Neff fragt Federer, Steingruber fragt Schär: Das grosse Ketteninterview der Schweizer Sportler

Was wollten Sport-Stars schon immer mal von ihren Berufskollegen wissen. Wir erfahren es im Ketteninterview.

Sportredaktion
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Triathlon Daniela Ryf fragt Leichtathlet Alex Wilson:

Alex, wofür brauchst du eigentlich mehr Energie, fürs «Seckle» oder fürs «Schnurre» danach?

Alex Wilson: «Ich brauche definitiv mehr Energie auf der Bahn. Das ‹Schnurre› passiert einfach spontan. Dafür reicht meine restliche Energie jeweils locker. Ich sage in den Interviews immer geradeaus, was ich denke. Denn ich habe nichts zu verstecken. Wenn etwas ein Seich ist, dann sage ich auch, dass es ein Seich ist. Die Menschen schätzen meine Ehrlichkeit.»

Leichtathlet Alex Wilson fragt Kunstturnerin Giulia Steingruber:

Giulia, wie hältst du das aus, in Magglingen jeden Tag stundenlang in dieser dunklen Trainingshalle zu sein?

«Also eigentlich finde ich die Halle gar nicht so schlimm, es gibt auch genügend Fenster. Vielleicht hast du einfach den Nebel in Erinnerung. Aber dann ist es ja umso besser, wenn wir drinnen trainieren. Im Sommer würde ich manchmal schon gerne draussen sein, dann muss ich halt in den Pausen Sonnenstrahlen ergattern. Aber ich bin es mir schon seit Kindestagen an gewohnt, drinnen zu trainieren.»

Kunstturnerin Giulia Steingruber fragt Fussballer Fabian Schär:

Fabian, wie ist das, wenn man ins Ausland wechselt und dann von einem Tag auf den anderen aus dem Umfeld gerissen wird?

«Mein erster Wechsel ins Ausland war von Basel nach Hoffenheim. Der war von langer Hand geplant, also konnte ich mich darauf vorbereiten. Zudem war ich innert drei Stunden wieder zu Hause. Extremer war es, als ich von Hoffenheim nach La Coruña wechselte. Direkt aus dem Trainingslager, wir hatten noch Teamabend, am nächsten Morgen flog ich um 6 Uhr los. Mit zwei Koffern und sonst nichts. Dann bist du in einem neuen Land, lebst alleine im Hotel und es gibt die Sprachbarriere, das sind schon schwierige Momente. Und natürlich, je komplizierter die Reise von der Schweiz in deine neue Heimat ist, desto weniger Besuch erhältst du. Schliesslich arbeiten ja Familie und Freunde auch.»

Fussballer Fabian Schär fragt Mountainbikerin Jolanda Neff:

Jolanda, wie viel Vorsprung würdest du mir auf einer Runde des WM-Kurses in der Lenzerheide geben, dass du mich gerade noch einholst? Achtung, ich bin furchtlos!

«Eine Runde dauert auf den meisten Kurse etwa 15 Minuten. Damit du vor mir ins Ziel kommst, brauchst du etwa 50 Prozent der Zeit als Vorsprung, ab dann würde es knapp. Dass du furchtlos bist, ist schon einmal gut. Aber vergiss nicht, es braucht schon auch technische Fähigkeiten. Das Handling des Bikes muss wieder und wieder trainiert werden. Am schwierigsten ist es, einschätzen zu lernen, wann man mit Bremsen beginnen muss.»

Mountainbikerin Jolanda Neff fragt Tennis-Star Roger Federer:

Roger, fährst du auch Mountainbike, um deine Ausdauer zu trainieren?

«Ich habe bereits ein Mountainbike gekauft, es steht im Keller bereit – nur dreckig ist es noch nicht geworden. Ich bin noch nicht richtig dazu gekommen und bin es ja auch nicht gewohnt, auf dem Velo zu sitzen. Aber vor dem geistigen Auge sehe ich mich durchaus, mit dem Bike in den Bündner Bergen. So schön es ist, draussen unterwegs zu sein, muss ich zugeben, dass ich nicht so der Ausdauersportler bin. Ich bin sehr Ballsport verliebt: Squash, Fussball, Tischtennis, Badminton, Basketball – dort sehe ich mich eher. Es wird auch für mich interessant, zu sehen, womit ich mich in Zukunft fit halten werde.»

Tennis-Star Roger Federer fragt Eishockey-Spieler Roman Josi:

Roman, wie viele Punkte würdest du gegen mich in einem Tennismatch machen? Best-of-Five, da hast du viel Zeit, Punkte zu gewinnen. Oder Games. Oder Sätze. Oder sogar das ganze Spiel. Ich weiss, dass du Tennis spielst, aber eben nicht, wie gut du bist.

