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Radprofis kämpfen gegen die Schwerkraft

Kraftakt: Der Brite Geraint Thomas (vorne) kurz vor der Ziellinie. Bild: Yoan Valat/EPA (La Planche des Belles Filles, 11. Juli 2019)

Kraftakt: Der Brite Geraint Thomas (vorne) kurz vor der Ziellinie. Bild: Yoan Valat/EPA (La Planche des Belles Filles, 11. Juli 2019)

Titelverteidiger Geraint Thomas setzt an der Tour de France ein Ausrufezeichen. Der Italiener Giulio Ciccone fährt neu in Gelb.

Bilder, die man ansonsten nur von Amateurrennen kennt, bot das Finale der 6. Etappe der Tour de France. Der Italiener Giulio Ciccone, der neue Mann in Gelb und Etappenzweiter hinter dem Belgier Dylan Teuns, blieb auf der Rampe mit 24 Prozent Steigung etwa 100 m vor dem Zielstrich fast stehen. Sein Tritt auf die Pedalen war so schwer, dass man förmlich jeden einzelnen Zahn des Kettenblattes dabei beobachten konnte, wie er in die Kette griff. Noch schlimmer ereilte es Romain Bardet. Der Tour-Zweite von 2016 blieb auf dem Zielstrich komplett stehen. Sein Glück war, dass die Zeitmessung schon ausgelöst hatte.

Während Bardet zu den Geschlagenen gehörte, war Titelverteidiger Geraint Thomas der eindeutige Gewinner unter den Klassementfahrern. Für den Waliser zahlte sich aus, dass er den Anstieg schon zuvor getestet hatte. «Geraint ist hier bereits mit dem Rad hoch. Er kennt auch den letzten schlimmen Kilometer», hatte Ineos-Teamchef ­David Brailsford noch am Start in Mülhausen verraten. Die Tourorganisatoren hatten zu dem ohnehin bereits sehr schweren Anstieg zur Planche des Belles Filles einen Kilometer über festgewalzten Lehm hinzugefügt. «Das ist ein Berg, wie man ihn von der Vuelta oder dem Giro kennt, aber nicht von der Tour», meinte Brailsford. Schimpfen wollte er aber nicht: «Ich bin immer offen für Neues. Der Job der Organisatoren ist es, die Strecke auszuwählen. Und unserer ist es, die richtige Strategie für den Parcours zu entwickeln.»

Pinot kann Heimvorteil
 nicht nutzen

Die Strategie von Brailsford und Co. stimmte. Das Team Ineos liess sich nicht von dem mörderischen Tempo beeindrucken, das auf dem mittleren Teil des 7 km langen Anstiegs von Team Movistar vorgelegt wurde. Vor allem Weltmeister Alejandro Valverde gab alles, um die Konkurrenz zu zermürben. Sein Parforceritt bereitete eine Attacke des Teamkollegen Mikel Landa vor. Der Baske fuhr etwa 4 km vor dem Ziel unwiderstehlich aus dem Peloton davon. Ineos schien beeindruckt. Landa baute schnell seinen Vorsprung auf 23 Sekunden aus. Dann aber warf David Gaudu, ein 22-jähriges, französisches Klettertalent des Teams Groupama-FDJ, seine Kräfte in die Waagschale. Er führte die Gruppe wieder näher an Landa heran. Gaudu versuchte auch, eine Attacke seines Captains Thibaut Pinot vorzubereiten. Pinot kennt den Anstieg bestens. Sein Haus liegt nur 20 km von der Planche des Belles Filles entfernt. Der Anstieg ist seine Trainingsstrecke. Den entscheidenden Akzent setzte aber nicht er, sondern ein anderer Profi mit Ortskenntnis. Geraint Thomas wusste genau, wann er antreten musste. Der Brite wählte einen Moment, in dem das Favoritenfeld noch paralysiert schien von einer Attacke des bisherigen Mannes in Gelb, des Franzosen Julian Alaphilippe. Alaphilippe wollte unbedingt sein Trikot verteidigen. Schnell aber bekam er Begleitung durch Thomas. Der Mann mit der Startnummer 1 liess den eigentlich dynamischeren Franzosen dann regelrecht stehen. Er hatte offenbar die bessere Übersetzung für das steilste Stück gewählt.

Peter Sagan trägt 
das 110. grüne Trikot

Der Boss ist da. Das musste auch sein junger Teamkollege Egan Bernal erkennen. Der 22-jährige Kolumbianer konnte seinem Partner nicht folgen und musste auch noch andere Fahrer an sich vorbeilassen – eine Überraschung.

Routiniert fuhr hingegen Peter Sagan sein Rennen. Der Slowake blieb im Zeitlimit und durfte das 110. grüne Trikot seiner Karriere überstreifen. Bleibt er auch heute darin, kann er zu Rad­legende Eddy Merckx aufschliessen. Der Belgier trug in seiner Karriere 111 Mal ein Wertungstrikot – es handelte sich allerdings um das gelbe.

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