Olympiaserie

Fabian Cancellara: «Ich habe in London mehr zu verlieren als zu gewinnen»

100 Prozent für London: Dennoch bleiben die Olympischen Spiele für Fabian Cancellara ein Balanceakt.

100 Prozent für London: Dennoch bleiben die Olympischen Spiele für Fabian Cancellara ein Balanceakt.

Fabian Cancellara gewann vor vier Jahren zwei Olympiamedaillen. Die Prioritäten sind klar: «Mir ist wichtiger, mit einer Medaille heimzukommen, als das olympische Dorf gesehen zu haben», sagt Radprofi Fabian Cancellara vor seinen dritten Spielen.

Der 1. April 2012 hat Fabian Cancellaras Olympiavorbereitung zünftig durch ein andergebracht. Nach seinem Sturz an der Flandern-Rundfahrt und dem vierfachen Schlüsselbeinbruch war der 31-jährige Berner buchstäblich am Boden. «Mental war das sehr hart», sagt Cancellara, der sich zuvor in Form gefühlt hatte wie selten zuvor. «Ich war ein Töff gewesen und bin nun plötzlich eine Schnecke.»

Inzwischen läuft es ihm wieder besser, wie die Zeitfahren an der Tour de Suisse und den Schweizer Meisterschaften gezeigt haben. Die Tour de France nhat er zum weiteren Formaufbau genutzt - mit wohldosiertem Effort.

«Mehr als in anderen Jahren werde ich nicht nur ans Team, sondern auch an mich denken», sagt Cancellara, der in den kommenden Wochen zum zweiten Mal Vater wird. Wie 2008 in Peking, als er eine Gold- und eine Silbermedaille gewann, sind in London zwei Einsätze geplant: am 28. Juli im Strassenrennen und am 1. August im Zeitfahren.

Die Olympischen Spiele bedeuten für mich ...

... das Höchste, an dem man als Sportler teilnehmen kann - höher als eine WM oder eine Tour de France. Ich habe die Olympischen Spiele schon als Kind immer im Fernsehen geschaut. Und ich weiss von vielen Leuten, die sie mitverfolgen, obwohl sie sonst nicht besonders sportinteressiert sind. Für gut zwei Wochen sind die Spiele der Mittelpunkt der Welt. Die Grösse der Veranstaltung mit allem Drumherum, dem olympischen Dorf, der Essenshalle, den Events selber, hat mich bei meinen beiden bisherigen Teilnahmen beeindruckt. Bei meiner Premiere in Athen 2004 habe ich aber auch erlebt, dass dich all diese Impressionen auch vom Wettkampf ablenken können.

Ich träume davon, dass ich in London ...

... eine Goldmedaille gewinne. Dass am entscheidenden Tag alles stimmt und aufgeht. Dann wird es auch ein Erfolgserlebnis geben. Ich bin mir bewusst, dass ich in London nach den beiden Medaillen von Peking mehr zu verlieren als zu gewinnen habe. Aber ich weiss, dass ich seit meinem Sturz alles richtig gemacht habe und auf einem guten Weg bin. Und ich werde versuchen, bis zum Tag X das Maximum herauszuholen. Wenn ich weiss, dass ich in der Vorbereitung 100 Prozent gegeben habe, kann ich akzeptieren, wenn am Ende einer schneller ist.

Wenn ich an London denke, kommen mir folgende Dinge in den Sinn:

Mein Sieg im Prolog zur Tour de France 2007 in London, nach dem ich eine Woche lang das Maillot jaune tragen konnte. Das war ein Highlight - ein Tag, an dem die Maschine einfach lief. Und natürlich denke ich bei London an die bevorstehenden Olympischen Spiele. Diese sind auch ein enormer Motivationsfaktor, obwohl sie im Radsport vielleicht nicht gleich viel Prestige geniessen wie in anderen Sportarten.

Aber ich erlebe das ganz anders als andere Fahrer. Ich stelle jedoch fest, dass die Spiele in den letzten Jahren auch im Radsport an Wertschätzung gewonnen haben. Für mich haben in London beide Rennen oberste Priorität. Im Strassenrennen ist es sicher schwieriger als im Zeitfahren, etwas herauszuholen, weil mehr Faktoren mitspielen, die sich nicht beeinflussen lassen. Die Strecken habe ich schon besichtigt, sie sollten mir liegen. Für meinen Geschmack dürfte der Zeitfahrparcours ein paar technische Passagen mehr aufweisen, aber das ist kein Problem.

Das will ich aus London nach Hause bringen:

Eine Medaille. Und zwar eine goldene. Es wäre nicht ehrlich, wenn ich etwas anderes behaupten würde.

Wenn ich in London Zeit habe, einen anderen Wettkampf zu besuchen, dann werde ich ...

... ich werde keine Zeit haben, da ich nach meinen Rennen gleich abreise. Ich werde dann die ganze Vorbereitung und die Tour de France in den Beinen haben - da will man einfach wieder mal heim. Weil wir ausserhalb der Stadt wohnen, werde ich von der Atmosphäre wenig mitkriegen. Aber mir ist wichtiger, mit einer Medaille heimzukommen, als das olympische Dorf gesehen zu haben. Wenn ich dazu käme, ginge ich wohl zur Leichtathletik. Als Zuschauer habe ich bisher nur einen Event miterlebt: ein Spiel von Roger Federer 2004 in Athen.

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