Was war das wieder für ein Drama! Die Verlängerung im vierten Finalspiel zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano war wahrlich nichts für schwache Nerven. Besonders für jene der Zürcher Anhänger.

In der Overtime übertrafen sich die Löwen gegenseitig im Auslassen von besten Gelegenheiten. Es dauerte bis in die 75. Minute, ehe Chris Baltisberger das Hallenstadion förmlich zur Explosion brachte. Plötzlich stand der Stürmer alleine vor Lugano-Keeper Elvis Merzlikins und bezwang diesen kaltblütig.

Playoff-Final 2017/18: ZSC - Lugano Spiel 4, Highlights

Weniger kaltblütig hatten zuvor Baltisbergers Teamkollegen agiert. Darunter auch sein Bruder Phil, der in der Verlängerung ebenso zu den Chancen-Sündern gehörte wie Raphael Prassl, der mit seinem Abschluss am glänzend reagierenden Merzlikins scheiterte (63.). Oder wie Fredrik Pettersson, der schon in der 67. Minute die goldene Chance hatte, alles klar zu machen.

Penalty an den Pfosten

Der schwedische Topskorer der Zürcher konnte zu einem Penalty anlaufen, setzte den Puck aber an den Pfosten. Danach durften die Lions auch noch zwei Minuten in Überzahl antreten, schafften die Entscheidung aber ebenfalls nicht. Erst Chris Baltisberger nahm eines der wenigen Lugano-Geschenke an, nachdem er von der Forechecking-Vorarbeit seiner Sturmlinienkollegen Fabrice Herzog und Reto Schäppi profitierte.

Playoff-Final 2017/18: Frederik Pettersson knallt den Penalty in der Verlängerung an den Pfosten

Es war unter dem Strich ein hochverdienter Sieg der ZSC Lions, die sich den Weg zum dritten Finalerfolg zunächst aber selber unnötig kompliziert machten. Im ersten Drittel führten zwei kapitale Fehler in der Zürcher Defensive zu zwei Gegentreffern der Luganesi.

Erst profitierte die nominell vierte Sturmlinie der Tessiner von einem fehlerhaften Aufbau der ZSC Lions und sorgte für die frühe Führung der Gäste durch Loic Vedova (3.). Noch kapitaler war der Bock, den Lions-Captain Patrick Geering in der 16. Minute schoss. Im Powerplay der Zürcher liess er sich als hinterster Mann den Puck von Luganos Topskorer Maxim Lapierre abluchsen. Der Kanadier liess sich nicht zweimal bitten und traf zum 2:0 (16.).

ZSC fand Rhythmus wieder

Die Zürcher wurden für einen unkonzentrierten und pomadigen Auftritt im ersten Drittel hart bestraft. Aber sie kamen dafür auch im Stile einer Klassemannschaft zurück. «Wir fingen endlich damit an, unsere Beine zu bewegen», befand Siegtorschütze Chris Baltisberger später. In der Tat fanden die Zürcher im zweiten Abschnitt wieder ihren Rhythmus.

Vor allem deshalb, weil ihnen ein Blitzstart gelang. Schon nach 37 Sekunden traf Drew Shore, der wieder den Vorzug vor Pascal Pelletier erhielt, zum 1:2. Es war die erhoffte Initialzündung für die ZSC Lions, welche auch im dritten Drittel der regulären Spielzeit besser in die Gänge kamen und schon nach 81 Sekunden durch Suter zum 2:2 trafen.

Playoff-Final 2017/18: ZSC - Lugano Spiel 4, Baltisbergers Treffer zum 3:2 für den ZSC

Nach Chris Baltisbergers Treffer ins Glück in der Verlängerung fehlt den Zürchern nun also noch ein Sieg zum Titelgewinn. Am Samstag haben sie in Lugano den ersten von drei Matchpucks. Den zweiten hätten sie am kommenden Mittwoch wieder vor eigenem Publikum. Es wäre sehr erstaunlich, würden sich die ZSC Lions die Butter noch vom Brot nehmen lassen.