Nach zwei Tagen im Maillot jaune ist die Tour für den Führenden der Gesamtwertung zwangsläufig vorzeitig vorbei. Martin verursachte mit einem Schlenker rund 900 Meter vor dem Ziel eine Kettenreaktion, in deren Folge unter anderen auch Vincenzo Nibali und Nairo Quintana stürzten. "Ich habe mich an dem Hinterrad des Fahrers vor mir aufgehängt", begründete er.

Martin blieb zunächst auf dem Asphalt sitzen, hielt sich den linken Arm und wurde von den Teamkollegen ins Ziel eskortiert. Er zog sich beim heftigen Aufprall einen offenen Bruch des linken Schlüsselbeins zu. Martin sollte noch am Donnerstag nach Hamburg geflogen werden, um sich dort operieren zu lassen.

Profiteur von Martins Aktion und deren Folgen war just Teamkollege Zdenek Stybar. Der dreifache Radquer-Weltmeister kam in seiner fünften Saison für Etixx-Quick Step solo zu seinem zweiten Etappensieg an einer grossen Rundfahrt nach jenem im siebten Teilstück der Vuelta 2013. Wirklich freuen darüber konnte sich der 29-jährige Tscheche aber nicht. Hinter Stybar kam der Slowake Peter Sagan bereits zum dritten Mal als Zweiter ins Ziel, dahinter folgte der Franzose Bryan Coquard.

Im Gesamtklassement, das zum zweiten Mal nach Fabian Cancellaras Aufgabe in der 3. Etappe einen verletzungsbedingten Leaderwechsel erfuhr, erbt Chris Froome den Platz von Martin. Der Brite nimmt die siebte Etappe vom Freitag mit 13 Sekunden Vorsprung auf Teejay Van Garderen in Angriff.

Dem hektischen Finale in Le Havre war eine lange Flucht einer Dreiergruppe vorausgegangen. Nach nur 6 km waren der Franzose Perrig Quéméneur, der Belgier Kenneth Vanbilsen und der Eritreer Daniel Teklahaimanot ausgerissen. Zwischenzeitlich betrug der Vorsprung des Trios fast zwölfeinhalb Minuten. Weil Teklahaimanot aus dem südafrikanischen Team MTN-Qhubeka alle drei Wertungen der vierten Kategorie gewann, durfte sich der 26-Jährige als erster afrikanischer Fahrer ins gepunktete Trikot des Bergpreisleaders einkleiden lassen. In der Endphase, als Vanbilsen einen Solovorstoss wagte, liessen Teklahaimanot und Quéméneur abreissen. Doch auch der belgische Tour-Debütant wurde drei Kilometer vor dem Ziel noch vom Feld gestellt.