Analyse
Nach Rummenigge-Diskussion: Der Fussball bewegt sich auf zunehmend dünnerem Eis

Analyse zum arroganten Verhalten des FC Bayern München und zur wirren Reiserei im Europacup. Die Gesellschaft goutiert die Extrawürste der Kicker immer weniger.

Markus Brütsch
Markus Brütsch
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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: Bundesliga-Profis könnten Impfvorbilder sein.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: Bundesliga-Profis könnten Impfvorbilder sein.

Keystone

Der Start ins internationale Fussballjahr 2021 steht unter keinem guten Stern. Bevor der erste Ball rollt, hagelt es aus allen Ecken Kritik. Bisher wurde der Fussball von der Bevölkerung mit erstaunlicher Nachsicht geduldet. Doch mit den Privilegien könnte es bald vorbei sein.

Breel Embolos Partygang, der in einer Essener Badewanne endete, war wohl ein Vorbote für so manches Unverständnis, das dem Profifussball aus der Gesellschaft nun mehr und mehr ins Gesicht bläst.

Dabei sorgt mit Bayern München ausgerechnet der weltbeste Klub für Stirnrunzeln. Zuerst sein Chef Karl-Heinz Rummenigge, als er vorschlug, die Bundesligaprofis als Vorbild für zaudernde Bürger prioritär zu impfen. Dann sorgte für Unmut, wie arrogant-heftig sich die Münchner darüber beschwerten, dass sie wegen der Zeitüberschreitung beim Nachtflugverbot vorerst nicht zur Klub-WM nach Katar abfliegen durften. Und die Heimholung des in Doha positiv auf das Coronavirus getesteten Spielers Thomas Müller mit einem separaten Krankentransport warf die Frage auf, weshalb den Fussballern jede Extrawurst zugestanden werde.

Als der Gesundheitspolitiker und Epidemiologe Karl Lauterbach es wagte, die Münchner zu kritisieren, zeigte sich der sonst so entspannte Erfolgstrainer Hansi Flick dünnhäutig, unterstellte Lauterbach Wahlkampf zu betreiben und geisselte die Coronapolitik der Bundesregierung. Haben die Bayern nach den vielen Titeln die Bodenhaftung verloren?

In der Kritik steht aber auch die Uefa und der Europacup. Weil englische Mannschaften wegen der britischen Mutante in vielen Ländern nicht willkommen sind, jetten die Teams und ihre Gegner nun kreuz und quer durch Europa und landen, wo das Spielen erlaubt ist. Weil ein fussballverrückter Rechtspopulist wie Viktor Orban die Chance nützt, sich als Retter der Königsklasse aufzuspielen. Ausgerechnet Ungarn mit seinem harten Lockdown, den strengen Einreisebeschränkungen und dem Inzidenz-Wert von 105.

Klüger wäre es, auf Rückspiele zu verzichten und die Endphasen wie im letzten Jahr in Final-8-Turnieren abzuwickeln. So aber bewegt sich der Fussball auf dünnem Eis und riskiert, die Akzeptanz zu verlieren.