Wie 2018 ist unter den 176 Fahrern wiederum nur ein Schweizer Quartett zu finden. Neben den Luzernern Frank (AG2R) und Schär (CCC) sowie dem Thurgauer Küng - alle im Vorjahr schon dabei - wurde heuer auch Reichenbach aufgeboten. Der 30-jährige Walliser, der wie Küng für die französische Equipe Groupama-FDJ fährt, reiste nach eigener Aussage "in Topform" zum Grand Départ in Brüssel an. Durch den erstmaligen Gewinn des Schweizer Strassen-Meistertitels erhielt er noch zusätzlich Auftrieb. Er werde das Trikot mit dem Schweizer Kreuz während der Tour de France und auch danach mit grossem Stolz tragen, sagt Reichenbach.

So gut seine Form und so stolz er über seinen Triumph an den nationalen Meisterschaften am letzten Sonntag auch sein mag: Reichenbachs oberste Aufgabe in den kommenden gut drei Wochen in Frankreich ist die des (Edel-)Helfers von Team-Captain Thibaut Pinot. Dieser will nach 2014, als er die Tour als Gesamt-Dritter beendete, endlich wieder einmal aufs Podest. "Damit dies gelingt, müssen wir anderen Fahrer Thibaut zu hundert Prozent unterstützen. Was mich betrifft, so kann ich sagen, dass ich ihm in den Pyrenäen und dann vor allem auch in der dritten Tour-Woche in den Alpen maximal helfen werde", verspricht Reichenbach. Seine Freude darüber, dass er Teil von etwas Grossem sein könne, sei riesig: "Diese Rolle als Helfer, der oftmals am längsten mit Thibaut mithalten kann, gefällt mir."

Reichenbach am Berg, Küng im Flachen

Stefan Küng ist sich als langjähriger Fahrer des Teams BMC ebenfalls gewohnt, seine persönlichen Ambitionen denjenigen des Teams unterzuordnen. Dass das nun auch bei Groupama und bei seiner dritten Tour-Teilnahme so sein wird, damit hat der am Mittwoch nach Belgien angereiste Thurgauer absolut kein Problem: "Thibaut ist sehr gut in Form. Er ist unser Leader an dieser Tour de France und das Ziel ist, diese mit einem Podestplatz von ihm zu beenden."

Während Reichenbach der Mann für die Berge ist, so liegen Küngs Stärken vorwiegend in flacherem Gelände. Eine ganz wichtige Rolle kommt dem 25-jährigen Thurgauer am zweiten Tour-Tag zu, wenn in Brüssel ein Mannschaftszeitfahren über 27 km stattfindet. "Da gehört es zu meinen Aufgaben, das Team zu führen und zu einer guten Zeit zu pushen", sagt der Schweizer Zeitfahrmeister. Gewinnen werde man nicht können, so Küng, vielmehr gelte es möglichst wenig Zeit auf die Besten zu verlieren. "Wir wollen Thibaut im Gesamtklassement auf Schlagdistanz zur Spitze halten."

Auf eigene Rechnung wird Küng kaum einmal fahren können. Die wahrscheinlich einzige Chance für ein gutes Resultat kommt in der letzten Woche mit dem Einzelzeitfahren in Pau. "Das ist wohl so. Aber bis dann ist es noch so weit. Es gilt bis dann möglichst ohne Sturz durch die Rundfahrt zu kommen und immer noch gesund zu sein", hofft Küng.

"Strecke ist auf Bardet zugeschnitten"

Mathias Frank hat beim ebenfalls in Frankreich beheimateten Team AG2R - La Mondiale eine sehr ähnliche Rolle wie Reichenbach bei Groupama auszufüllen. Der 32-jährige Nottwiler ist bei ansteigender Strasse einer der wichtigen Helfer von Romain Bardet. Nach den Rängen 2 (2016) und 3 (2017) strebt dieser nach dem ersten Tour-Gesamtsieg eines Franzosen seit 34 Jahren.

"Romain war in den letzten drei Jahren zweimal in den Top 3. Unser Hauptziel ist es, ihn im Gesamtklassement so weit oben wie nur möglich zu positionieren. Die diesjährige Strecke ist sehr auf die Bergfahrer und damit auch auf Romain zugeschnitten", sagt Routinier Frank, der vor seiner siebten Tour de France steht und diese 2015 als damaliger Leader des Schweizer IAM-Teams in den Top 10 beendete.

Schär in neuer Rolle

Michael Schär ist mit der neunten Teilnahme in Folge der erfahrenste Schweizer an dieser Frankreich-Rundfahrt. Im Gegensatz zu den acht Starts zuvor - allesamt mit dem Team BMC - erhält der 32-jährige Luzerner in diesem Sommer mehr Freiheiten. Der polnische Rennstall CCC hat keinen Anwärter auf den Gesamtsieg gemeldet. "Der Sieg im Mannschaftszeitfahren ist ein grosses Ziel von uns. Dazu gilt es in einigen Etappen für unseren Leader Greg van Avermaet zu fahren. Aber sonst habe ich im Gegensatz zu früher eine neue Rolle. Ich darf öfters meine eigene Chance zu nutzen versuchen. Das ist spannend und reizvoll", sagt Schär.