Sonntag, kurz vor 14.30 Uhr, erreicht die Schweizer Medien eine Einladung zu einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz um 18 Uhr. Absender: Swiss Cycling. Der Hintergrund kann nur einer sein: Doping.

Und tatsächlich gibt Swiss Cycling an der Pressekonferenz bekannt: Danilo Hondo ist nicht mehr Nationaltrainer der Schweizer Strassen-Radprofis. Nach einem Doping-Geständnis ist der 45-jährige Deutsche von Swiss Cycling per sofort freigestellt worden, wie der Verband an einer Medienkonferenz in Zürich mitteilte.

Der frühere deutsche Radprofi und Schweizer Nationaltrainer Danilo Hondo hatte am Sonntagmorgen vor laufenden Kameras der ARD-Dopingredaktion gestanden, beim Erfurter Arzt Mark Schmidt Blutdoping betrieben zu haben. «Er hatte vehement versucht, Druck auszuüben, dass das schon eine Geschichte ist, die Sinn macht, die doch sehr weit verbreitet ist», sagt Hondo gegenüber der ARD, «dann habe ich schlussendlich leider Gottes den grossen Fehler meines Lebens getan und dieser Geschichte zugestimmt.»

Der Erfurter Arzt Schmidt war im Zuge der Razzien bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld und in Erfurt Ende Februar festgenommen worden. Die Ermittler hatten bekanntgegeben, dass dem Dopingring 21 Sportler aus acht Nationen und fünf Sportarten angehörten.

«Anti-Doping auf die Fahnen geschrieben»

Noch am Samstag wurde Hondo mit der Geschichte von den ARD-Journalisten konfrontiert, stritt aber eine Tatbeteiligung Schmidts vehement ab. Doch dann, keine 24 Stunden später, entschied er sich dazu, ein vollumfängliches Geständnis abzulegen, obwohl ein Anwalt noch dazu abgeraten hatte.

«Da ich mittlerweile als Nationalcoach in der Schweiz tätig bin, mit vielen jungen Fahren zu tun habe und mir in den letzten Jahren wirklich ganz aktiv, präventiv Anti-Doping auf die Fahnen geschrieben habe, war dann relativ klar: Wenn ich in diesen Fall verwickelt bin, muss ich dazu stehen, um das, was ich in den letzten Jahren als nicht mehr aktiver Radprofi getan habe fortführen», sagt er im ARD-Interview, «da wäre es jetzt Unrecht, wenn ich versuchen würde, mich meiner Verantwortung mit juristischen Mitteln zu entziehen. Nur so kann ich ein klares Zeichen setzen gegenüber meinen Sportlern.»

Hondo war 2005 wegen Dopings bereits einmal für zwei Jahre gesperrt worden. Der Deutsche hatte die willentliche Einnahme verbotener Mittel in diesem Fall stets bestritten. Nachdem er zuvor erfolgreich die Schweizer U23-Fahrer betreut hatte, stieg Hondo nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro zum Nationaltrainer auf. Ein Nachfolger von Hondo als Nationaltrainer ist noch nicht bekannt.

Hondo, der die Schweiz bereits verlassen hat, informierte seine Vorgesetzten im Radverband am Sonntag früh über das Blutdoping. "Für uns war sofort klar, dass keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit da ist", sagte Thomas Peter, der Leistungssportchef von Swiss Cycling.

Danilo Hondo war früher aktiver Radprofi

Danilo Hondo war früher aktiver Radprofi

Hondo, der Wiederholungstäter – Schweizer Radsportverband «geschockt»

Geständnis hin oder her: In der Schweiz sollen bereits Ermittlungen gegen Hondo aufgenommen worden sein. Sowohl die Schweizer Anti-Doping-Agentur wie auch die Bundespolizei fedpol und die Kantonspolizei Bern sollen sich unlängst mit Hondo beschäftigt haben.

Dass sein Geständnis schwerwiegende Konsequenzen haben wird, sei Hondo bewusst. «Ich habe den Schweizer Radsportverband am Sonntag früh informiert, alle sind geschockt», sagte er in dem ARD-Exklusiv-Interview. Hondo weiter: «Mir war gleich klar, dass es keine Zukunft im Radsport mehr für mich geben würde – zumal ich offiziell auch noch Wiederholungstäter bin.»

Hondo trat 2014 vom aktiven Sport zurück. Trotz der Doping-Vergangenheit und trotz einer Nulltoleranz-Politik engagierte Swiss Cycling den Deutschen nur ein Jahr später. "Wir sind immer offen mit dem Thema umgegangen und haben das mit Danilo auch intensive besprochen", so Peter.

In Kenntnis gesetzt hat Hondo die Schweizer Verantwortlichen aber nicht. Konsterniert musste Thomas Peter zur Kenntnis nehmen, dass die Anstrengungen von Swiss Cycling zumindest in diesem Fall nicht geholfen haben.

Bei der "Operation Aderlass" waren während der nordischen Ski-Weltmeisterschaften Ende Februar in Seefeld fünf Langläufer festgenommen worden. Diese hatten teilweise gestanden, Blutdoping betrieben zu haben. Als Drahtzieher des Netzwerkes gilt der zum selben Zeitpunkt in Erfurt verhaftete Arzt Mark Schmidt.

In der Folge zog der Fall immer weitere Kreise. Im April war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Innsbruck den Servicemann von Dario Cologna vernommen hat. Die österreichischen Behörden bestätigten indes, dass die Befragung in keinem Zusammenhang mit dem Engagement bei Swiss-Ski stehe. Insgesamt stehen 21 Athleten aus fünf Sportarten im Fokus der Untersuchungen.