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Märchenhafter Playoff-Erfolg: Schreiben die Titans ihre Cinderella-Story zu Ende?

Die Titans im Super Bowl? Vor zwei Wochen rechnete noch keiner damit.

Die Titans im Super Bowl? Vor zwei Wochen rechnete noch keiner damit.

Keiner hatte die Tennessee Titans vor diesen Playoffs auf der Rechnung. Nun stehen sie dank Siegen gegen die New England Patriots sowie die Baltimore Ravens im «Championship Final» und wollen gegen die Kansas City Chiefs nach den Sternen greifen.

«Würdest du dir für einen Super-Bowl-Titel den Penis abschneiden?», diese skurrile Frage musste Mike Vrabel vor der aktuellen Saison im Podcast «Bussin' with the Boys» (Im Bus mit den Jungs) beantworten. 

Vrabel bei «Bussin With The Boys

«Ich bin seit 20 Jahren verheiratet. Ja, wahrscheinlich würde ich es tun», antwortete der Coach der Tennessee Titans eiskalt. «Ihr Jungs werdet auch mal 20 Jahre verheiratet sein. Du brauchst ihn nicht», erklärte Vrabel gegenüber seinem Offensive-Tackle-Spieler Taylor Lewan, der zusammen mit Raiders-Linebacker Will Compton das Format betreibt.

Lewan zu Vrabel nach dem Sieg gegen die Ravens: «Das Stück wird abgeschnitten».

Nun, 6 Monate nach der Aussage, wird es eng für Vrabel. Mit seinen Tennessee Titans steht er nämlich im «Championship Game» der AFC. Sein Team ist zwar gegen die Kansas City Chiefs Aussenseiter, doch wer die New England Patriots (Titelhalter) und die Baltimore Ravens (Topfavorit) aus dem Turnier wirft, der muss sich gegen die Truppe von Star-Quarterback Patrick Mahomes definitiv nicht verstecken. 

Henry ist nicht zu stoppen

Im Gegenteil. Denn die Titans sind schon längst zum gefährlichen Underdog herangereift. Grossen Anteil daran hat Derrick Henry. Der 1,92 Meter grosse und 112 Kilogramm schwere Runningback ist derzeit der wohl heisseste NFL-Spieler auf dieser Position. Mit seiner beeindruckenden Grösse (Runningbacks sind tendenziell eher kleinere Spieler) und seiner Masse bewegt sich Henry extrem leichtfüssig. Für die gegnerische Defense ist ein solcher Spieler fast nicht zu stoppen. 

Läuft Derrick Henry auch die Chiefs in den Boden?

Dass Henry praktisch nicht aufzuhalten ist, untermauern seine Statistiken deutlich. In den letzten drei Partien erlief der Runningback jeweils über 180 Yards. Dies gelang zuvor noch keinem Spieler in der NFL-Geschichte. 

Henry ist allerdings nicht der einzige Erfolgsfaktor bei den Titans. Seit Ryan Tannehill in Woche 7 das Quarterback-Steuer in Tennessee übernommen hat, läuft die Offense richtig heiss. Durchschnittlich produzierten sie fast 30 Punkte pro Spiel und gewannen dadurch 9 der letzten 12 Partien. 

Tannehill gelingen die «Big Plays»

Dabei ist Tannehill kein Quarterback wie Lamar Jackson, der seine Gegner in Grund und Boden läuft. Er ist auch kein Spielmacher wie Patrick Mahomes oder Aaron Rodgers, die mit spektakulären Würfen ein Spiel entscheiden können. Viel eher hat der Titans-QB Nerven aus Stahl. Der 31-Jährige zeigt sich routiniert und abgeklärt, er wirft nicht für viele Yards und läuft auch nicht viel, aber ihm gelingen die «Big Plays». 

Tannehill fühlt sich in der Red Zone (20 Yards vor der End Zone) besonders wohl. Bislang endete jeder Besuch der Titans in dieser Zone während den Playoffs mit einem Touchdown. In der regulären Spielzeit hatte der Quarterback eine Passquote von über 70% in und ausserhalb der Red Zone. Dies gelang zuvor nur zwei Quarterbacks: Steve Young und Drew Brees. 

Nebenbei glänzt bei den Titans auch die starke Offensive Line, die Tannehill mehr Zeit verschafft, ebenso macht die Defense einen soliden Job und Rookie-Receiver A.J. Brown erwies sich im Nachhinein als absoluter Glücksgriff. 

Funktioniert dieses Kollektiv auch gegen die Chiefs, dann ist dem Underdog durchaus auch der Einzug in den Super Bowl zuzutrauen. Zwar treffen die Titans in Kansas City auf die gefährlichste Offense der NFL, doch wie anfällig die Defense ist, hat das letzte Spiel gegen die Houston Texans deutlich gezeigt. 

Sollten die Titans tatsächlich ihre Cinderella-Story zu Ende schrieben und den Super Bowl gewinnen, dann wäre es das erste Mal seit 2012, dass eine Mannschaft mit einer eher schwachen Bilanz aus der regulären Saison den Titel holt. Damals gewannen die Giants, die mit 9 Siegen und 7 Niederlagen aus der Regular Season ebenfalls nicht den Eindruck eines Titel-Anwärters erweckten. 

Die Titans sind auf jeden Fall bereit für die Fortsetzung des Märchens. Sinnbildlich dafür hat sich der Schlüsselspieler Derrick Henry bereits die Krone aufgesetzt. Und wer weiss, vielleicht hat er diese auch in zwei Wochen mit im Gepäck, wenn die Reise nach Miami an den Super Bowl 52 geht. 

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