Fokus auf Spitzensport
Jetzt will auch der Staat den Dopern an den Kragen

Der Bundesrat lässt die Aufnahme von Eigendoping ins Strafgesetz vertieft prüfen und spricht mehr Geld für Antidoping Schweiz.

Rainer Sommerhalder
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Die Staatsgewalt kann bei Doping mit spektakulären Razzien eingreifen – etwa 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin gegen österreichische Biathleten und Langläufer.

Die Staatsgewalt kann bei Doping mit spektakulären Razzien eingreifen – etwa 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin gegen österreichische Biathleten und Langläufer.

Keystone

Der Bundesrat bekennt sich zu einem glaubwürdigen Kampf gegen Doping im Sport und stärkt ihm mit zwei Massnahmen den Rücken. Zum einen wird die Finanzierung der nationalen Antidopingagentur verbessert. Bis ins Jahr 2024 wird der Bundesanteil von heute 2,73 Millionen Franken jährlich sukzessive auf 3,45 Millionen erhöht, wobei Sportministerin Viola Amherd jeweils das letzte Wort zu den jeweiligen Beiträgen hat. Die letzte Erhöhung der Beiträge datiert von 2011.

Der Bund trägt 60 Prozent der Kosten von Antidoping Schweiz. Swiss Olympic steuert 40 Prozent bei. Weil auch der Anteil des Sport-Dachverbandes parallel erhöht wird, erhält der Kampf gegen Doping bis in drei Jahren die geforderten 1,2 Millionen Franken mehr. Diesen Bedarf hatte Antidoping Schweiz vor zwei Jahren nach einer intensiven Evaluation geltend gemacht, denn die Anforderungen seitens der Welt-Antidoping-Agentur Wada werden immer grösser und die Analysen von Dopingtests dank technischem Fortschritt gleichzeitig stets komplexer wie teurer.

Ab dem 1. Januar 2022 erhält Antidoping Schweiz einen neuen Namen und zusätzliche Aufgaben. Die Stiftung heisst dann «Swiss Sport Integrity» und kümmert sich zusätzlich zum Doping auch um Ethikverstösse im Schweizer Sport. Dafür erhält sie von Bund und Swiss Olympic zusätzlich 1,1 Millionen Franken pro Jahr.

Einen klaren Weg zeichnet der Bundesrat auch mit dem Auftrag, die Aufnahme des Selbstdopings ins Strafrecht vertieft zu prüfen. Das VBS erhält nun zwei Jahre Zeit, um dies zu tun. Ausgelöst hatte die aktuelle Entwicklung FDP-Nationalrat Marcel Dobler mit seinem Postulat, einen Bericht über Vor- und Nachteile der strafrechtlichen Verfolgung von Eigendoping zu verfassen.

Alle Nachbarstaaten verfolgen Selbstdoping

Dobler erhoffte sich dadurch griffigere Instrumente, um die verbrecherischen Tätigkeit von Hintermännern und Profiteuren aufzudecken. Der ehemalige Bobfahrer argumentierte mit den Erfahrungen des spektakulären Dopingfalls «Operation Aderlass» im Frühjahr 2019 mit dem Höhepunkt einer Razzia während der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld.

Dieser habe gezeigt, dass der Sport mit den vorhandenen Mitteln nicht fähig sei, sich selbst zu regulieren. Der Staat habe deshalb die Schattenseiten des Sports mit seinem Gewaltmonopol zu bekämpfen. Sämtliche Nachbarländer kennen diesen Strafbestand, während in der Schweiz nur der Handel und die Verabreichung von Doping verboten ist.

Die nun anstehende vertiefte Prüfung wirft grundsätzliche technische Fragen auf, denn eine Strafnorm zu formulieren ist eine komplexe Angelegenheit. Einerseits muss der potenzielle Kreis der Täter definiert werden. Je nachdem ob das Recht lediglich die Lauterkeit des sportlichen Wettbewerbs oder die Integrität des Sports als Ganzes schützen soll, erweitert sich dessen Wirkungskreis massiv. Ebenso stellt sich die Frage, welche Sachverhalte und welche Substanzen unter das neue Gesetz fallen. Soll die unerlaubte Einnahme eines Pretuval C tatsächlich bereits eine Strafuntersuchung auslösen können?

Ernst König, Direktor von Antidoping Schweiz, sagt, dass eine solche Strafnorm zwar Chancen biete, weil der Staat bei Einvernahmen, Überwachungen bis hin zu Hausdurchsuchungen über deutlich schärfere Instrumente verfüge. «Aber es birgt auch Gefahren», sagt König, zu denen sich Antidoping Schweiz im Rahmen der Vernehmlassung einbringen wolle.

Die Erfahrungen aus den Nachbarländern zeigen, bei welchen Details die Stolpersteine liegen können: Der Ablauf von parallelen Verfahren von Straf- und Sportbehörde sowie der Informationsaustausch müssen klar definiert und effizient sein. Und Ressourcen dürfen nicht verzettelt werden, in dem man etwa Hunderten von Bodybuildern aus dem Freizeitsport nachrennt, die ihren Körper mit Dopingmitteln in Schuss halten.