Europa League

Raoul Petretta auf dem Flügel: Das gab es früher öfter

Raoul Petretta klatscht mit Samuele Campo ab.

Raoul Petretta klatscht mit Samuele Campo ab.

Weil dem FCB gegen Getafe gleich drei Flügel fehlen, kommt Raoul Petretta auf seiner alten Position zum Zug.

Es war die grosse Frage im Vorfeld des Spiels des FC Basel gegen Getafe: Wen bringt Marcel Koller auf dem Flügel? Wie kann der FCB-Trainer den verletzungsbedingten Ausfall Noah Okafors kompensieren, während auch noch Kevin Bua und Valentin Stocker verletzt fehlen? Am letzten Sonntag noch entschied sich Koller für eine Nomination Afimico Pululus im Couloir. Nur: Der Franzose konnte gegen Xamax alles andere als Werbung in eigener Sache machen. Er lieferte ein gelinde gesagt schwaches Spiel ab. So schwach, dass man damit rechnen konnte, dass er gegen die ungemein stärkeren Spanier keine Option sein kann. Vor allem auch deshalb, weil die Basler in diesem Spitzenspiel der Europa-League-Gruppe C mit einem Sieg bereits den Einzug in die K.o.-Phase sichern konnten.

Es gab Gedankenspiele, ob er beispielsweise Stürmer Arthur Cabral zum Flügel umfunktioniert, wie er das in der vergangenen Saison bereits mit Ricky van Wolfswinkel getan hatte. Oder ob er Blas Riveros - ein Linksverteidiger mit grossen Offensivdrang - eine Reihe nach vorne schiebt. Am Ende aber entscheidet sich Koller für eine Option, die wohl die Wenigsten auf dem Radar hatten: Er stellt Raoul Petretta auf die linke Offensiv-Position.

Wie vor dem Wechsel zum FC Basel in Kindheitstagen

So überraschend dieser Schachzug auf den ersten Blick ist, so logisch ist er eigentlich. Denn Petretta ist gelernter Flügelspieler. In seiner Jugend in Rheinfelden agierte der 22-Jährige erst als Stürmer, später als Flügelspieler und wechselte auch als solcher im Alter von sechs Jahren in die Basler Nachwuchsabteilung. Beim FCB wurde er erst spät umgeschult. Der Ex-Cheftrainer und frühere FCB-Nachwuchscoach Raphael Wicky machte Petretta in der U18 zum Sechser, später wechselte Petretta dann dort hin, wo man ihn mittlerweile kennt und wo er Profi wurde: auf die Linksverteidiger-Position. Das gestrige Spiel ist somit für ihn so etwas wie die Rückkehr zu den Wurzeln. «Es war keine Überraschung für mich, dass ich auf dieser Position zum Einsatz komme. Weil es ja nicht so ist, dass ich da noch nie gespielt hätte», sagt der Spieler selber nach dem Abpfiff. Der Trainer sei bereits am Dienstag auf Petretta zugegangen und habe sich bei ihm erkundigt, ob er diese Position bekleiden könne. «Dann habe ich ihm gesagt, dass ich das kann, klar. Und dass es mir keine Rolle spiele, wo er mich aufstellt. Hauptsache, ich bin auf dem Platz.»

Etwas überraschend war es dennoch, dass Koller Petretta auf die offensivere der beiden Positionen setzte und Riveros eins weiter hinten. Schliesslich ist Petretta gemeinhin als defensiv zuverlässiger bekannt als sein Kollege aus Paraguay. «Ich weiss nicht, wer das erfunden hat. Ich finde nicht, dass dem so ist. Aber Blas hat sicher offensiv mehr Qualitäten als ich.» Dennoch ist es Petretta, der mit einem schönen und perfekt getimten Zuspiel in die Tiefe Arthur Cabral lanciert, der dann das 1:0 erzielt. Oder wie Petretta es lächelnd sagt: «Es hat ja geklappt mit mir dort vorne.»

Der Trainer erklärte seine Idee, die beiden nominellen Linksverteidiger zusammen zu bringen, nach dem Spiel auch noch: «Sie sind zwei Spieler, die sehr viel Druck erzeugen können über aussen. Wir haben uns ja nicht einfach nur verstecken wollen.» Und obwohl Riveros kurz vor der Pause noch den Elfmeter verschuldete, strich Koller dessen gute Leistung sowie seine Läufe auf das gegnerische Tor hinaus.

Ob Koller dieses geglückte Experiment vom gestrigen Abend irgendwann wiederholen wird, ist fraglich. Schliesslich kehren in der Liga Stocker und Bua wieder zurück. Auf ebendiese Liga wolle und könne man sich jetzt wieder konzentrieren, nachdem man den Einzug in die Sechzehntelfinals gestern gesichert hat, so Petretta. Dass dieses Weiterkommen so früh klappte, damit habe man nicht gerechnet. «Wir haben aber immer geglaubt, dass wir weiterkommen.» Als wichtigen Schritt in diese Richtung streicht Petretta den Sieg in Getafe heraus. «Zu Hause wollten wir eh alles gewinnen. Dass wir das auch noch auswärts geschafft haben, spricht für uns.» Jetzt ist die letzte grosse Frage nur noch, ob der FCB sich auch noch den Gruppensieg holt.

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