Wer die Landis-Brüder zu Hause in Bonstetten besuchen will, steht zunächst vor einem Rätsel. Der Eingang des Bauernhauses der Familie ist etwas versteckt. Zwischen Holz und Blumen findet sich ein Indiz, auf dem richtigen Weg zu sein: Eishockeyschläger, die das Licht der Laterne reflektieren. Hinter der Tür betritt man die Küche, rechts liegt die Stube, in der sich im Verlauf des Gesprächs auch Mutter Martha, Schwester Aline und Vater Rolf einfinden. Nur Katze Angasch fehlt.

Tobias und Nicolas Landis stehen Seite an Seite im ersten Urdorfer Sturm, zusammen mit Tobias’ langjährigem Freund Samuel Kuoni. Die drei bilden die beständigste Sturmreihe des Aufsteigers. Die Brüder sind wie Blitz und Donner: Der schnelle Nicolas tritt als Vorbereiter zuerst in Erscheinung, ehe der wuchtige Tobias als Vollstrecker folgt. Mit vier Toren und zwei Assists in sieben Partien ist er der effektivste Skorer der Limmattaler.

Gegensätzliche Typen

Wie beschreiben die Brüder den andern als Spieler. «Er ist ruppig mit starkem Zug zum Tor, der sich manchmal zu leicht provozieren lässt», sagt der 20-jährige Nicolas über seinen zwei Jahre älteren Bruder, der am rechten Flügel spielt. Dieser kontert: «Er schiesst viele Tore für einen Center, spielt gute Pässe – zwischendurch jedenfalls. Und er trifft in heiklen Situationen oft die bessere Entscheidung als ich.» Mit dieser Charakteristik beschreiben sie auch den ersten Eindruck, den man von den beiden abseits des Eises erhält. Der grösser gewachsene, lautere Tobias wirkt eher wie ein Draufgänger, der introvertiertere Nicolas wie ein Bedachter. «Auf dem Eis kann ich schon mal austicken», stellt Nicolas klar, «da braucht es aber sehr viel», wirft Tobias ein.

Wegen des Altersunterschieds spielten die beiden während ihrer Juniorenzeit in Urdorf und in der Organisation der ZSC Lions nie im selben Team. Einmal spielten sie sogar gegeneinander, «wir hatten mit Dübendorf gegen den ZSC keine Chance», erinnert sich Tobias, der auf der Einwohnerkontrolle im Kreis 4 der Stadt Zürich tätig ist. Ein Foto am Kühlschrank hätte viele Jahre an dieses Match erinnert. Dass sie sich heute so gut verstehen auf dem Eis, hat nach Ansicht beider weniger mit ihrem familiären Hintergrund als mit dem Erlernen des gleichen Systems im Nachwuchs zu tun. «Wir lösen in Urdorf gleich aus wie im ZSC, das haben wir drin», erklärt der Bankangestellte Nicolas, der in der vergangenen Saison bereits zum Kader der «Stiere» gehörte, während Tobias aus Lizenzierungsgründen nur drei Matches bestreiten konnte.

Heute gegen Luzern

Nach dem überraschenden Auftakt wurden die Limmattaler auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, vor dem heutigen Match in Luzern (20 Uhr, Swiss Life Arena) beträgt die Reserve auf einen Abstiegsplatz noch vier Zähler. Die Landis-Brüder sind überzeugt, dass der Klassenverbleib gelingt. «Das Potenzial ist da», sagt Tobias, sein Bruder ergänzt: «Wenn jeder Einzelne ans Limit geht, jedem von vorn bis hinten klar ist, worum es geht, schaffen wir das.» Damit hätten die beiden auch ihrem Vater etwas voraus: Rolf Landis spielte Ende der 1970er-Jahre während einer Saison im Fanionteam des EHCU, damals noch in der 1.Liga. Die «Stiere» stiegen in die 2.Liga ab. Der heutige Veteranenspieler sagt mit Blick auf seine Söhne: «Ich bin ein Fan von ihnen und der Mannschaft – aber ein kritischer.»