Schwimmen

Nach WM-Silbermedaille: Jérémy Desplanches ist noch lange nicht satt

Die Freude am Sport will Jérémy Desplanches beibehalten.

Der Schwimmer Jérémy Desplanches will nach seinem Erfolg an den Weltmeisterschaften in Südkorea auch an den Olympischen Spielen überzeugen. Der Gewinn der Silbermedaille in Gwangju soll für ihn erst der Anfang sein.

Am Zürcher Flughafen will der Applaus bei seinem Empfang nicht verebben. Doch statt sich ausgiebig feiern zu lassen, sucht Jérémy Desplanches als Erstes Zuflucht im Kreise seiner Liebsten. Der ganze Trubel um seine Person und das silberne Schmuckstück um seinen Hals scheinen ihm nicht recht geheuer zu sein. Die ganze Zeit über wirkt der Schwimmer ein wenig entrückt. Physisch am Flughafen in Zürich gelandet.

Den Kopf aber noch immer hoch über den Wolken. Geerdet und erfrischend normal wirkt hingegen sein zurzeit grösster Wunsch. «Zu Hause werde ich als Erstes eine Pizza essen», sagt er. «Das hat mir enorm gefehlt.» In der Tat dürften italienische Spezialitäten an den Schwimm-Weltmeisterschaften in Gwangju, Südkorea, nicht auf dem Speiseplan gestanden haben. Nichtsdestotrotz fand er fernab seiner Heimat ein anderes Mittel gegen seinen Hunger – und kurierte mit der Medaille auch den Hunger der Schweizer Schwimmszene, die so lange auf eine Medaille warten musste, und der stets ein Zugpferd fehlte.

Seine Auszeichnung hat alle überrumpelt, auch ihn selbst. Zu keinem Zeitpunkt war ihm im Wasser bewusst, wie sehr er brilliert. «Im Gegenteil. Auf den letzten paar Metern war ich richtig fertig, habe mir gesagt «Jetzt ist es zu spät», antwortet Desplanches. Dass er letztlich doch noch jubeln durfte, kommt auch Swiss Swimming zugute. Seine Silbermedaille ändert viel für den Verband – nicht nur auf der monetären Ebene. «Ebenso wichtig ist die Signalwirkung im Schweizer Schwimmsport. Wir haben jetzt einen Athleten, der in der Weltspitze mitschwimmen und dort auch dominieren kann», sagt Markus Buck, Chef Leistungssport bei Swiss Swimming.

Gestiegene Erwartungshaltung

Um so wertvoller erscheint die Medaille auch unter Berücksichtigung seines Karrierewegs «Er ist ein Athlet, der über viel Arbeit hierhin gekommen ist, im Nachwuchsbereich nicht übermässig auffällig war», so Buck. Tatsächlich musste Desplanches immer wieder über sich hinauswachsen, auch in Gwangju hat keiner so richtig mit ihm gerechnet.

Was er seinem jüngeren Ich raten würde, das gar oft kämpfen musste? «Es einfach nur zu geniessen. Das ist das Wichtigste», sagt der 24-Jährige. Die Freude am Sport will er beibehalten. Auch wenn der Druck in Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nun gestiegen ist. «Es ist mir bewusst, dass jetzt mehr von mir erwartet wird. Davon lasse ich mich aber nicht stressen», sagt er. Doch stapelte er vor der Weltmeisterschaft noch tief, so tritt er nun mit breiter Brust auf. Seine Ziele für Tokio sind mittlerweile klar.

«Ich hätte gerne eine Medaille, will den Kurs beibehalten», sagt er und warnt zugleich: «Die Olympischen Spiele sind noch einmal etwas ganz anderes.» Ähnlich ambitioniert wie in Zürich präsentiert er sich auch auf Instagram, wo er nach seinem Medaillengewinn ein Bild mit der Beschriftung «Incredible moment and it makes me so hungry for more» postete. Der Hunger von Desplanches – er ist noch lange nicht gestillt.

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