Volleyball

Nati-Captain Laura Künzler muss Mulhouse auf dem Weg zum Meistertitel fluchtartig verlassen

Laura Künzler muss weiter warten, denn offiziell ist die Meisterschaft in Frankreich noch nicht abgesagt.

Laura Künzler muss weiter warten, denn offiziell ist die Meisterschaft in Frankreich noch nicht abgesagt.

Die Schweizer Volleyball-Söldnerin Laura Künzler stand mit ihrem neuen Klub in Frankreich auf Platz 1. Dann kamen das Virus und die Ausgangssperre.

Laura Künzler müsste derzeit unter Hochspannung stehen. In den Playoffs der französischen Volleyball-Meisterschaft ginge es für sie und ihre Teamkolleginnen von Tabellenführer Mulhouse um den Einzug in die Champions League. Stattdessen sitzt die 23-Jährige entspannt im Garten des elterlichen Hauses in Ehrendingen. Sie ist froh, in der aktuellen Situation rund um das Corona-Virus zumindest auf dem Velo eine Trainingsrunde absolvieren zu können.

Für die meisten Mitspielerinnen heisst es in der Stadt im Elsass derzeit nämlich: Ausgangssperre! Nicht nur sind Trainings in der Gruppe verboten, auch Jogging oder Radfahren im Freien sind seit der unmissverständlichen Direktive von Staatspräsident Macron am Sonntagabend nicht mehr gestattet. Eingesperrt in den eigenen vier Wänden – gerade für eine Profisportlerin ein schwer ertragbarer Zustand.

Bis zum Wochenende herrschte Normalzustand

Dabei hatte sich Laura Künzler mit ihren Teamkolleginnen vor kurzem noch gewundert, wie locker die 110 000 Einwohner der französischen Grenzstadt am Rhein mit der Situation umgegangen sind. Schon länger galt das Elsass als Hotspot der Corona-Verbreitung. Trotzdem traf man sich täglich auf den verschiedenen Märkten in der Stadt. «Es hat uns etwas irritiert, dass es noch am Samstag keinerlei Einschränkungen gegeben hat, obwohl allen klar war, wie verbreitet das Virus gerade hier ist», sagt Künzler.

Dann wurde alles auf einen Schlag anders. Macron sprach ein präsidiales Machtwort, die Liga unterbrach den Meisterschaftsbetrieb bis vorerst 5. April und der Verein erklärte seine Spielerinnen bis zum 15. April als arbeitslos. Frühestens dann öffnen die Trainingshallen wieder – rein theoretisch. Weil die Meisterschaft ursprünglich bis Mitte Mai gedauert hätte, die Arbeitsverträge der Spielerinnen in Frankreich aber bis Ende Juni laufen, gäbe es noch ein Zeitfenster, um die Meisterschaft ordentlich abzuschliessen. Nur glaubt niemand mehr daran.

Laura Künzler verliess Mulhouse am Montag fluchtartig, bevor die Grenzen dichtmachten. Nun gilt auch für den Captain des Schweizer Nationalteams, der nach drei Jahren NLA bei Sm’Aesch-Pfeffingen und zwei Saisons in der Bundesliga bei den Roten Raben Vilsbiburg die erste Spielzeit beim französischen Spitzenteam absolviert, bis auf weiteres Abwarten und Tee trinken. Die Aargauerin kann zwar nun ihr Fernstudium in Kindheitspädagogik vorantreiben, doch wie es sportlich weitergeht, weiss sie nicht.

Die sportliche Zukunft ist noch völlig unklar

Zwar läuft es mit 20 Siegen aus 24 Spielen und der klaren Tabellenführung sportlich optimal, doch Laura Künzler will ihre aktuelle Situation, nur als erste Ersatzspielerin auf der Aussenposition ins Spiel eingreifen zu können, nicht länger hinnehmen. Ihre belgische Spieleragentin lotet derzeit die Möglichkeiten aus. «Ich weiss, dass mein Trainer mich im Team behalten möchte. Ob er aber auch zu einer Stammplatz-Garantie bereit ist, wird angesichts der derzeitigen Situation halt zu einem absolut zweitrangigen Thema», sagt Künzler.

Auch für sie fühlt sich die aktuelle Lage surreal an. «Vielleicht bin ich der Champions League in diesem Jahr so nahe gestanden wie nie mehr im Leben», spekuliert sie. Doch eine langjährige Erfahrung wird Laura Künzler nicht los. Während ihrer Zeit bei Sm’Aesch scheiterte man beim Unterfangen, dem dominierenden Team von Voléro Zürich eine Niederlage beizubringen. Und nun geht die Negativserie für die Schweizer Topspielerin auch in Frankreich weiter. Dort spielt das ehemalige Voléro seit zwei Jahren unter dem neuen Namen Le Cannet. Und obwohl die Equipe aus dem Süden in der Tabelle nur auf Platz 4 liegt, war sie der einzige Gegner, den Mulhouse in dieser Saison nie besiegen konnte. Aber wie derzeit vieles im Sport, bleibt auch diese Episode wohl bald ein Muster ohne Wert.

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