Emmens Handballer verlieren gegen Muotathal – und punkten trotzdem

Die Defensive ist weiterhin Emmens Achillesferse. Auch bei der 32:36-Niederlage gegen Muotathal kassieren sie mehr als 30 Gegentreffer.

Stephan Santschi
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Angesichts des jungen Teams plädiert Emmens Spielmacher Mark Schelbert (Mitte) für Geduld.

Angesichts des jungen Teams plädiert Emmens Spielmacher Mark Schelbert (Mitte) für Geduld.

Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 14.12.2019)

Die Bilanz des Wochenendes für die 1.-Liga-Handballer aus Emmen ist speziell: Das Heimspiel gegen Muotathal verloren sie mit 32:36, leer gingen sie aber trotzdem nicht aus. Denn die Niederlage gegen Altdorf vor drei Wochen ist definitiv für nichtig erklärt worden. Das 24:25 wurde vom Verband auf 24:24 korrigiert, weil den Urnern fälschlicherweise ein Treffer gutgeschrieben worden war. Der Spielfeldprotest Emmens war erfolgreich, Altdorf reichte keinen Rekurs ein.

Dass die Partie gegen Muotathal keinen Ertrag abwarf, lag derweil an der löchrigen Abwehr. Sieben Mal traten die Emmer in der neuen Saison bisher an, fünf Mal kassierten sie mehr als 30 Gegentore – noch immer ist die Defensive ihre Achillesferse. «In Eins-zu-Eins-Situationen fehlt uns noch Qualität. Und ich vermisse den Willen, einen freiliegenden Ball sofort zu packen», sagt Emmens Spielmacher Mark Schelbert. Und schmunzelnd fügt der gebürtige Muotathaler an: «Wer sich als Handballer verbessern will, muss sich auf jeden freien Ball stürzen und nicht auf den Pfiff des Schiedsrichters warten – auch wenn das nicht immer cool aussieht. Das hat Muotathal besser gemacht.»

Mark Schelbert bleibt drei weitere Jahre in Emmen

Für einmal vermochte die starke Offensive der Emmer die Schwächen in der Verteidigung nicht zu kompensieren, auch vorne ploppten zu viele Unzulänglichkeiten auf. Schelbert, der Topskorer, wurde von den Schwyzern früh in Manndeckung genommen. Und wenn seine Tore fehlen, dann ist sein Team derzeit nicht imstande, zu gewinnen. «Unsere Chancenauswertung war nicht gut. Immerhin haben wir uns aber viele Möglichkeiten herausgespielt. Es ist wie im Eishockey, wo der Puck erst mal in den Slot muss», erzählt Schelbert.

Der langjährige NLA-Handballer plädiert für Geduld, «unser Team ist jung, wir haben einiges an Routine verloren». Abwehrchef und Kreisläufer Luka Ravlija ist ebenso nicht mehr im Team wie Keeper Marcel Luthiger. Auch Remy Weingartner (verletzt) und Valentino Augugliaro (Militär) sind nicht verfügbar. «Wir haben sieben Spieler, die jünger als 20 Jahre alt sind. Wer letzte Saison noch U19-Junior bei der SG Pilatus war, von dem kann man nicht erwarten, dass er jetzt auf diesem Level sofort funktioniert.» Wichtig sei, dass sie im Training engagiert ans Werk gingen und das sei zweifellos der Fall. Deshalb verlängerte der 34-jährige Schelbert seinen Vertrag in Emmen gleich um drei weitere Jahre, bei der Entwicklung der jungen Garde möchte er sich mit Rat und Tat beteiligen. «Wir müssen nicht in dieser Saison in die NLB aufsteigen. Wenn wir es dann aber in ein paar Jahren schaffen, soll die Mannschaft auch tauglich sein, sich dort zu halten», betont er.

«Werden wir die Saison zu Ende spielen können?»

Schelberts Stammklub, der KTV Muotathal, schleicht sich derweil klammheimlich in Richtung Spitze. Trainer ist seit dieser Saison der frühere litauische Nationalspieler Marius Kasmauskas. Auf die 3:2:1-Abwehr ist ebenso Verlass wie auf die Kampfbereitschaft und die mannschaftliche Geschlossenheit. Auf diese Weise konnte Muotathal die Absenz von Topskorer Janik Nauer in Emmen kompensieren, der Spieler befand sich trotz negativem Coronatest in Quarantäne, weil er Kontakt zu einem positiv Getesteten hatte.

Auf eine konkrete Zielsetzung möchte sich der 40-jährige Kasmauskas nicht festlegen, zu ungewiss sei aufgrund der Corona-Entwicklung die Zukunft. «Werden wir die Saison überhaupt zu Ende spielen können?», fragt er stellvertretend für viele Sportler. Vorderhand gehe es ihm darum, jeden Spieler besser zu machen, und so weit oben wie möglich in der Tabelle klassiert zu sein.

Emmen – Muotathal 32:36 (18:20)
Rossmoos. – 150 Zuschauer – SR Fallegger/Leu. – Strafen: je 3-mal 2 Minuten. – Emmen: Schnellmann/Schnyder; Huwyler (4/2), Mark Schelbert (4/1), Acha-Orbea (3), Kim (3), Häberli (4), Brunner (1), Hartmann (2), Cilurzo (2), Kovacevic (5), Bucher (1), Dürger (2), Büchli (1). – Muotathal: Remo Betschart/Oechslin; Martin Betschart (6), Gwerder (6/3), Kevin Heinzer (6), Noah Heinzer, Henseler (6), Kurti (9/3), Lüönd (1), Roos, Matteo Schelbert, Suter (2).