Fussball
Zwei Eigentore – Birmensdorf schenkt Schlieren einen Punkt im Derby

Es ging um nichts mehr? Wer mit dieser Einstellung auf die Birmensdorfer Breite kam, sah sich getäuscht. Denn zwischen dem FCB und Schlieren wird die Vorherrschaft der Drittligisten in der Region entschieden.

Raphael Biermayr
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Impressionen vom Match FC Birmensdorf - FC Schlieren
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Schlierens Giuseppe Sorrentino (Mitte) gegen Marc Füglistaller (l.) und Luca Hofmann
Freude bei Birmensdorf nach dem vermeintlichen Siegtreffer zum 2:1
Schlierens Adrian Kraft (links) und Birmensorfs Marko Filipovic spielen herausragend

Impressionen vom Match FC Birmensdorf - FC Schlieren

Raphael Biermayr

Tatsächlich entwickelte sich ein packendes Derby mit hoher Intensität. Es kippte aber nicht in die Gehässigkeit des ersten Aufeinandertreffens, als es nach Spielschluss ausartete. Spielerisch führte der stärker besetzte FCB die feinere Klinge. Letztlich musste er sich vorhalten lassen, diesen Vorteil nicht zu mehr als zwei Toren genutzt zu haben.

Das wurde bitter bestraft: In der 92. Minute lenkte Astrit Shaqiri eine Hereingabe von Souhel Muhi-Eddine ins eigene Netz. Es war das zweite Eigentor. Marco Nötzli hatte zwei Minuten nach seiner Einwechslung eine Flanke Giuseppe Sorrentinos mit dem Kopf am eigenen Torhüter vorbeigelenkt (60.). Das 1:1 war zu diesem Zeitpunkt ein leistungsgerechtes Ergebnis. Die Schlieremer spielten zu diesem Zeitpunkt bereits fast 30 Minuten lang mit einem Mann mehr.

Remy Madörin wurde nach einer Grätsche gegen Adrian Kraft im Strafraum vom Platz gestellt. Eine umstrittene Entscheidung: Er traf den Ball. Das Einsteigen war hart, aber seitlich ausgeführt. Den fälligen Elfmeter parierte Markus Würsten gegen Sorrentino – Spektakel pur.

Für die vermeintliche Vorentscheidung in Form des Tors zum 2:1 war Marko Filipovic verantwortlich. Er und Kraft lieferten sich ein Duell um die Auszeichnung zum besten Akteur. Der Bosnier hatte dank seines Bilderbuchtors – ein Schuss aus 25 Metern unter die Latte - die Nase vorn.

Die Glückwünsche dafür prallten nach dem Schlusspfiff an ihm ab. «Was nützt das, wenn wir nicht gewinnen?», fragte Filipovic rhetorisch. Sein Trainer Fabio Stiz machte zwei Gründe für die Enttäuschung aus: «Wir haben das dritte Tor verpasst; der Schiedsrichter hat die Partie verpfiffen.» Und Torwart Markus Würsten sagte bitter lächelnd zu einem Schlieremer: «Wenn ihr die Tore nicht macht, müssen eben wir das tun.»

Der FCB vergab damit die Gelegenheit, nach Verlustpunkten am Lokalrivalen vorbeizuziehen. Gemäss Sportchef Markus Füglistaller wird das Team in der kommenden Saison ähnlich aussehen. Als einziger Abgang steht bis jetzt Christian Geiger fest, der zu Oetwil-Geroldswil geht.
Selbstkritisches Schlieren
Auf der Gegenseite hielten sich die Schlieremer mit Häme zurück. Sie wussten um das Glück. Tafe Zejnaj, der wegen der Sperren und Verletzungen nach vielen Jahren wieder einmal im Fanionteam spielte, sprach gar von «einem richtigen schlechten Spiel» seines Teams.

Nach den Nachrichten der letzten Tage blickte man gespannt auf die Schlieremer Bank. Wer würde der Chef sein, nachdem Trainer Beat Studer den Verein Ende Saison verlassen muss und Co-Trainer Antonio Caputo aufsteigen wird? Weil Studer in der Innenverteidigung spielte, gab es keine Diskussionen. Caputo war für das Coaching zuständig. Er mochte den Punkt nicht auf das Glück abstellen: «Wir haben dieses Unentschieden mit einer grossen Charakterleistung verdient. Darauf lässt sich aufbauen», sagte er.

Ein geschicktes Vorgehen, will er doch damit wohl die «Studer-Jünger» zum Bleiben motivieren. Sorrentino ist einer davon. Er sagte zu seiner Zukunft: «Wenn die andern bleiben, bleibe ich auch.»
Studers bitterer Tag
Und Studer? Dem 44-Jährigen machte das Mittun sichtlich Spass. Doch er war die tragische Figur der ersten Halbzeit: Erst stürmte Studer zu früh aus der Freistossmauer, wofür er verwarnt wurde. Bei der Freistosswiederholung traf ihn der Schuss Aleksandar Petrovics am Rücken - der Ball segelte am verdutzten Michi Angstmann vorbei ins Tor (9.).

Nach der Pause erschien der Innenverteidiger nicht mehr auf dem Platz: Nach Auskunft Caputos zwickte es im Oberschenkel. Zu schlechter Letzt war am frühen Nachmittag auch rechnerisch klar: Schlieren kann nicht mehr aufsteigen.