«Den ersten Satz würde ich 6:7 verlieren. Weil ich immer nervös bin auf dem Tennisplatz, habe ich im Tiebreak keine Chance. Im zweiten Satz trauere ich der verpassten Chance nach, mache zu viele Fehler – 2:6. Danach bin ich dank Medical Timeout und deinem Nachlassen zurück. Du beginnst dich über mich und meine Backhand aufzuregen – 6:4 für mich. Im vierten Satz drehst du wieder auf, ich fühle mich zu sicher. Darum verliere ich den Satz 4:6 und damit das Spiel. Und jetzt noch ernsthaft: Im ganzen Spiel würde ich wohl zwei Punkte gewinnen. Ein Fehler von dir, weil es ganz einfach nicht lustig ist, gegen mich zu spielen. Und beim anderen Punkt gehe ich volles Risiko und treffen den Ball so, wie ich es nur einmal in hundert Fällen schaffe.»

Eishockey-Spieler Roman Josi fragt Schwinger Christian Stucki:

Christian, stell dir vor, wir bestreiten ein Eishockeyspiel mit Nashville als erstes Verteidigungspaar. Wie sieht unsere Plus/Minus-Bilanz aus? Schaffst du sogar ein Tor oder einen Assist? Und schliesslich: Wie viele Spieler könntest du bei einem Gerangel vor dem Tor gleichzeitig in den Schwitzkasten nehmen?

«Unsere Bilanz, nun ja, die wäre wohl ziemlich schlecht. Ich würde mich mit Händen und Füssen wehren gegen alles, was sich um mich herum bewegt, aber schlittschuhtechnisch bin ich halt schon keine Koryphäe. Wobei ich dir vielleicht als Unterstützung einige kernige Checks anbieten könnte – wenn ich die Gegner dann treffe. Ich fürchte allerdings, ich wäre wohl nur auf der Strafbank, müsste dein Wirken häufig von dort aus verfolgen. Aber, um dir noch ein wenig Mut zu machen: Vor dem eigenen Tor würde ich mindestens zwei Gegner in den Schwitzkasten kriegen, und vielleicht auch noch einen dritten, wenn er nicht zu gross ist.»

Schwinger Christian Stucki fragt Biathletin Lena Häcki:

Lena, würdest du dich trauen, ins Sägemehl zum Duell mit einem Schwinger zu schreiten? Wie viele Chancen würdest du dir einräumen?

«Trauen würde ich mich natürlich auf jeden Fall. Wohlwissend, dass meine Chancen in diesem Zweikampf verschwindend klein sind. Aber vielleicht würdest du mir ja im gemeinsamen Training vorher ein paar Griffe beibringen. Ich könnte mich dann auf der Loipe revanchieren. Ich gebe es zu: Es nähme mich schon Wunder, wie du dich auf Langlaufskis präsentieren würdest.»

Biathletin Lena Häcki fragt Radfahrer Stefan Küng:

Stefan, wie schafft ihr Radfahrer das, so lange auf einem Sattel zu sitzen, ohne ein schmerzendes Hinterteil zu kriegen?

«An den Sattel gewöhnt man sich recht schnell. Bei mir ist ja speziell, dass ich das Team gewechselt und somit auch neues Material erhalten habe. Also muss ich viel testen, zum Beispiel eben auch den Sattel. Wir haben aber zum Glück auch gut gepolsterte Velohosen, die unser Hinterteil schützen. Wenn man also ein Problem hat, zum Beispiel Hautirritationen, dann hat man einfach nicht den richtigen Sattel – oder eine schlecht gepolsterte Hose.»

Radfahrer Stefan Küng fragt Fussballerin Ana Maria Crnogorcevic:

Ana Maria, stimmt es wirklich, dass Frauen im Fussball weniger wehleidig sind als Männer? Zudem würde mich noch interessieren: Die Männer halten beim Freistoss die Hände schützend zwischen die Beine. Wie machen das die Frauen? Ihr müsst ja zwei Zonen vor Beschuss schützen.

«Zur ersten Frage gibt’s ein fünffaches ‹Ja›! Wenn ich einem Neymar bei der WM zuschaue, dann ist das fast schon fremdschämen. Einen Gedanken werfe ich trotzdem noch ein: Vielleicht ist die Theatralik nicht absichtlich, sondern hat mit Selbstschutz zu tun. Aber grundsätzlich stehen wir Frauen nach einem Foul viel schneller wieder auf. Bei den Freistössen gilt: Manche halten die Arme vor die Brust, aber es ist Vorsicht geboten. Wenn man sich abdreht, droht die Gefahr eines Handspiels. Unten schützen wir Frauen uns seltener. Ein Schuss ans Schambein schmerzt zwar auch, aber wohl kaum so sehr wie wenn die männlichen Weichteile betroffen sind.»

Fussballerin Ana Maria Crnogorcevic fragt Skifahrer Beat Feuz:

Beat, worin bist du schneller, vom Start bis ins Ziel einer Abfahrt – oder beim Windeln wechseln?

