Testspiel
Mit Shaqiri staunend zum Rekord: Die Schweizer Nati gewinnt das sechste Spiel in Folge

Vor dem wichtigen WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer Inseln testete die Schweizer Nationalmannschaft gegen Weissrussland. Die Schweizer vermochten nicht wirklich zu überzeugen, gewannen das Spiel dank eines Traumtors von Xherdan Shaqiri mit 1:0.

Etienne Wuillemin (Text), Anes Filan (Liveticker)
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Xherdan Shaqiri schiesst im Test gegen Weissrussland ein Traumtor Xherdan Shaqiri schiesst im Test gegen Weissrussland ein Traumtor
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Schweiz - Weissrussland, 01.06.2017
Die Schweizer Nationalmannschaft im Training vor dem Spiel gegen Weissrussland.
Kann Xherdan Shaqiri gegen Weissrussland wieder zaubern?
Nati-Trainer Vladimir Petkovic.
Breel Embolo ist erstmals seit seiner schweren Verletzung wieder im Nati-Aufgebot-

Xherdan Shaqiri schiesst im Test gegen Weissrussland ein Traumtor Xherdan Shaqiri schiesst im Test gegen Weissrussland ein Traumtor

LAURENT GILLIERON

Xherdan Shaqiri ist ein Phänomen. Manchmal ist er ein wunderbarer Fussballer, mit so viel Gefühl in seinem linken Fuss, mit so viel Spielwitz auch, dass man nur staunen kann. Manchmal ist er auch der Fussballer, der irgendwie von seinem Weg abgekommen ist, bei Stoke City in den Niederungen der Premier League versauert und sich selbst stets etwas zu wichtig nimmt.

Gestern ist wieder einmal Staunen angesagt. Gerade einmal acht Minuten und einige wenige Sekunden müssen sich die 10 200 Zuschauer in der Neuenburger Maladière gedulden, ehe sie seinen nächsten magischen Moment erleben dürfen.
Der Ball kommt also zu ihm, es sind noch 25 Meter bis zum Tor, er schaut einmal auf, nimmt Mass. Und plötzlich fliegt der Ball so wunderbar ins Tor, wie das bei Shaqiri eben manchmal geschieht.

Das Publikum staunt. Shaqiri verneigt sich kurz. Die gesamte Schweizer Ersatzbank inklusive Betreuer erhebt sich und klatscht Beifall.

Das Traumtor von Shaqiri im Video:

Und wer die Szenerie so beobachtet, fühlt sich automatisch noch mal zurückversetzt nach St. Etienne, an den wohl emotionalsten Moment der jüngeren Schweizer Länderspielgeschichte, denkt an das Wundertor von Shaqiri gegen Polen. An jenes Tor, das trotz aller Schönheit am Ende eben doch nicht gereicht hat, um in den EM-Viertelfinal zu kommen.

Sechster Sieg in Folge

Bald ein Jahr ist vergangen seither. Und diese Schweizer Mannschaft scheint in der Folge irgendwie gewachsen. Entschlossen, weitere Berge zu erklimmen. Höhere Ziele wie ein WM-Viertelfinal beispielsweise sollen nicht länger eine unüberwindbare Hürde bleiben.
Ein Abend wie am Donnerstag gegen ein bescheidenes Weissrussland dient da wahrlich nicht als Gradmesser für solche Träume. Und doch geht er eben in die Geschichte ein.

Weil die Schweiz gegen Weissrussland den sechsten Sieg in einem Länderspiel hintereinander erreicht. Sechs Siege en suite – das hat es noch nie gegeben. Und doch soll «Neuenburg» natürlich nicht lange als Gradmesser bleiben. Denn alles andere als ein Sieg am nächsten Freitag auf den Färöer Inseln – und damit der Ausbau des Siegesrekords auf sieben Spiele – wäre eine Enttäuschung.

Viele neue Gesichter in der Startelf

Die Partie gegen Weissrussland ist eine Art Aufgalopp zur letzten Prüfung dieser Saison in der WM-Qualifikation. Nationaltrainer Vladimir Petkovic testet auf einigen Positionen neue Gesichter.

Da ist ein Remo Freuler, der souverän und umsichtig agiert, und darum jederzeit als Alternative im Schweizer Mittelfeld in Frage kommt. Da ist ein Steven Zuber, der sich zwar nicht die ganz grossen Chancen erarbeitet, aber mit seinem Tempo und Engagement gefällt. Und da ist ein Edimilson Fernandes, der ebenfalls einige vielversprechende Aktionen zeigt, ohne dabei aber zwingend zu sein.

Sie alle werden wohl kaum in der Startformation stehen auf den Färöer Inseln. Genauso wenig wie Widmer, Frei, Klose und Hadergjonaj, der gegen Weissrussland in der zweiten Halbzeit sein Länderspieldebüt feiert.

Ereignisarme Partie

Nach Shaqiris Tor geschieht auf dem Rasen nicht mehr allzu viel Aufregendes. Die Schweizer scheitern wie zuletzt schon gegen Lettland daran, ein zweites Tor zu erzielen. Die Offensive bleibt also die Achillesferse.

Zu hoffen ist, dass Shaqiri nach seinem tollen Tor beflügelt auf die Färöer reist. Die Schweiz kann ihn in toller Form selbstredend gebrauchen. Vor allem, wenn Mehmedi und Seferovic nicht aus ihren Formtiefs finden.

In der zentralen Abwehr deutet vieles auf ein Duo Djourou/Elvedi hin. Captain Lichtsteiner wird ebenfalls dabei sein. Ärgerlich ist, dass es für den verletzten Rodriguez keine Alternative gibt. Moubandje ist es jedenfalls nicht. Einmal mehr misslingt ihm gegen Weissrussland jede Aktion.

Shaqiri kümmert das kaum. Wie sagte er doch schon am Tag vor dem Spiel: «Es hat mich schon immer ausgezeichnet, dass ich Spiele entscheiden kann.»

Telegramm

Schweiz - Weissrussland 1:0 (1:0)

Maladière, Neuenburg. - 10'200 Zuschauer. - SR Prihoda (CZE). - Tor: 9. Shaqiri 1:0.

Schweiz: Bürki; Widmer (46. Hadergjonaj), Elvedi (46. Klose), Djourou (65. Xhaka), Moubandje; Behrami, Freuler (46. Frei); Edimilson Fernandes (65. Seferovic), Shaqiri, Zuber (65. Gelson Fernandes); Mehmedi.

Weissrussland: Tschernik; Burko (46. Alisejka), Filipenka, Siwakow, Satschywka (61. Pawlowez), Jewdakimow (46. Mazwejtschik); Balanowitsch, Lechtschilin (46. Bykow), Dragun; Chardsejtschuk (46. Lapzew), Skawisch (46. Sawizki).

Bemerkungen: Schweiz ohne Derdiyok, Drmic, Rodriguez (alle verletzt), Embolo (rekonvaleszent), Schär (nicht im Aufgebot/gegen Färöer gesperrt), Lichtsteiner, Dzemaili, Lang und Steffen (alle noch beim Klub). Debüt von Hadergjonaj. Schweizer Ersatzspieler: Sommer, Hitz, Kobel, Garcia, Grgic, Sow. Verwarnungen: 72. Dragun (Reklamieren). 88. Xhaka und Lapzew (beide Unsportlichkeit).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Anes Filan: