So lebt die Eishockeyanerin Rahel Enzler in den USA

Die Zugerin Rahel Enzler (20) ist nach rund acht Wochen voll des Lobes über ihren neuen Lebensmittelpunkt an der University of Maine.

Daniel Monnin
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Nur an die Maskenpflicht im Training muss sich Rahel Enzler noch gewöhnen.

Nur an die Maskenpflicht im Training muss sich Rahel Enzler noch gewöhnen.

PD

Eigentlich ist bei Rahel Enzler alles im Lot. Sie lebt ihren amerikanischen Traum von Studium und Hockey an der University of Maine im Nordosten der USA, an der Grenze zu den kanadischen Provinzen Quebec und New Brunswick. Ihr Lächeln ist breit und ihre Augen funkeln als Beweis für ihre enthusiastische Gemütslage. «Ja», sagt sie strahlend, «mir gefällt es ausserordentlich gut hier. Maine ist schön, an der Universität läuft alles wie gewünscht, ich fühle mich akzeptiert und wohl.»

Nur eines ist noch nicht ganz so, wie es sein sollte: Die Meisterschaft, für eine Eishockey-Spielerin mitunter das Kernstück jeder Ausbildung in den USA, hat noch nicht begonnen. Die Rede ist von einem Start bis Ende November, aber ob es dann auch klappen wird, steht nach wie vor in den Sternen. Die Corona-Fallzahlen im Bundesstaat Maine und insbesondere im Penobscot County, in dem sich die Universität befindet, sind derzeit tief, weit tiefer als in den amerikanischen Hotspots und auch einiges tiefer als in der Schweiz.

Zeit, um die Umgebung zu erkunden

Seit Ende August lebt die 20-Jährige aus Unterägeri dank ihres Studentenvisums nun in Orono, einer Kleinstadt mit rund 10 000 Einwohner und dem Universitätscampus als Zentrum. «Ich hatte Glück und bin rechtzeitig zum Start der Vorlesungen eingetroffen.» Sie habe ihr Studium als undecided student aufgenommen. Das heisst, dass ihr die Uni Zeit gibt, um herauszufinden, was genau sie denn studieren möchte. «Ich interessiere mich für die Fächer Kinesiologie, Sportwissenschaften, Business und Ernährung.» Bis Ende Jahr müsse sie sich entscheiden, es dürfte wohl in Richtung Bewegungswissenschaften als Hauptfach und Business Administration im Nebenfach gehen.

Enzlers Tagesplan ist vollgepackt mit Studienlektionen – jeweils eine bis drei Lektionen am Morgen – und Trainings sowohl off-ice als auch auf dem Eis. Zusätzlich gibt es noch Teammeetings. Zeit für die Hausaufgaben, Erholung und Freizeit steht erst gegen Abend zur Verfügung. Rund 15 Stunden Vorlesungen und zwischen 15 bis 20Stunden Trainings pro Woche, ohne Spiele: So sieht Enzlers Engagement aus.

Trotzdem hat die Stürmerin des Schweizer Nationalteams bereits mehrmals Zeit gefunden, die nähere Umgebung zu erkunden. «Einige Teamkolleginnen haben ein Auto hier, wir waren zusammen an der Küste oder etwa im Arcadia-Nationalpark.» Und wieder huscht ein breites Lächeln über ihr Gesicht: «Ich kann es nur wiederholen: Maine ist wunderschön.»

Praktisch nur Positives erzählt Rahel Enzler auch von ihren ersten Erfahrungen mit dem nordamerikanischen Eishockey, das sie ja von ihren WM-Einsätzen mit dem Nationalteam in den USA und Kanada bereits ein wenig kannte.

«Das Atmen mit Maske fällt nicht leicht»

«Die Trainings sind sehr intensiv, das Spiel ist physisch geprägt und schnell, aber inzwischen habe ich mich ganz gut an die kleineren Eisfelder und den höheren Rhythmus gewöhnen können», sagt Enzler. Gewöhnungsbedürftig ist einzig die Maskenpflicht im Training. «Es ist manchmal schon mühsam mit den Masken, das Atmen fällt nicht leicht. Aber wir sind alle froh, können wir überhaupt als Team zusammen trainieren.» Deshalb unterstreicht die Zugerin noch einmal, dass sie sich wohlfühle, im Team, an der Uni und auch in ihrer kleinen Studentenbude, die sie mit einer Teamkollegin teilt.