Formel 1

Grand Prix von Australien abgesagt

Ein skurriles Bild: Formel-1-Fahrer Esteban Ocon mit Schutzmaske

Ein skurriles Bild: Formel-1-Fahrer Esteban Ocon mit Schutzmaske

Die Absage des Grand Prix von Australien steht aller Voraussicht nach am Anfang einer schwierigen Saison. Die Formel 1 verlässt Melbourne mit vielen Fragen und ungelösten Problemen.

Es hatte lange, sehr lange gedauert, bis auch die Rechteinhaber der Formel 1, die lokalen Behörden, die örtlichen Organisatoren und die Vertreter des Internationalen Automobil-Verbandes FIA sich zur Absage durchringen und sich von ihrem Ansinnen lösen konnten, das Programm in Melbourne trotz aller widriger Umstände, Unmutsbekundungen und Protesten durchzuziehen. In Gang gesetzt hatte das Umdenken die Erkrankung eines Mitglieds des Teams McLaren am Coronavirus.

Ein halber Tag Warten

Ganze zwölf Stunden waren nach der Bestätigung der Infizierung bis zur öffentlich gemachten Absage vergangen. Die sich hinziehende Ungewissheit und die ausgebliebene Information wurden zum Ärgernis. Das lange Warten war begleitet von Unverständnis und Vorwürfen. Den Repräsentanten der FIA wurde ein weiteres Mal zum Vorwurf gemacht, ihr Vorgehen sei eines grossen Verbandes nicht würdig. Eine Koordination gab es nicht, die Situation an der und um die Strecke im Albert Park war völlig unübersichtlich. Spekulationen verstärkten das Chaos. Die Meinung, die Diskussionen würden sich vorab um finanzielle Aspekte und um die Haftung für die entstandenen Kosten drehen, machte die Runde.

Die Lage normalisierte sich erst zwei Stunden vor dem Beginn des geplanten ersten Trainings, als die FIA, das Formel-1-Management und die Veranstalterin Australian Grand Prix Corporation die Absage in einem gemeinsamen Schreiben verkündeten. Die Sicherheit aller Beteiligten sei nicht mehr gewährleistet gewesen, das Risiko von weiteren Infizierungen zu gross geworden.

Ross Brawn, der Formel-1-Sportdirektor, rechtfertigte die lange Zeit bis zum Entscheid. "Es gab viele Faktoren, die wir zu beachten hatten", sagte der Engländer. Meetings mit den Teamchefs, den Veranstaltern und Vertretern der Gesundheitsbehörde standen im Programm. Dazu gab es Telefonate mit FIA-Präsident Jean Todt, der nicht nach Australien gereist war, und mit Chase Carey. Der Formel-1-Geschäftsführer befand sich auf dem Flug von Vietnam nach Melbourne. "Es war eine stressige Zeit. Was wir in den zwölf Stunden alles regeln konnten, war gut."

Brawn erinnerte an die für alle Beteiligten ungewohnte Situation. "Es gab Pläne für den Umgang mit Verdachtsfällen." Für den Veranstalter sei es aber unmöglich gewesen, bei so vielen Unbekannten für jede Eventualität vorbereitet zu sein. Die unerwartet schnelle Ausbreitung des Virus habe eine völlig neue, unbekannte Ausgangslage mit sich gebracht.

Ungewisse Fortsetzung

Völlig anders ist die Ausgangslage auch, was den weiteren Verlauf der Saison betrifft. Auf jeden Fall wird der Kalender Änderungen erfahren. "Wir werden versuchen, so viele der abgesagten Grands Prix wie möglich an anderen Daten anzusetzen", sagte Brawn weiter. Er sprach die wirtschaftliche Komponente an und erinnerte daran, dass die Teams einen Teil ihrer hohen Budgets mit Preis- und Antrittsgeld decken. Brawn appellierte aber auch an die Toleranz. "Wir müssen realistisch bleiben. Es sind sehr schwierige Bedingungen, unter denen wir die Saison neu planen müssen." Zu den Sorgen wegen des Coronavirus kommen logistische Probleme und die in vielen Ländern verschärften Einreisebestimmungen.

Nächster Programmpunkt wäre der Grand Prix von Bahrain am kommenden Wochenende gewesen. Das Rennen in Sakhir ist aber wie die weitere zwei Wochen später terminierte Premiere des Grossen Preises von Vietnam in Hanoi wie erwartet abgesagt worden. Sicher ist zudem seit langem, dass es den Grand Prix von China in Schanghai nicht geben wird - zumindest nicht wie ursprünglich vorgesehen Mitte April.

Der Rennbetrieb ruht damit zumindest bis Anfang Mai. Dannzumal stünde der Grand Prix der Niederlande im Programm. In Zandvoort wäre der Formel-1-Zirkus zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder zu Gast.

In der aktuellen Formel 1 mit ihren vielen Unbekannten wird auf jeden Fall weiter Geduld gefragt sein. Die zwölf Stunden Warten am Freitag in Melbourne dürften erst der Anfang gewesen sein.

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