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Erster Klassiker-Sieg des Jahres geht an Wout van Aert

Der Belgier Wout Van Aert freut sich in Sanremo über seinen Sieg am ersten grossen Klassiker des Jahres

Der Belgier Wout Van Aert freut sich in Sanremo über seinen Sieg am ersten grossen Klassiker des Jahres

Wout van Aert heisst der Mann der Stunde beim Saison-Neustart der Radprofis in Italien. Eine Woche nach der Strade Bianche gewinnt er auch den ersten Klassiker des Jahres von Mailand nach Sanremo.

Das mit 305 km längste Eintagesrennen im Radsport wurde trotz der Corona-bedingten Verschiebung vom Frühling in den Hochsommer auch bei seiner 111. Austragung auf den letzten Kilometern entschieden. Als der französische Vorjahressieger Julian Alaphilippe gut 6,5 km vor dem Ziel am Poggio, dem letzten Anstieg eines langen und heissen Tages, mit einem beeindruckenden Antritt das Finale einläutete, konnte ihm nur Wout van Aert einigermassen folgen.

In der Abfahrt gelang es dem Belgier, zum Franzosen aufzuschliessen. Schliesslich bogen sie gemeinsam auf die Zielgerade auf der Via Roma ein und machten den Sieg unter sich aus. Von der Spitze weg entschied Van Aert den Zweiersprint gegen Alaphilippe, der nach einem Defekt das Rennen mit einem Reserverad zu Ende fuhr, nach über sieben Stunden Fahrzeit um eine halbe Radlänge für sich. Im Spurt des heranbrausenden Verfolgerfeldes sicherte sich der Australier Michael Matthews Platz 3, Vierter wurde der dreifache Weltmeister Peter Sagan.

21 Jahre nach Andrej Tschmil

Für Van Aert war es der erste Sieg bei einem der fünf Radsport-Monumente und folglich auch der grösste Erfolg seiner Karriere. Der 25-Jährige aus der niederländischen Erfolgsequipe Jumbo-Visma bewies am Samstag erneut seine gute Form, nachdem er eine Woche zuvor beim Saison-Neustart auf höchster Stufe bereits den Halbklassiker Strade Bianche auf beeindruckende Weise für sich entschieden hatte.

Van Aert sorgte für den ersten Sieg eines Belgiers bei Mailand - Sanremo seit Andrej Tschmil im Jahr 1999. Der Wahlbelgier, der 1989 als einer der ersten Profis aus der ehemaligen Sowjetunion in den Westen disloziert war, gehörte in den Neunzigerjahren zu den ausgewiesenen Classique-Jägern. 1994 gewann er Paris - Roubaix, sechs Jahre später auch die Flandern-Rundfahrt.

Auch Van Aert bringt die Veranlagung mit, um dereinst grosse Erfolge bei den Klassikern in seiner Heimat zu feiern. Er gilt wie der Niederländer Mathieu van der Poel als Rad-Multitalent. Nach drei WM-Titeln im Radquer stieg Van Aert 2019 bei Jumbo-Visma ein und sorgte mit einigen Topresultaten - unter anderem einem 6. Rang bei Mailand - Sanremo - auch bei den Strassenprofis sogleich für Furore. Als Debütant gewann er an der letztjärhigen Tour de France gegen die gesamte Sprinter-Armada die 10. Etappe, ehe sein steiler Karriereverlauf vier Tage später einen Knick erlitt. Bei einem fürchterlichen Sturz im Zeitfahren zog er sich eine schwere Fleischwunde im Oberschenkel zu. Die Saison war für ihn damit vorzeitig zu Ende.

Doch Van Aert kam gestärkt aus seiner Verletzungspause und dem mehrmonatigen Saison-Unterbruch infolge der Corona-Pandemie zurück und fuhr bei drei Starts dreimal aufs Podest. Nun möchte er ab dem 29. August als Teil des Teams von Jumbo-Visma die langjährige Vorherrschaft von Ineos (ex Sky) an der Tour de France beenden.

Kein Schweizer Exploit

Eine Erfolgsmeldung aus Schweizer Sicht blieb aus. Stefan Küng beendete die "Classicissima" als bester der vier gestarteten Schweizer im 52. Rang. Der Thurgauer stellte sich im Finale im Team Groupama-FDJ in den Dienst von Arnaud Démare. Doch der sprintstarke Franzose, der 2016 in Sanremo triumphiert hatte, erlitt auf den letzten Metern einen Reifenschaden, musste ausrollen lassen und fuhr schliesslich nur als 24. über die Ziellinie.

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