die Panama Papers

Panamas Finanzgesetze bieten Steuerschlupflöcher, die von reichen Ausländern und Firmen gerne genutzt werden. 2016 kamen durch ein Datenleck eine Unmenge vertraulicher Unterlagen an die Öffentlichkeit. Journalisten enthüllten unzählige Gesetzesbrüche und lösten in vielen Ländern eine Diskussion über Geldwäsche, Steueroasen und Briefkastenfirmen aus.

9. Der Name «Panama»

Es gibt verschiedene Theorien, weshalb das Land so heisst. Eine der schöneren lautet, dass Panama in einer Sprache der Ureinwohner «viele Schmetterlinge» bedeute. Eine andere, weit verbreitete Version behauptet, Panama sei einst der Name eines Fischerdorfs gewesen, in dessen Gewässern es besonders viel zu holen gab.