Australian Open
Roger Federer nach Viertelfinal-Einzug: «Wir sind manchmal zu sehr Kumpels»

Ohne Satzverlust steht Roger Federer nach seinem Dreisatzsieg (6:4, 7:6 (7:3), 6:2) bei den Australian Open in den Viertelfinals. Dort trifft er auf Tomas Berdych. Was der 36-Jährige über seinen Gegner und Freundschaften im Männer-Zirkus denkt.

Simon Häring, Melbourne
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Roger Federer zu seinem Viertelfinal: «Wir hatten grossartige Duelle in den vergangenen Jahren.»

Roger Federer zu seinem Viertelfinal: «Wir hatten grossartige Duelle in den vergangenen Jahren.»

KEYSTONE/AP/VINCENT THIAN

Roger Federer, Sie spielten erstmals am Tag. Worin besteht der Unterschied zur Nacht?
Roger Federer: Vielleicht ist es tagsüber etwas windiger. Und hier in Australien ist es um die Mittagszeit wegen der Sonne schwierig, zu servieren. Und es ist etwas schneller.

Im zweiten Satz haben sie einen Lob gespielt, der aus dem Stadion flog – und danach den Punkt gewonnen. Trainieren Sie so etwas?
Das war einer der grössten Witzpunkte, die ich je gespielt habe (lacht). Dieser Ball sollte irgendwo landen, aber sicher nicht auf der anderen Seite des Netzes. Danach habe ich mich gut verteidigt, aber normalerweise hast du nicht so viel Glück. Ich bin irgendwie froh, dass dieser Punkt den Satz nicht entschieden hat. Das wäre ein zu grosser Witz gewesen.

Vor einem Jahr besiegten Sie in Melbourne Tomas Berdych klar in drei Sätzen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Viel habe ich nicht überlegt, um ehrlich zu sein. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mir nach der Auslosung gedacht habe, dass es nicht einfach ist. Damals war es mir nicht so wichtig, ob ich in der dritten Runde oder in den Viertelfinals verliere. Wichtig war nur, dass ich ohne Verletzung wieder nach Hause komme. Woran ich mich erinnere, ist der Match in Miami, wo ich zwei Matchbälle abgewehrt habe. Dort hätte ich verlieren müssen, gewann am Ende aber sogar das Turnier. Manchmal brauchst du dieses Glück.

Nach gut zwei Stunden verwertete Federer in der Rod Laver Arena seinen ersten Matchball mit einem Volley zum 6:4, 7:6 (7:3), 6:2.
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Der 36-jährige Baselbieter zeigte bei seinem ersten Auftritt in diesem Jahr in Melbourne am Nachmittag eine sehr solide, aber keine überragende Leistung.
Federers Gegner: Marton Fucsovics aus Ungarn.
Federer gegen Fucsovics am Australian Open

Nach gut zwei Stunden verwertete Federer in der Rod Laver Arena seinen ersten Matchball mit einem Volley zum 6:4, 7:6 (7:3), 6:2.

Andy Brownbill

Vor einem Jahr hatten Sie kaum Erwartungen. Wie gross ist der Unterschied zum vergangenen Jahr?
Es ist total unterschiedlich. Schon nur, wie ich durch meine Pressekonferenzen gehe. Wie ich den Match vorbereite. Alles ist anders, ehrlich gesagt. Es wäre falsch, zu probieren, etwas vom Vorjahr zu kopieren. Sicher kann ich etwas von dieser Lockerheit aus dem vergangenen Jahr mitnehmen. Es wäre falsch, zu versuchen, dieses Gefühl zurückzugewinnen. Für mich zählt, dass ich ohne Probleme bis in die Viertelfinals gekommen bin.

Sie haben schon 25 Mal gegen Berdych gespielt, was hilft Ihnen das?
Wir hatten grossartige Duelle in den vergangenen Jahren. Angefangen beim ersten Duell bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Er scheint gut in Form zu sein und ich bin glücklich, dass er die Rückenprobleme übrewunden hat, die er im vergangenen Jahr hatte.

Haben Sie sein Spiel mitverfolgt?
Ein wenig, ja. Und ich habe ihn gegen Del Potro spielen sehen. Mir ist es wichtig, dass ich ein wenig vom Spiel sehe, damit ich weiss, ob er hier etwas anders spielt als normal. Ob er den Ball früher nimmt, oder anders serviert. Meine Coaches werden das dann sicher noch genauer anschauen. Aber für mich ist es wichtig, ein Gefühl dafür zu haben.

Man hat den Eindruck, dass es im Männer-Tennis sehr freundschaftlich zu und her geht. Wie sehen Sie das?
Der gegenseitige Respekt ist mir sehr wichtig, das Fairplay. Aber ich finde auch, dass wir manchmal zu sehr Kumpels sind. Am Ende des Tages gehen wir auf den Platz, um zu gewinnen. Du kannst nebem dem Platz befreundet sein – auf dem Platz muss es fair aber hart sein. Persönlich habe ich den Eindruck, dass es manchmal zu weit geht. Wenn du fünf Sätze gespielt hast und man sich dann in die Arme fällt, ist das okay, weil du etwas sehr Emotionales erlebt hast. Aber wenn es drei Sätze waren, dann ist es einfach einer von 40, 50 Matches im Jahr.