Fussball
«Nichts kommt von allein» – Zakaria hat in der Bundesliga eingeschlagen

Kaum ein anderer Bundesliga-Neuling ist besser und wuchtiger angekommen als er: Denis Zakaria. Der 21-jährige Schweizer wird auch während der Rückrunde nicht nur in Mönchengladbach im Mittelpunkt stehen

Sven Schoch
Merken
Drucken
Teilen
Zweikampfstark: Der 21-jährige Genfer Denis Zakaria hat sich bei Gladbach bewiesen.

Zweikampfstark: Der 21-jährige Genfer Denis Zakaria hat sich bei Gladbach bewiesen.

KEYSTONE

Der Genfer trägt keinen profanen Namen: Denis Lemi Zakaria Lako Lado – der Vater stammt aus Kongo-Kinshasa, die Mutter ist Sudanesin. Am Lac Léman wuchs er auf, zwei Schweizer Klubs prägten seine sportliche Entwicklung: Bei Servette funktionierten sie ihn vom Stürmer zum Dirigenten im defensiven Mittelfeld um, in Bern drängte sich Zakaria als 19-jähriger YB-Stammspieler für ein EM-Aufgebot auf.

Im letzten Sommer verliess der Romand die Schweizer Komfortzone und setzte seinen steilen Aufstieg in Mönchengladbach fort. Ohne die geringsten Anlaufschwierigkeiten, ohne Furcht, praktisch ohne Fehler und Verzögerung verschaffte sich das Talent einen Platz in der Herzkammer der Borussia.

Bis jetzt ist er jeden Cent der 12 Millionen Euro Ablösesumme wert. Seine physische Präsenz ist beeindruckend, taktisch erfüllt er bislang alle Ansprüche – und mit einer Quote hebt sich der Westschweizer ab: 91 Prozent seiner Pässe kamen an, kein anderer Mittelfeldspieler in Deutschlands Eliteklasse erreichte in der Vorrunde einen besseren Wert.

Die Bundesliga-Experten staunten. «Ich bin froh, dass Gladbach wieder eine Perle gefunden hat», sagte etwa Lothar Matthäus. Vergleiche mit dem jungen Toni Kroos kursieren. Zakaria hat die Hymnen der Kommentatoren mitbekommen. «Es ehrt mich natürlich, das von solchen Persönlichkeiten zu hören», sagt er. «Das treibt mich an, noch mehr zu machen.»

Denis Zakaria

Denis Zakaria

Keystone

Weiterentwicklung im Fokus

Stillstand ist für den klassischen Box-to-Box-Akteur keine Option: «Meine Entwicklung muss weitergehen.» Die Komplimente nehmen ihm nichts von seiner Klarsicht: «Toni Kroos bewegt sich auf einem anderen Niveau, ich bin noch weit entfernt von ihm.»

Er sehe sich auch nicht als Chef im Mittelfeld, das sei übertrieben. Aber seine Position im Kern der Equipe wird er behaupten: «Ich habe schon in Bern alles investiert, um Titular zu sein, um nicht überrascht zu werden.»

Am Niederrhein hat der Mittelfeldspieler im ersten halben Jahr intensive Erfahrungen gemacht. Zu den persönlichen Highlights gehört das Meisterschafts-Debüt im Heim-Derby gegen Köln: «Mein erstes Spiel im Borussia-Park. Ich spürte die unfassbare Ambiance, dieser erste Eindruck wird mir ewig in Erinnerung bleiben.»

In jenem Moment wurde ihm klar, «dass es sich gelohnt hat, die Schweizer Liga zu verlassen» und im Jahr vor der WM eine «grosse Umstellung» zu riskieren.

Die ansprechende Performance der Borussia, die tägliche Herausforderung gegen internationale Konkurrenten haben Zakarias Stellenwert vergrössert. Als Valon Behrami im WM-Playoff nicht zur Verfügung stand, setzte Vladimir Petkovic in den 180 Minuten gegen Nordirland ohne Einschränkung auf den Gladbacher.

Die Einsätze in der Nati wertet Zakaria «als wichtiges Zeichen, dass ich hier einiges richtig gemacht habe. Nichts kommt von allein.»

Denis Zakaria im WM-Qualifikationsspiel gegen Andorra

Denis Zakaria im WM-Qualifikationsspiel gegen Andorra

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Dieter Hecking vertraut dem jungen Schweizer seit der ersten Saisonminute, Sportchef Max Eberl lobt seine Präsenz und Dynamik. Und aus London meldet Granit Xhaka nur Gutes über seinen Nati-Partner: «Er hat in Sachen Selbstvertrauen enorm zugelegt.»

Der Arsenal-Spielmacher hält den nordrhein-westfälischen Klub für die perfekte Wahl: «Ich kenne den Klub, er leistet hervorragende Arbeit. Da wird einem jungen Spieler auch mal das Vertrauen geschenkt, wenn es nicht so läuft.» Davon profitiere Zakaria, der immer klare Ziele habe und Ratschläge akzeptiere: «Er hört zu und ist an Inputs interessiert. Solche Spieler unterstütze ich, die mag ich.»

Eine Karriereplanung à la Xhaka schwebt dem Genfer Kraftwerk ebenfalls vor. Seinen Vorgänger bei Gladbach betrachtet er als «grossen Spieler». Während dessen Regentschaft stürmte die Borussia in die Champions League. Als punktgleicher Sechster mit dem drittklassierten Dortmund ist der Sprung in die europäische Eliteklasse zu schaffen: «Wir besitzen die Qualität, solche Ziele zu erreichen.»