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Mehr Kraft für den Techniker: Wie Dario Cologna den vergangenen Winter vergessen machen will

Dario Cologna strahlt Zuversicht aus – lässt die Erwartungen aber nicht in den Himmel wachsen.

Dario Cologna strahlt Zuversicht aus – lässt die Erwartungen aber nicht in den Himmel wachsen.

Dario Cologna startet in einer Woche in seine 14. Weltcupsaison. Der 33-Jährige hat im Sommertraining an vielen Schräubchen gedreht, um zurück an die Spitze zu finden.

Wie fit? Wie schnell? Wie zuversichtlich? Am kommenden Freitag startet Dario Cologna im finnischen Ruka zum 14. Mal in eine Weltcup-Saison. Und zum 14. Mal wiederholen sich beim Medientermin in Davos die alljährlichen, vorwinterlichen Fragen. Der 33-Jährige ist auch als Auskunftgeber ein Routinier. Er antwortet mit Schalk, mit ruhiger Miene, mit fast gleichgültigem Ton – stets darauf bedacht, dass die Erwartungen nicht in den Himmel wachsen, dass die Zuversicht aber dennoch immer durchscheint. Cologna, ein Meister der Balance, auch im Gespräch. Und doch: Die Fragen zur Form stellen sich in diesem Jahr bei Cologna besonders dringlich. Wo zwischen Weltspitze und Rücktrittsgedanken befindet sich der Bündner?

Die offensivste Aussage des vierfachen Olympiasiegers:

Dies nach einer enttäuschenden Saison 2018/19, als es weder an der WM in Seefeld noch im Weltcup zum Vorstoss unter die ersten Drei reichte – was ein Jahr nach dem Sieg an der Tour de Ski und dem Olympiatriumph über 10 Kilometer eine Enttäuschung war. Colognas Fazit Ende Saison: Die Spritzigkeit hatte den ganzen Winter über gefehlt.

Schmerzen weg, der Husten vielleicht auch

Rücktrittsgedanken waren im Frühling aber keine da. Vielmehr nahm der Münstertaler das Sommertraining hoch motiviert in Angriff – obschon das Trainerteam dem 33-Jährigen dem Vernehmen nach eine längere Ruhepause verordnet hatte. «Ich konnte die Vorbereitung trotz frühem Start auf gutem Niveau durchziehen», sagt Cologna. Auch die Schmerzen in der Achillessehne, die in den Sommertrainings zuvor stets lästiger Begleiter gewesen waren, seien weg. «Einfach so!»

Gegen den Reizhusten, der ihn vor einem Jahr zur Aufgabe an der Tour de Ski zwang, kündigen sich ebenfalls Lösungen an. Möglicherweise steht aufstossende Magensäure am Ursprung des Hustens, wie Untersuchungen zeigten. Mit angepasster Ernährung und Säureblockern versucht das Ärzteteam, das Problem in den Griff zu bekommen. Doch so bahnbrechend, wie es zuletzt tönte, sieht Cologna die Sache nicht: «Die Probleme traten immer erst im Winter unter Höchstbelastung auf.» Ob er den Husten auch in Rennen auf Weltcup-Niveau im Griff habe, werde sich erst noch zeigen.

Hoffnung auf einen erfolgreicheren Winter hat Cologna aus einem anderen Grund. Da diese Saison kein Grossanlass ansteht, nahm sich Cologna die Freiheit, im Training Neues auszuprobieren. So schloss er sich für intensivere Krafteinheiten zweimal wöchentlich der Trainingsgruppe um Trainer Micha Eder und dem ehemaligen Skirennfahrer Marco Büchel in Balzers an.

«Man kommt gerne in ähnliche Muster»

Auch wenn die Kraft nebst der Technik schon immer zu Colognas Stärken gehörten, sagt er:

Diese Impulse, zusammen mit einem Fokus auf Intervalltrainings, geben ihm die Hoffnung, die Endschnelligkeit verbessert zu haben. «Vergangene Saison fehlte am Schluss immer ein bisschen etwas», sagt Cologna.

Disziplinenchef Hippolyt Kempf spricht von Leistungstests, die «auf sehr hohem Niveau stabil» gewesen seien in diesem Sommer. Dass Cologna das Krafttraining ausserhalb von Swiss-Ski absolviert, sieht Kempf nicht als Nachteil. Zwar sei die «Feinabstimmung in der Trainingssteuerung» so etwas herausfordernder. Die Zusammenarbeit mit den Trainern funktioniere aber einwandfrei.

Cologna sieht das externe Training nicht etwa als Kritik am Schweizer Trainerumfeld. Vielmehr war er im Sommer glücklich darüber, dass Cheftrainer Ivan Hudac, zu dem er über die vergangenen Jahre immer mehr Vertrauen fasste, im Gegensatz zu 2018 wieder regelmässiger beim Schweizer Langlaufteam war. «Konstanz ist immer von Vorteil.»

Peking 2022 im Fokus – auch für Cologna?

Im Distanzteam war Cologna mit den Routiniers Toni Livers und Jonas Baumann sowie mit dem jungen Toggenburger Beda Klee unterwegs. Ist es ein Nachteil, keine Sparringpartner zu haben, die stärker sind als er selbst? Mit einem Augenzwinkern sagt Cologna:

Eine Kooperation mit Norwegen war auch schon angedacht – ist in der Realität aber schwer umzusetzen. Aber auch von den Teamkollegen ist er gefordert worden. Das Niveau, gerade auch jenes von Baumann, sei gestiegen, sagt Cologna. Und im Notfall gibt es das Rollband. «Das ist immer stärker!»

Ausgerichtet ist das Training im Schweizer Team schon jetzt auf die Olympischen Spiele in Peking 2022. Die Schweizer absolvierten ein Trainingslager in hohen Lagen in der Sierra Nevada in Spanien – um Peking bereits jetzt zu simulieren, wo die Athleten auf 2000 Metern Höhe wohnen werden. Im Winter sind weitere Höhentrainings vorgesehen. Peking 2022 – also auch für Cologna das erklärte Ziel? «Nein», sagt er. Er ist vorsichtiger geworden als noch im Sommer, als er in der «NZZ» von Peking als Hauptziel gesprochen hatte. Der 33-Jährige fühlt sich weiterhin bereit, mitzuhalten, nimmt aber «Winter für Winter», wie er sagt.

Zurück zur Gegenwart. Da greift Cologna, anders als 2018, bereits zum Saisonstart in Ruka ins Geschehen ein. Auch danach möchte er möglichst viele Rennen bestreiten. Ein Höhepunkt ist das Weltcup-Wochenende in seiner Wahlheimat Davos Mitte Dezember. Vor allem rechnet Cologna aber damit, an der Tour de Ski und an der Tour in Skandinavien im Februar eine wichtige Rolle spielen zu können.

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