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Rekurs abgelehnt - Blatter darf nicht an den Fifa-Kongress

Blatters Sperre wird auf sechs Jahre reduziert.

Blatters Sperre wird auf sechs Jahre reduziert.

Die Rekurskommission der Fifa hat die achtjährige Sperre gegen Sepp Blatter auf sechs Jahre reduziert.

Noch ein letzter Auftritt. Wenigstens. Noch ein letztes Mal das Gefühl des grossen Zampanos geniessen. Noch ein letztes Mal das Wort vor der versammelten Familie ergreifen. Ein letzter Gruss, vielleicht. Eine letzte Warnung, wahrscheinlich. Ein letzter Witz, unbedingt. Doch die Hoffnung des Sepp Blatter, dieses bald 80-jährigen Fussball-Romantikers, ist gestorben.
Die Fifa-Rekurskommission hat die Sperren gegen Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini zwar von acht auf sechs Jahre reduziert. Doch das nützt dem Walliser nichts. Denn sein letzter grosser Auftritt sollte morgen über die Bühne gehen.

Seit Blatter am 16. Februar von der Rekurskommission angehört worden war, sass er in seiner Wohnung in Zürich wie auf Nadeln. Täglich hatte er den Entscheid erwartet. Täglich hatte er gehofft, die Fifa, seine Familie, seine Geliebte, würde Milde walten lassen. Vergeblich. Weshalb der Verdacht keimte, die Fifa zögere den Entscheid bewusst so lange hinaus, ehe das Interesse der Weltöffentlichkeit gänzlich auf die Wahl des neuen Präsidenten gerichtet ist und Blatter nur noch durch die Hintertür abtreten kann.

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CARDS: Fifa-Wahl

Blatter hoffte. Blatter betete. Bis gestern Abend. Gegen 18 Uhr wurde er informiert, dass er am Freitag nicht zum Kongress zugelassen und bis 2021 kein Amt im Fussball ausüben wird. Blatter fühlt sich vom lieben Gott verlassen, wie er der französischen Sportzeitung L’Equipe sagte.

Blatter reagierte geschockt. «Ich bin tief enttäuscht von der Fifa-Rekurskommission. Mein nächster Schritt ist jener vor den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne.» Weiter lässt er über einen Vertrauten telefonisch ausrichten, dass er sich von seiner Familie verraten fühle.
Sechs statt acht Jahre Sperre. Dazu eine Strafe in Höhe von 45 000 Euro.

Die Rekurskommission begründet die Reduktion der Sperre mit «stark strafmildernden Faktoren», die im Urteil der Fifa-Ethikkommission nicht berücksichtigt worden sind. «In Anbetracht dessen ist die Berufungskommission der Auffassung, dass die langjährigen Verdienste von Herrn Blatter und Herrn Platini für die Fifa, die Uefa und den Fussball im Allgemeinen in angemessener Weise als strafmildernder Faktor angesehen werden sollten.»

Für Blatter ist diese Begründung wie ein Hohn. Dass sein Spiel aus ist, war ihm längst bewusst. Nur hoffte er auf einen würdigen Abschied. Auf einen letzten grossen Auftritt am Kongress. Doch da kommt er nicht rein.

Die dubiose Zahlung an Platini

Am Ursprung der Demontage Blatters, der die Fifa seit 1998 präsidierte, steht eine Zahlung an Michel Platini. 2011 flossen von der Fifa zwei Millionen Franken an den Uefa-Präsidenten. Der einstige französische Weltklasse-Fussballer forderte diese Summe für Beratertätigkeiten ein, die er zwischen 1998 und 2002 für die Fifa geleistet haben soll. Ein schriftlicher Vertrag existiert nicht. Beide pochen weiterhin auf einen mündlichen Vertrag, der nach Schweizer Recht verbindlich ist. Als Zeugen hat Platini der Ethikkommission den Uefa-Vize Angel Maria Villar Lona und EM-Organisationschef Jacque Lambert präsentiert.

Im Sommer 1975 war es, als Blatter bei der damals beschaulichen Fifa als Direktor für Entwicklungsprogramme anheuerte. 1981 stieg er zum Generalsekretär auf. 1998 wurde er zum Präsidenten gewählt. Die Fifa ist sein Leben. Die heutige Fifa, eine Gelddruckmaschine sondergleichen, ist in seinen Augen sein Werk.

Blatters Ziel war es nicht, ein luxuriöses Leben zu führen. Er besitzt heute noch keine Jacht, sondern begnügt sich mit einem Pedalo auf dem Zürichsee. Blatter strebt nach Macht und Anerkennung. Er spricht gerne davon, wie er vom Papst, von Barack Obama oder von Wladimir Putin, einem seiner letzten Vertrauten aus der obersten Liga, empfangen wird. Und er liebt es, sich als Entwicklungshelfer des Fussballs zu inszenieren. Was grundsätzlich kein falsches Bild ist. Aber es gibt halt auch das Bild des Mannes, der die ausufernde Korruption in seinem Laden zumindest toleriert hat.

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