Wer Carlos Bernegger an diesem späten Samstagabend in die Augen schaut, der erschrickt. Zwei Spiele sind gespielt. Erst zwei Spiele. Und bereits erzählen die Augen des GC-Trainers eine beängstigende Geschichte. Nach dem 0:2 zu Beginn gegen Aufsteiger FCZ kassiert GC gegen YB die nächste Ohrfeige. 0:4 heisst es diesmal. Und beinahe ist man geneigt zu sagen: Das Resultat ist nicht einmal das Schlimmste. Wenn YB ein bisschen effizienter gewesen wäre in der ersten Halbzeit, hätte es noch schlimmer kommen können für GC.

GC-Trainer Carlos Bernegger

«Ich spüre: Meine Spieler wollen rebellieren»

GC-Trainer Carlos Bernegger

Bernegger also steht in den Katakomben und redet über sein Team. Er zieht sich gut aus der Affäre, das muss man ihm lassen. Ziemlich schnell sagt er: «Ich sehe das Ergebnis. Es ist schlimm. Ich habe keine Chance, irgendetwas schönzureden. Ich will ja kein Bluffer sein.» Woraus also zieht Bernegger die Hoffnung? Woraus das Vertrauen in sein Team, das man ihm beim Zuhören abkauft? «Ich spüre: Meine Spieler wollen rebellieren», sagt er. Vielleicht ist es die einzige Hoffnung von GC. Dass diese zusammengewürfelte Truppe tatsächlich so etwas wie Stolz entwickelt, um sich aus der bereits misslichen Lage zu befreien. Wobei: Allzu viel Kampfkraft und Persönlichkeit war bis anhin auf dem Rasen nicht zu erkennen.

Der GC der Saison 2017/18 ist ein Team von Desperados. Die Transfers durften den Sportchef Mathias Walther nichts kosten. Also hat er Spieler verpflichtet, die alle auf irgendeine Weise in Problemen feststecken. Ob sich aus dieser Mischung ein schlagkräftiges Team bauen lässt, ist fraglich. Und ob der Umbruch gerade derart stark sein musste, ist die andere Frage. Acht Zuzüge und acht Abgänge waren es alleine in diesem Sommer.

GC-Sportchef Mathias Walther durfte kaum Geld ausgeben.

GC-Sportchef Mathias Walther durfte kaum Geld ausgeben.

Mit dieser Ausgangslage muss nun Bernegger fertig werden. Sie ist risikoreich. Das weiss Bernegger. Und trotzdem glaubt er, der Herkules-Aufgabe gewachsen zu sein. «Arbeiten! Arbeiten! Arbeiten!», lautet seine Hoffnung. Aber viel mehr als Hoffnung ist da derzeit nicht.
Die Vereinsführung von GC hat Bernegger zu Beginn der Saison versprochen, Ruhe zu bewahren, falls der Start missglückt. Das bestätigt der Trainer. Und fügt dann trotzdem an: «Ich kenne die Gesetze des Fussballs. Ich hoffe, ich bin der Richtige, um diese Mannschaft ins Rollen zu bringen.» Noch einmal zur Erinnerung: Erst sind zwei Runden gespielt.

Wenn es einen Lichtblick gibt bei GC, dann vielleicht die Leistungen des neuen Torhüters Heinz Lindner. Diese waren sehr solid. Wobei das auch nicht viel nützt, wenn die Abwehr unsicher ist, das Mittelfeld nie dominant und der Sturm völlig harmlos. Es warten schwierige Wochen auf GC. Als Nächstes folgen die Spiele auswärts in Luzern und Basel.