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Mit knirschenden Zähnen: Stadt Bern erlaubt Fanmärsche am Cupfinal

«Das war der letzte Fanmarsch durch die Stadt Bern», sagte Sicherheitsdirektor Reto Nause letztes Jahr. Jetzt werden sie doch erlaubt. Die Bewilligung des Gemeinderats ist aber an strenge Auflagen gebunden.

Rinaldo Tibolla
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Medienkonferenz gestern im Stade de Suisse. Alle Blicke sind auf Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, gerichtet. Der CVP-Politiker hatte nach den Ausschreitungen in der Berner Innenstadt zwischen Fans der Cupfinalisten FC Basel und Grasshoppers Zürich im vergangenen Jahr gesagt: «Das war der letzte Fanmarsch durch die Stadt Bern.»

Zudem wurde in den vergangenen Tagen bekannt, dass die Stadtregierung erwäge, dem diesjährigen Cupfinal zwischen dem FC Basel (FCB) und FC Zürich (FCZ) die Bewilligung zu verweigern. Diese Möglichkeit böte sich erstmals durch das verschärfte Hooligan-Konkordat, welches vom Berner Stimmvolk am 9. Februar angenommen worden ist.

Cupfinal mit Auflagen

Mit einem alles andere als glücklichen Gesichtsausdruck sagt Nause nun: «Das war eine Einigung in der letzten Minute.» Nach Verhandlungen mit Peter Gilliéron, Präsident des Schweizer Fussballverbandes (SFV), und dessen Generalsekretär Alex Miescher habe der Gesamtgemeinderat die Einigung einstimmig angenommen. Der Cupfinal könne also in der Hauptstadt stattfinden. Auch Fanmärsche soll es geben. Die Bewilligung sei aber an Bedingungen geknüpft:

• Verantwortliche: Ansprechpersonen für die Einhaltung der Auflagen sind der SFV-Präsident und der SFV-Generalsekretär.

• Einbezug Klubs und Fanbetreuer: SFV, FCB-Präsident Bernhard Heusler und FCZ-Präsident Ancillo Canepa sollen mit ihren Sicherheitsverantwortlichen und Fanbetreuern dafür sorgen, dass die Fanmärsche «ohne negative Ereignisse» erfolgen. Zusätzlich definieren die Klubs Ansprechpersonen für die Behörden.

• Kommunikation: Die Klubpräsidenten stehen persönlich für kommunikative Aufgaben zur Verfügung.

• Anreisezeit, Sammelplatz und Marschroute: Das Spiel beginnt bereits um 14 Uhr. Die Fans treffen gestaffelt ein - FCZ-Fans um 10 Uhr, FCB-Fans um 11 Uhr. Um 12 Uhr soll die Innenstadt «nicht mehr belastet» sein. Es werden zwei verschiedene, aber «bewährte» Marschrouten über die Kornhausbrücke und den Aargauer Stalden vorgegeben.

• Gebührenbefreiung: Verläuft der Cupfinal ordnungsgemäss, wird die Stadt Bern für die Gebühren aufkommen. Der SFV hat sich bereit erklärt, je nach Ausgang des Anlasses einen finanziellen Beitrag von 200 000 Franken zur Deckung der Sicherheitskosten zu leisten. Die Beurteilung nimmt die Stadt zusammen mit dem SFV nach dem Cupfinal vor.

Die Kritik, nun das verschärfte Hooligan-Konkordat, das mit beinahe 80 Prozent der Stimmen angenommen wurde, nicht umzusetzen, teilt Nause nicht. «Dank des Konkordats ist es uns eben gelungen, handfeste Bedingungen mit dem Veranstalter abzumachen», sagt er. Es bringe die Stadt in eine andere Verhandlungsposition. Alle Verantwortlichen seien nun miteinbezogen. Die Tatsache, dass es nun doch zu Fanmärschen komme, hält Nause nicht für eine Niederlage. «Wir haben jetzt klare und weitreichende Auflagen gemacht», sagt er. Ein «moderierter Fanmarsch» sei schliesslich immer noch besser, als wenn irgendwo plötzlich und unkoordiniert Fangruppen in die Stadt kämen.

Kritik am Entscheid

Bei den Befürwortern des verschärften Konkordats erntet Nause Kritik wegen der Fanmarsch-Bewilligung. Werner Salzmann, Parteipräsident der SVP Kanton Bern, redet von einem «risikohaften Entscheid». Der Thuner Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler (SP) hingegen zeigt Verständnis: «Das Konkordat verbietet ja Fanmärsche nicht grundsätzlich.» Als «mutig» bezeichnet Daniel Wyss, CVP-Präsident der Stadt Bern, den Entscheid. Fans, Vereine und der SFV hätten es nun in ihren Händen: «Am Ostermontag wird sich weisen, ob es künftig noch Fanmärsche geben wird.» Eine Eskalation hätte sicherlich Signalwirkung. Eine Bewilligung für Fanmärsche würde es dann in der Stadt Bern wohl nicht mehr geben.

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