Critérium du Dauphiné

Horrorunfall am Critérium du Dauphiné: Chris Froome wollte bloss die Nase putzen – und stürzt bei Tempo 54

Chris Froome wollte sich bei hohem Tempo die Nase putzen und verunfallte dabei schwer

Chris Froome wollte sich bei hohem Tempo die Nase putzen und verunfallte dabei schwer

Der schwere Sturz von Chris Froome wirbelt drei Wochen vor der Tour de France die Machtverhältnisse im Radsport kräftig durcheinander. Der vierfache Tour-de-France-Sieger befindet sich nach seinem Sturz mit mehreren Knochenbrüchen auf der Intensivstation. Zum Unfall kam es, weil sich der Brite die Nase putzen wollte.

Eine tropfende Nase bei voller Fahrt, der Einschlag in eine Hauswand mit 54 Stundenkilometern: Chris Froomes fürchterlicher Trainingssturz hat rund drei Wochen vor der Tour de France den Radsport-Zirkus gehörig in Aufregung versetzt.

Während der Brite über vier Stunden lang im OP zusammengeflickt wurde und auf der Intensivstation des Krankenhauses von Roanne, rund 100 Kilometer nordwestlich der Grossstadt Lyon, lag, muss sich sein IneosTeam für die Frankreich-Rundfahrt neu sortieren.

«Chris hat unglaublich hart daran gearbeitet, in fantastische Form zu kommen. Er war auf dem besten Weg zur Tour», sagte Ineos-Teamchef Dave Brailsford: «Wir lenken unseren Fokus jetzt darauf, ihn bei seiner Genesung zu unterstützen.»

Rückkehr steht infrage

Wie lange die Genesung des viermaligen Tour-Champions nach dem Crash beim Zeitfahr-Training während des Criterium du Dauphine dauern wird, lässt sich angesichts der Schwere der Verletzungen und multipler Brüche nur erahnen.

«Er ist operiert worden, um seinen Oberschenkelhalsknochen, seine Hüfte und seinen Ellbogen zu reparieren. Er hat Rippenbrüche, auch kleinere innere Verletzungen», sagte Brailsford: «Er wird in den nächsten Tagen auf der Intensivstation bleiben, dann schauen wir weiter.» Bei Froome wachten Ehefrau Michelle und Teamarzt Richard Usher.

Im Jahr 2019 wird Froome höchstwahrscheinlich kein Rennen mehr fahren. Und danach? «Chris zeichnen mentale Stärke und Widerstandsfähigkeit aus», sagte Brailsford. Doch ob dies reichen wird, im gesetzteren Radsportalter in alter Stärke zurückzukommen, um sich den Traum vom fünften Tour-Sieg zu erfüllen, steht infrage.

«Es geht hier um die menschlichen Komponenten»

Mit 35 Jahren im Jahr 2020 wäre Froome der älteste Tour-Sieger der Geschichte. Für die kommende Frankreich-Rundfahrt (6. bis 27. Juli) verschiebt das Aus des langjährigen Dominators die Kräfteverhältnisse – auch wenn dies für die Kontrahenten in den Hintergrund trat.

«Egal, ob er ein Rivale ist oder nicht. Egal, was die Leute über Froome gesagt haben oder sagen. Es geht hier um die menschlichen Komponenten. Er hat zwei junge Kinder und eine Frau daheim», sagte der Australier Richie Porte, Ex-Teamkollege und selbst mehrmals von bösen Verletzungen ausgebremst.

Für Ineos, unter dem alten Namen Sky Sieger bei sechs der vergangenen sieben Tour-Auflagen, ist Froomes Aus schon rein sportlich ein gewaltiger Rückschlag – und nicht der erste: Kurz vor dem Giro brach sich Kolumbiens Supertalent Egan Bernal, dem die Captainrolle für die Italien-Rundfahrt zufallen sollte, das Schlüsselbein.

Vielleicht noch glimpflich davongekommen

Bernal könnte nun bei der Tour mit Titelverteidiger Geraint Thomas die Ineos-Doppelspitze bilden. Hinter ihrer Form stehen aber Fragezeichen: Wie hat Bernal die Pause verkraftet? Findet Thomas, 2019 durchwachsen unterwegs, zur Vorjahresstärke? Ersten Aufschluss bringt die Tour de Suisse ab Samstag, die beide als Härtetest bestreiten.

Die Analyse des Froome-Unfalls hinterliess bei Teamchef Brailsford indes die Erkenntnis, dass sich Geschehnisse unglücklich verketteten. «Chris kam eine anspruchsvolle Abfahrt herab Richtung eines geraden Strassenstücks mit Häusern auf beiden Seiten», sagte Brailsford. Dann habe Froome seinem Teamkollegen Wout Poels signalisiert, dass er sich die Nase putzen wolle.

«Dazu hat er eine Hand vom Lenker genommen. In dem Moment hat eine Windböe sein Vorderrad erfasst, er hat die Kontrolle verloren und ist in die Hauswand geknallt», so Brailsford. Mit Tempo 54, so die Auswertung der Computerdaten. Erinnerungen kamen hoch an den Belgier Wouter Weylandt, der einen ähnlich heftigen Aufprall in eine Mauer beim Giro 2011 mit dem Leben bezahlte. Vielleicht ist Froome letztlich also noch glimpflich davongekommen.

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