Nach EM-Qualifikation
Nationaltrainer Nielsen gedenkt der verstorbenen Florijana Ismaili – und unterstreicht die Ambitionen für die EM

Nach dem Penaltydrama gegen Tschechien hat das Schweizer Frauen-Nationalteam die Qualifikation zur Europameisterschaft 2022 geschafft. Nationaltrainer Nils Nielsen wurde danach auch emotional.

Raphael Gutzwiller
Merken
Drucken
Teilen
Grosse Emotionen bei Nils Nielsen.

Grosse Emotionen bei Nils Nielsen.

Alessandro Della Valle / EPA

Die besten Schweizer Fussballerinnen werden 2022 mit dabei sein, wenn in England um den Europameistertitel gespielt wird. Erst im Penaltyschiessen haben sich die Schweizerinnen im Barrageduell am Dienstag gegen Tschechien durchgesetzt. Viel Nervenflattern war da auch mit dabei. Aber das grosse Ziel, es ist erreicht.

Die Schweizerinnen fokussieren sich vor Spielbeginn.
12 Bilder
Tschechische Härte: Bachmann wird von Martinkova gefoult
Auch Wälti bekommt die tschechische Härte zu spüren.
Erfolglose erste Halbzeit: Bachmann konnte ihr Können nicht zur Schau stellen.
Votikova im Tor der Tschechinnen.
Thalmann hielt den Kasten den Schweizerinnen in der ersten Halbzeit sauber.
Bachmann versucht sich immer wieder im 1 gegen 1.
Die erst 18-Jährige Foelmli kann sich noch nicht so richtig durchsetzen.
Die Tschechinnen jubeln nach ihrem Führungstreffer.
Und nur wenige Minuten später kann Sow jubeln.
Die Schweizerinnen zeigen sich nach dem wichtigen Ausgleich erleichtert.
Sie qualifizieren sich für die EM 2022 in England!

Die Schweizerinnen fokussieren sich vor Spielbeginn.

Urs Lindt / freshfocus

Für Nationaltrainer Nils Nielsen ist es der grösste Erfolg, seit er vor zwei Jahren die Mannschaft übernommen hat. Im Vorfeld hatte er vor seiner wichtigsten Partie gesprochen, nach dem gewonnenen Duell wurde der Däne aber auch aus einem anderen Grund emotional.

Noch immer schmerzt der Verlust von Florijana Ismaili.

Noch immer schmerzt der Verlust von Florijana Ismaili.

Gaetan Bally / Keystone

Kurz nachdem Nielsen 2019 Schweizer Nationaltrainer wurde, war die 24-jährige Florijana Ismaili bei einem Badeunfall im Comersee ums Leben gekommen. Im Moment des Erfolgs denkt Nielsen auch an die ehemalige Nationalspielerin. «Die Qualifikation ist auch ein kleines Statement für sie, die uns zuschaut», sagt Nielsen an der Medienkonferenz. Auf Nachfrage sind ihm die Emotionen ins Gesicht geschrieben, er ist den Tränen nahe.

«Ich habe so was noch nie erlebt. Ich hoffe, Florijana kann stolz sein auf ihre Teamkolleginnen.»

Stolz sein, das kann sie sicher über die Qualifikation. Ein berauschender Auftritt war es zwar nicht gewesen von den Schweizerinnen in der Barrage gegen bescheidene Tschechinnen, dennoch ist der Kampfgeist der Schweizerinnen löblich hervorzuheben. So sieht es auch Nielsen: «Es war nicht einfach, wir sind richtig schlecht ins Rückspiel gestartet. Aber wir können mit Herz kämpfen. Auch dann, wenn es nicht so läuft. Wir haben nie aufgegeben und darum verdient gewonnen.»

Die Frauen-Nati fast wie einst die männlichen Kollegen

Penaltyschiessen und Schweizer Nationalteam? Da war doch was! Tatsächlich zählte dies noch nie zu den Schweizer Stärken. Unvergessen das Ausscheiden des Männer-Natinalteams im WM-Achtelfinal 2006 gegen Ukraine oder im EM-Achtelfinal 2016 gegen Polen.

Wird zur Schweizer Heldin: Torhüterin Gaëlle Thalmann.

Wird zur Schweizer Heldin: Torhüterin Gaëlle Thalmann.

Alessandro Della Valle / EPA

Dass auch das Frauen-Team ihre liebe Mühe mit Penaltys hat, zeigen die ersten beiden Schützinnen. Malin Gut und Coumba Sow verschiessen zum Start ihre Versuche. Glücklich, wer da die überragende Gaëlle Thalmann zwischen den Pfosten weiss. Die Torhüterin aus Freiburg hält gleich doppelt - und beim letzten Versucht der Tschechinnen hat sie das Glück auf ihrer Seite. «Als ich hörte, wie der Ball an die Latte prallte, war das für mich die pure Freude», erzählt Thalmann. Alisha Lehmann, Ana-Maria Crnogorcevic und Lia Wälti trafen zuvor vom Punkt.

Thalmann sagt: «Natürlich ist Penaltyschiessen immer ein bisschen eine Lotterie, aber ich denke, wir haben die Qualifikation verdient.»

WM-Qualifikation ist kein Neuanfang

Kapitänin Lia Wälti und Trainer Nils Nielsen Nils freuen sich über die geschaffte Qualifikation.

Kapitänin Lia Wälti und Trainer Nils Nielsen Nils freuen sich über die geschaffte Qualifikation.

Alessandro Della Valle / Keystone

Dass es an der Europameisterschaft dereinst bessere Auftritte benötigt als gegen Tschechien, wissen alle. «Wir haben uns qualifiziert und damit sind wir zufrieden. Aber wir reisen nicht nach England, nur um dabei zu sein», verspricht Nielsen, der mit seinem Heimatland Dänemark 2017 den Final erreicht hat.

Zunächst aber geht es für das Schweizer Nationalteam im September in der Qualifikation für die WM 2023 in Australien und Neuseeland los. Nils Nielsen sagt: «Für uns ist das kein Neuanfang, wir wollen auf unserer Arbeit aufbauen.»