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Stefan Küng ist der unbestrittene König von Grenchen

Das Leiden hat sich ausbezahlt: Stefan Küng senkte seine Bestzeit unter 4:15 Minuten und ist, nach dem WM-Titel, jetzt auch in Europa der Schnellste in der Einzelverfolgung.

Das Leiden hat sich ausbezahlt: Stefan Küng senkte seine Bestzeit unter 4:15 Minuten und ist, nach dem WM-Titel, jetzt auch in Europa der Schnellste in der Einzelverfolgung.

Er startete als grosser Favorit und siegte mit grossem Vorsprung. Mehr noch: Stefan Küng verbesserte den Schweizer Rekord in der Einzelverfolgung am gleichen Tag gleich zweimal.

Alle hatten den Titel von ihm erwartet. Die Zuschauer, welche das bis auf den letzten Platz gefüllte Velodrome in einen Hexenkessel verwandelten, der Trainer und auch Küng selber. Die grösste Kunst war nicht unbedingt, die sportliche Leistung auf die Bahn in Grenchen zu bringen. Denn dass er in Form war und fähig dazu, den Schweizer Rekord zu verbessern, hatte er spätestens mit der klaren Bestzeit in der Qualifikation am Morgen gezeigt. Die Frage war vielmehr, ob er auch im Final dem äusseren Druck würde standhalten können.

Und auch diese Prüfung bestand der noch nicht 22-Jährige, der nach dem Rennen von einem sehr grossen mentalen Effort sprach, mit Bravour. Spurlos ging die Ambiance am schnellen Thurgauer jedoch nicht vorbei. Er rang nach den richtigen Worten, sprach von Hühnerhautfeeling. Pause. «An den EM zu Hause mit einer solchen Zeit zu gewinnen», sagte er dann, «das ist unglaublich. Diese Gefühle sind schwer zu beschreiben.» Es sei ein besonderer Sieg, doch auch dieser habe, wie jeder andere zuvor, seine Geschichte. «Ich bin einen langen Weg gegangen für diesen Erfolg.»

Der EM-Titel vor heimischem Publikum ist das Resultat einer steten Entwicklung. Küng ist in den letzten zwei Jahren Schritt für Schritt besser geworden, tauschte den Podestplatz an den letzten drei Weltmeisterschaften jeweils gegen den Nächsthöheren und ist jetzt also auch auf europäischer Stufe die Nummer 1. Seine 4:14,992, gefahren im Final gegen den Deutschen Domenic Weinstein, sind zudem die siebentschnellste je gefahrene Zeit. Wohin also führt die Rekordjagd Küngs in seiner Paradedisziplin auf der Bahn? Zum Weltrekord gar?

Grosse Ziele vor Augen

«Ich kann noch schneller fahren, ich werde ja erst 22», sagte er mit ruhiger Stimme. Dabei hätte dieses Statement durchaus eine Ansage sein können. Doch nein, er wolle den Rekord nicht möglichst schnell knacken. «Aber einst möchte ich der Beste sein.» Auch Nationaltrainer Daniel Gisiger meinte, dass Küng mit dieser Fahrt in der Höhe wohl nicht mehr weit weg vom Weltrekord (4:10,534) gewesen wäre.

Trotz eines nicht ganz geglückten Starts war Finalgegner Weinstein am Ende ohne Chance. «Gegen Stefan zu gewinnen, ist fast nicht möglich», war er bereits glücklich, den Einzug in den Final geschafft zu haben. «Vielleicht habe ich mich heute ein wenig überschätzt. Aber ich musste volles Risiko gehen.» Zur Rennhälfte lagen die zwei noch praktisch gleichauf, ehe Küng auf den letzten 1000 Metern noch für die deutliche Differenz von gegen drei Sekunden sorgte.

Beinahe hätte sich auch Silvan Dillier (25) für die Finalläufe qualifiziert. Der Ehrendinger war mit seiner Leistung grundsätzlich zufrieden, so fehlte dem U23-Europameister von 2012 nur wenig zum überraschenden Vorstoss in die Top fehlte. Bei 4:23,575 blieben die Uhren am Ende stehen, knapp über den 4:21, welche er sich insgeheim für den Heimauftritt erhofft hatte. Exakt diese Marke hätte denn auch für Rang 4 und damit zur Qualifikation für das Rennen um Rang 3 gereicht …

Küng sicherte der Schweiz am Samstag die vierte Medaille an diesen EM, die erste in Gold. An den Tagen zuvor hatte es für Swiss Cycling jeweils Silber in der Mannschaftsverfolgung und durch Tristan Marguet (Scratch) sowie Bronze durch Claudio Imhof (Punktefahren) gegeben. Heute Sonntag erhält Küng noch die Chance auf eine dritte Medaille. Zusammen mit Théry Schir startet er im Madison; in dieser Disziplin hatte das Duo 2014 WM-Bronze gewonnen.

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