Stefan Küng und seine Teamkollegen bereiteten sich so akribisch wie keine andere Equipe auf die Prüfung gegen die Uhr vor. Anreisetag in den Thurgau war bereits am Mittwoch, tags darauf wurde die 18,3 km lange Strecke im Norden Frauenfelds im Team-Verbund dreimal befahren.

Zunächst einmal locker, danach zweimal intensiver und gerade in den Steigungen in der ersten Streckenhälfte mit verschiedenen Geschwindigkeiten. So fanden die Fahrer gemäss Küng heraus, wie viel es in den Steigungen leiden mochte, "damit wir bis zum Schluss durchziehen konnten".

Die anfänglich sieben und am Schluss noch fünf BMC-Fahrer präsentierten sich als harmonische Formation. Es gelang ihnen, die Geschwindigkeit als Team möglichst konstant zu halten und Rhythmuswechsel zu vermeiden.

Küng als stärkster Zeitfahrer fuhr im Vergleich zu seinen Teamkollegen längere Ablösungen. Selbst den Ausfall des starken Zeitfahrers Rohan Dennis, der nach seiner starken Leistung im Giro d'Italia für die Schweizer Landesrundfahrt nicht genügend erholt war, verkraftete BMC spielend.

Am Ende resultierte für die amerikanisch-schweizerische Mannschaft trotz der verhältnismässig kurzen Strecke ein Vorsprung von gleich 20 Sekunden auf das Team Sunweb, das an der letztjährigen WM vor BMC triumphiert hatte.

"Wir sind geflogen und haben die Konkurrenz deklassiert", zeigte sich Küng danach stolz. "Wir haben gezeigt, dass wir eine der besten Mannschaften in dieser Disziplin sind - wenn nicht sogar die beste. Es war einfach perfekt."

Küng: "Ein Kreis schliesst sich"

Perfekt war das Drehbuch für den ersten von neun Renntagen der 82. Tour de Suisse gerade auch aus Sicht der Einheimischen. Dass es in der thurgauischen Kantonshauptstadt dann auch gleich der lokale Held, der hier "jeden Ecken kennt" (Küng), wurde, machte den Tag noch spezieller.

Der 24-Jährige aus Wilen sprach selber vom "Kreis, der sich in Frauenfeld geschlossen" habe. Nur unweit der Ziellinie des Mannschaftszeitfahrens bestritt er 2004 nämlich sein erstes Radrennen überhaupt.

Sich nun fast am gleichen Ort und vor "vielen Freunden, der Familie und dem ganzen Fanklub" ins Maillot jaune einkleiden zu lassen, sei einfach fantastisch, so Küng, der Gelb in seiner Heimatrundfahrt zum zweiten Mal nach Cham im Vorjahr übergestreift erhielt.

Auf die unvermeidliche Frage, wie lange er das Leadertrikot denn behalten könne, antwortete Küng: "Das Trikot gefällt mir, und ich will es nicht so schnell abgeben." Er habe zudem im Vergleich zum letzten Jahr, wo er den "Sack" nach nur einem Tag wieder verlor, einige Kilogramm abgenommen. "Dadurch muss ich vor den Bergen weniger Angst haben."

Er sei sich aber bewusst, dass BMC an dieser Tour de Suisse viele Ziele habe. Das straff geführte Team peilt in erster Linie mit Richie Porte den Gesamtsieg an. Wann der Zeitpunkt komme, an dem er sich wieder als Helfer des Australiers betätigen müsse, wisse er jetzt noch nicht. "Vorerst geniesse ich den Moment des Sieges."