GP Gippingen

Modolo triumphiert beim GP Gippingen – Albasini knapp geschlagen

Modolo entscheidet den Grossen Preis des Kantons Aargau für sich.

Modolo entscheidet den Grossen Preis des Kantons Aargau für sich.

Der Italiener Sacha Modolo aus dem UAE-Emirates-Team gewann in Leuggern den Sprint des Feldes. Michael Albasini fuhr als bestklassierter Schweizer auf Platz 4.

Silvan Dillier lächelte etwas gequält: «Was soll ich machen? Diese Art von Rennen ist nicht auf meine Qualitäten zugeschnitten», sagte der BMC-Fahrer fast entschuldigend. Mit «dieser Art Rennen» meinte er den Massenspurt, welcher am Ende des knapp 188 Kilometer langen Parcours in Leuggern über den Sieg entschied. Nein, Silvan Dillier gehört definitiv nicht zur Gilde der endschnellsten Radprofis im Fahrerfeld. Umso mehr wäre er auf einen etwas kompetitiveren Rennverlauf angewiesen gewesen.

«Wir versuchten, im letzten Anstieg zum Strick noch mal etwas, aber die Abfahrt danach ist zu lang, als dass man dort wegkommt», so Dillier, der in dem Moment, als vorne die Post abging, ausserdem noch Pech hatte. «Ich sah eine Lücke, doch die schloss sich plötzlich mit Fahrern, die die Beine hängen liessen und gar nicht mehr mitspurten wollten.»

Das Resultat: Platz 29. Die erhoffte moralische Aufmunterung, die er nach seiner Ausbootung aus dem Tour-de-Suisse-Team von BMC nötig gehabt hätte, blieb für den Schneisinger aus. Er wird jetzt dann ein Rennen in Frankreich fahren. «Wie es in der zweiten Saisonhälfte weitergeht, ist noch völlig offen.»

Zu früh in der Offensive

Ungleich konkreter ist die Planung von Michael Albasini, der ab morgen Samstag die Schweizer Rundfahrt bestreiten wird. Der GP des Kantons Aargau stellte für ihn einen Formtest dar. Der Thurgauer, der mit seinem dritten Triumph zum Rekordsieger des grössten Eintagesrennens der Schweiz hätte avancieren können, war nahe dran, sein Ziel zu erreichen. Aber eben nicht nah genug. Der 36-Jährige lancierte etwa 200 Meter vor der Ziellinie den Endspurt, wurde auf den letzten Metern aber noch von drei Konkurrenten überholt. «Mein Team hat mich perfekt ins Final geführt. Dann bin ich aber wohl eine Idee zu früh in die Offensive gegangen und hatte wohl auch einen etwas zu grossen Gang aufgelegt. Deshalb bin ich auf den letzten Metern etwas eingegangen. Nach meiner Rennpause hat mir der letzte Tick gefehlt, um den Spurt durchziehen zu können», fasste Michael Albasini die letzten Meter in Worte.

So ging am Ende der Plan eines anderen Sprinters besser auf. Der Italiener Sacha Modolo gehört nicht zu den weltbesten Vertreter seiner Spezies, hat im Verlauf seiner achtjährigen Karriere aber schon einige Male bewiesen, dass er ein endschneller Fahrer ist. Er gewann unter anderem 2015 zwei Etappen am Giro d’Italia. Der Profi des UAE-Emirates-Team hatte auf den letzten Metern am meisten Kraft und wies den prominentesten Fahrer des Felds, den Deutschen John Degenkolb, knapp in die Schranken.

Es war der fulminante Schlusspunkt hinter ein Rennen, welches während über acht der insgesamt zehn Runden à 18,7 Kilometern von einer vierköpfigen Spitzengruppe geprägt worden war, in welcher mit Lukas Spengler und Gian Friesecke auch zwei junge Schweizer mitfuhren. Ihr Effort wurde, wie so oft, jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Das Feld gewährte den Ausreissern maximal fünf Minuten Vorsprung. Als es schliesslich um die Wurst ging, da schmolz der Abstand zwischen Spitze und Verfolgern im selben Mass, wie die Temperaturen an diesem wunderbaren Sommertag im Norden des Kantons Aargau stiegen. Im vorletzten Aufstieg zum Loorholz war es um das tapfere Quartett geschehen. Die dominanten Teams im Feld übernahmen die Kontrolle und verhinderten so, dass es auf den letzten Kilometern zu weiteren, erfolgreichen Ausreissversuchen kam.

Frank mit gutem Gefühl

Auch Mathias Frank gehörte zu den Fahrern, die ihr Glück mit einer späten Attacke suchten und scheiterten. Für den Nottwiler, der in den letzten Tagen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, lohnte sich der Ausflug in den Aargau trotzdem. «Ich habe mich sehr gut gefühlt. Das stimmt mich im Hinblick auf die Tour de Suisse zuversichtlich. Ich bin bereit», so Frank. Und irgendwo lächelte Silvan Dillier gequält vor sich hin.

Gippingen. 54. GP des Kantons Aargau (Europe Tour/188,7 km): 1. Sacha Modolo (ITA) 4:26:22. 2. John Degenkolb (GER). 3. Nicolo Bonifazio (ITA). 4. Michael Albasini (SUI). 5. Reinardt Janse van Rensburg (RSA). 6. Baptiste Planckaert (BEL). – Ferner: 11. Fabian Lienhard (SUI). 16. Colin Stüssi (SUI). 21. Cyrille Thièry (SUI). 26. Roland Thalmann (SUI), alle gleiche Zeit. 29. Silvan Dillier (SUI) 0:05 zurück. 35. Reto Hollenstein (SUI), gleiche Zeit. 38. Matteo Badilatti (SUI) 0:11. 42. Valentin Baillifard (SUI). 43. Mathias Frank (SUI). 44. Rui Costa (POR), alle gleiche Zeit. 56. Stefan Küng (SUI) 0:16. - 134 gestartet, 108 klassiert. - Aufgegeben: u.a. Gregory Rast (SUI), Simon Spilak (SLO).

Meistgesehen

Artboard 1