Neff wollte sich nach dem Aufstehen in der Unterkunft mit ihrem Vater unterhalten, als sie ohne Anzeichen umfiel, mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug und nach eigenen Aussagen "wohl 30 Sekunden lang bewusstlos war". Ausser einer Beule am Kopf war der Europameisterin äusserlich nichts anzumerken, sehr wohl aber ihrem ansonsten so sicheren Fahrstil. "Ich bin in jeder Runde gestürzt, auch an Stellen, die sonst kein Problem sind", erzählte Neff, die sich trotz Zweifeln zum Start entschieden hatte, aufgewühlt. Am Ende sprach Neff vom "vielleicht verrücktesten Rennen, das ich jemals gefahren bin".

Die ausgezeichnete physische Verfassung verhalf der St. Galler Rheintalerin zum Ausbau ihrer Führung im Weltcup. Schon kurz nach dem Start hatte die 22-Jährige ein Tempo angeschlagen, dem niemand folgen konnte. Bereits in der zweiten von sechs Runden baute sie ihren Vorsprung auf die Verfolgerinnen mit der Kanadierin Catharine Pendrel und der französischen Strassenweltmeisteirn Pauline Ferrand Prévot aus und hielt diesen konstant bei einer Minute. Im letzten Umgang kam Neff nochmals zu Fall, das Ziel erreichte sie mit 34 Sekunden Reserve sowie einem blutenden linken Schienbein und Knie. Der sechste Weltcup-Sieg ihrer Karriere, der dritte der Saison nach jenen in Nove Mesto und Albstadt, kam unter sprichwörtlich aussergewöhnlichen Umständen zustande.

Nino Schurter kam im vierten Anlauf endlich zum ersten Saisonsieg. Nach drei zweiten Plätzen setzte er sich diesmal vor seinem Dauerrivalen Julien Absalon durch. Den entscheidenden Angriff startete der dreifache Weltmeister in der letzten von sechs Runden. Mit Florian Vogel (3.), Ralph Näf (4.), Mathias Flückiger (6.) und Lukas Flückiger (7.) veredelten vier weitere Schweizer in den Top 7 das brillante Teamergebnis. Schurter, der an den Europa-Spielen in Baku seinen bislang wichtigsten Sieg in diesem Jahr hat feiern können, löst mit seinem 15. Tagessieg im Weltcup den bisher führenden Tschechen Jaroslav Kulhavy als Leader in der Disziplinenwertung ab.