Es wäre ein Meilenstein für den Schweizer Frauenfussball. Dank satten zehn Punkten Vorsprung auf die ersten Verfolger Island und Israel, stehen die Eidgenossinnen kurz vor der ersten WM-Qualifikation in der Geschichte. Fünf Punkte aus drei Spielen fehlt der Truppe von Martina Voss-Tecklenburg noch, um sich aus eigener Kraft für Kanada 2015 einzuschreiben.

In Anbetracht des Spielplanes und dem überwältigenden Torverhältnis von 32:1 Toren müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn Platz eins verfehlt werden sollte. Bei einem Sieg heute gegen Israel (Wohlen, 16.00) und einem Unentschieden morgen zwischen Dänemark und Island wären die Schweizerinnen sogar dieses Wochenende bereits qualifiziert.

Teamspirit als Trumpf

Fest zum Team gehören mit Innenverteidigerin Rahel Kiwic (23) und Stürmerin Eseosa Aigbogun (21) zwei Spielerinnen, die das Fussball-ABC beim FC Dietikon erlernt haben. Den Grund für die überragende Qualifikationsrunde, sieht Kiwic in der Homogenität des Teams: «Wir verstehen uns alle hervorragend, das ist sicher ein entscheidender Faktor.» Und schiebt sogleich hinterher: «Dazu haben die einzelnen Spielerinnen sehr viel Qualität.»

Angst vor einschleichender Lockerheit, angesichts der nächsten, durchaus machbaren Gegner Israel und Serbien (Hinspiele 5:0, respektive 9:0, d.Red.), hat keiner. «Alle wissen, dass wir uns nochmals voll konzentrieren müssen. Deshalb weiss die Trainerin auch, dass wir nicht begonnen haben zu fliegen», so Aigbogun. Die Schweizerinnen sind sich, trotz des vernichtenden Auswärtssieges im Hinspiel, der Gefahren von Israel durchaus bewusst.

Obwohl die Aufstellung erst am Spieltag bekannt gegeben wird, dürfte Kiwic von Beginn an auflaufen – wie in allen sieben bisherigen Begegnungen. Aigbogun, erst seit September dabei, wartet in der laufenden Kampagne noch auf ihr Startelf-Debüt.

Neben der überragenden WM-Qualifikation mit der Nati haben beide auch eine erfolgreiche Saison in ihren Klubs hinter sich. Während die 1.85 m grosse Kiwic mit dem FCZ einmal mehr die Konkurrenz dominierte und zum dritten Mal in Folge den Schweizer Meistertitel feierte, war Aigbogun beim ersten Cupsieg in der Geschichte der Frauensektion des FC Basel im Finale gegen Kriens ein stetiger Unruheherd.

Mit dem ersten Titel hat Aigbogun Blut geleckt und will nächste Spielzeit mit dem FCB nun auch die erste Schweizer Meisterschaft folgen lassen. «Das Potenzial haben wir auf jeden Fall», sagt die pfeilschnelle Stürmerin.

Bundesliga als Ziel

Kiwic ihrerseits hat unlängst ein Probetraining beim Bundesligisten Jena absolviert. «Leider hat es dort nicht geklappt, das Ziel bleibt aber auf jeden Fall die Bundesliga», gibt sich die 23-Jährige kämpferisch. Falls es in diesem Jahr noch nicht mit einem Deutschland-Abenteuer klappt, könnte Kiwic mit dem FCZ weiter Champions-League-Erfahrung sammeln.

Zuerst liegt aber der Fokus der Limmattalerinnen in der Nationalmannschaft. Kein Wunder, die Weltmeisterschaft in Kanada wäre für beide eine ideale Bühne, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.