Tennis
Zur Strafe ging Tennistalent Chiara Frapolli arbeiten

Die 17-Jährige aus Bergdietikon gewinnt den Schweizer Meistertitel der ältesten Juniorinnen. Damit hat sie sich selbst bewiesen, dass sie es noch kann. Vor Jahrefrist legte sie eine Pause ein und setzte sich an die Coop-Kasse.

Fabio Baranzini
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Chiara Frapolli hat wieder Freude am Sport.

Chiara Frapolli hat wieder Freude am Sport.

Fabio Baranzini

Die Schweizer Meisterschaften waren das grosse Ziel von Chiara Frapolli (N3, 34). Sie waren die letzte Chance für die 17-Jährige aus Bergdietikon, sich den Titel in der Königskategorie U18 zu sichern, nachdem sie bei der Winterausgabe im Halbfinal knapp gescheitert war.

Ein halbes Jahr lang hat sie sich intensiv vorbereitet, so hart trainiert wie nie zuvor. Sich und allen anderen wollte Chiara Frapolli beweisen, was sie drauf hat. Umso grösser war die Freude, als sie im Finalspiel den Matchball gegen Margaux Deagostini verwerten konnte. «Es ist mit Abstand der grösste Erfolg in meiner Karriere. Ich war noch nie so emotional nach einem Sieg», blickt Frapolli zurück.

Heilsame Niederlage

Weshalb dieser Schweizer Meistertitel – der zweite in ihrer Karriere nach dem U14-Erfolg 2010 – so emotional war für die junge Sportlerin, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Im Sommer 2013, ebenfalls an den nationalen Nachwuchsmeisterschaften, kassierte sie eine kapitale und richtungsweisende Niederlage.

In der ersten Runde scheiterte sie völlig überraschend an der R1-Spielern Kelly Pedrazzoli. «Das war der Tiefpunkt. Ich habe unglaublich schlecht gespielt und habe gemerkt, wie die anderen deswegen über mich gelacht haben», schildert Frapolli.

Ihre Reaktion auf diese Pleite war drastisch: Sie stellte ihre Rackets in den Keller und begann im Coop zu arbeiten. Acht Stunden täglich sass sie an der Kasse des Grossverteilers. Tennis wollte Frapolli nicht mehr spielen. Sie glaubte, es aufgrund ihrer schlechten Leistungen nicht verdient zu haben, auf dem Platz zu stehen.

Die Bergdietikerin machte sich Gedanken über ihre Zukunft. Sollte die Arbeit im Coop in Zukunft tatsächlich ihr Nebenjob neben dem englischsprachigen Gymnasium sein? Oder sollte sie doch nochmals einen Versuch auf dem Tennisplatz wagen?

Frapolli entschied sich nach zwei Monaten Auszeit für Letzteres. Mit neuer Energie und vor allem mit mehr Biss als zuvor, ging sie ins Training. Fest entschlossen, ihren – wie sie selbst eingesteht – berechtigten Ruf als talentierte, aber faule Spielerin loszuwerden.

Krönung an den SM

Doch es lief nicht wie gewünscht. Zuerst setzte sie ein Bänderriss am Fussgelenk zwei Monate ausser Gefecht. Als sie wieder beschwerdefrei spielen konnte, waren die Resultate nicht berauschend - trotz der harten Arbeit auf dem Platz.

Die Folge: Frapolli wurde von Swiss Tennis bei der Selektion für den Nationalkader nicht mehr berücksichtigt. Einen Monat später, ausgerechnet an den Schweizer Meisterschaften, hat Chiara Frapolli nun zu ihrem Spiel gefunden. «Ich habe noch nie so gut gespielt und wollte diesen Titel unbedingt. Natürlich auch ein wenig, um dem Verband zu zeigen, dass ich nach wie vor ins Nationalkader gehöre», sagt Frapolli mit einem verschmitzten Lächeln.

Der Triumph hat seine Wirkung nicht verfehlt. Swiss Tennis hat Chiara Frapolli kurzfristig für die am 21. Juli beginnende U18-Europameisterschaft in Klosters nachnominiert. Dort möchte sie zeigen, dass sie nicht nur in der Schweiz zu den besten gehört.

Verfolgt Frapolli ihren Weg weiterhin konsequent, dürfte sie auch für das Nationalkader bald wieder ein Thema werden. Zurzeit trainiert sie neben ihrem normalen Training in Zürich und Dübendorf zweimal wöchentlich im nationalen Leistungszentrum des Verbands in Biel. Dort kann sie die Trainer auf dem Platz von ihrer neu gefundenen Motivation und von ihrem Willen überzeugen.

Sollte sie es nächstes Jahr wieder in das Nationalkader schaffen, wäre sie die erste Spielerin, der die Rückkehr gelingen würde. Es wäre der endgültige Beweis, dass Chiara Frapolli ihr altes Image hinter sich gelassen hat und zur Kämpferin geworden ist.

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