«Das ist einfach zu beantworten: Definitiv vom Start bis ins Ziel bei einer Abfahrt – ja sogar dann, wenn es ein Super-G wäre. Zu Hause bin ich eher gemütlich unterwegs, dafür beim Windeln wechseln genau so präzise wie auf der Skipiste.»

Skifahrer Beat Feuz fragt Leichtathletin Lea Sprunger:

Lea, was würdest du mir zutrauen, wie viele Hürden am Stück würde ich auf der 400-Meter-Hürden-Strecke schaffen – im Laufschritt natürlich? Und wie könnte ich meine Technik verbessern?

«Du schaffst alle! Vielleicht würde dir etwas der Rhythmus fehlen, aber das ist ja nicht das Entscheidende. Was ich aber einschränkend sagen muss: Vielleicht würde es schwierig bei Männer-Hürden. Aber meine Frauen-Hürden, die kriegst du hin. Und dann müsstest du eben noch ein bisschen an deiner Hüftbeweglichkeit arbeiten. Kraft hast du ja genug. Darum würde ich dir Yoga empfehlen.»

Leichtathletin Lea Sprunger fragt Langläufer Dario Cologna:

Dario, hättest du genügend Geduld, um mir den Langlauf-Sport als Anfängerin zu erklären? So, dass ich es auf Anhieb schaffe, eine Sprint-Runde ohne Sturz hinzukriegen – sogar dann, wenn Aufstieg und Abfahrt dabei sind?

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dafür nicht viel Geduld brauche. Denn Sportlerinnen und Sportler sind koordinativ sehr begabt. Davon konnte ich mich auch schon bei Trainings in Davos überzeugen, als wir gemeinsam schufteten. Auch deine Sprungkraft fand ich ziemlich beeindruckend. Vielleicht kann ich einmal die eine oder andere Übung von dir in mein Programm einbauen. Fazit: Ich bin sicher, du würdest nach kürzester Zeit eine Langlauf-Runde ohne Sturz hinkriegen."

Langläufer Dario Cologna fragt Skifahrerin Wendy Holdener:

Wendy, betreibst du eigentlich auch Langlauf als Ausgleich oder gar als Konditionstraining? Und welche Arten von Ausdauer-Training machst du?

Früher im Skiclub, da gehörte es dazu, dass ich auch an den Langlauf-Rennen teilgenommen habe. Ich habe also durchaus Erfahrung. Auch heute noch wäre Langlauf eigentlich gut für die Ausdauer – aber der Konditionsaufbau findet eher im Frühling und Sommer statt und dann liegt kein Schnee. Darum stehen Velofahren und Wandern auf dem Programm. Eine Rollski-Tour wäre auch mal eine tolle Idee. Wenn ich im Winter Lust auf Ausgleich habe, dann gehe ich gerne auf Skitouren.

Skifahrerin Wendy Holdener fragt Handballer Andy Schmid:

Andy, es ist verrückt, was du leistest in deinem Sport. Trotzdem kennt man dich in der Schweiz zu wenig gut. Stört dich das?

«Diese Frage höre ich häufig. Es ist nun mal so, dass wir beim Handball bei einer Randsportart sind, und darum kennen mich wohl mehr Leute in Deutschland als in der Schweiz. Aber das hat auch Vorteile. Ich denke nicht, dass du bei McDonalds essen kannst, ohne dass dies am nächsten Tag gleich in den Zeitungen steht. Ich bin darum durchaus froh, ab und zu auch Dinge machen zu können wie ein «normaler Mensch». Aber klar, ab und an würde ich mir schon wünschen, dass Akzeptanz und Resonanz auf die Sportart allgemein ein bisschen höher wären. Ich hab’s ja mit dem Skifahren früher auch versucht – musste aber leider schnell feststellen: das wird nichts. Ich bin trotzdem glücklich als Handballer, auch wenn mich nicht so viele Leute kennen wie dich.»

Handballer Andy Schmid fragt Triathletin Daniela Ryf:

Daniela, wie ist das während langen Schwimm-Strecken in einem Wettkampf, hast du da auch Durst und wie stillst du diesen?

«Ich bin so etwa maximal 50 Minuten im Wasser. In dieser Zeit verspüre ich keinen Durst. Und es wäre auch fast unmöglich, zu trinken. Bei längeren «Open Water» Schwimm-Wettkämpfen gibt es Boote, die den Athleten Flaschen reichen. Bei mir ist es so, dass ich im Wasser viel weniger schwitze als auf dem Velo und beim Laufen. Deshalb fühle ich mich fast nie durstig. Ich schaue, dass ich vor dem Wettkampf genug trinke, aber auch nicht zu viel, dass der Bauch voll wäre. Und manchmal, da trinkt jeder unfreiwillig Meerwasser, ein Gefühl, das ich niemandem wünsche. Sowieso tut es richtig gut, direkt nach dem Schwimmen den Salz-Mund kräftig durchzuspülen.»

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