Fussball
Zum Start die Euphoriebremse

Konzentrationsmängel kosteten die Limmattaler den erfolgreichen Auftakt. Spielerisch waren sie hoch überlegen, doch sie machten zu wenig daraus. Leader FC Dietikon unterliegt im ersten 2.-Liga-Rückrundenspiel dem Aufsteiger Affoltern am Albis 1:2.

Raphael Biermayr
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Limmattaler Zeitung

Nachdenken vor der Handlung ist in den meisten Fällen ein guter Rat – aber eben nicht immer. Dietikons Boris Dabic und Flakon Halimi können ein Lied davon singen. Gestern in Affoltern am Albis hätten die beiden ihrem Bauchgefühl folgen sollen. Stattdessen wägten sie im oder kurz vor dem Strafraum alle Optionen gegeneinander ab – die Chancen waren am Ende kläglich vertan. Dabic, in der Vorrunde der kongeniale Partner des momentan rekonvaleszenten Topskorers Adnan Mustafi, scheiterte gar zweimal an sich selbst. «Wir hätten das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden müssen», sagte der ebenfalls rekonvaleszente Dietiker Captain Arsim Shala nach dem Spiel treffend. Er wird nach seiner Knieverletzung voraussichtlich gegen Ende der Rückrunde wieder mittun können, Mustafi nimmt das Training in drei Wochen wieder auf.

Schöner Heber zum 1 : 0

Leader Dietikon war erwartungsgemäss spielerisch überlegen, doch der Motor stockte im Vergleich zu den berauschenden letzten Auftritten vor der Winterpause. Aufsteiger Affoltern am Albis konterte – und das erfolgreich. Kurz vor der Pause ging es nach einem abgefangenen Einwurf schnell: Torwart Deian Bekcic schlug in perfekter Länge ab in die Spitze auf Enzo Puntillo, der mit einem Heber zum 1:0 traf. Puntillo war in die Lücke gestossen, die FCD-Spielertrainer Goran Ivelj hinterlassen hatte, weil er den Einwurf ausgeführt hatte.

Offensichtlich hatte Ivelj, der gestern sein Pflichtspieldebüt gab, ein Augenmerk auf Einwürfe gelegt. Immer wieder wies er seine Mitspieler an, wo sie stehen sollten. Was lange währte, wurde in der 54. Minute endlich gut: Nach einem weiteren Einwurf von Ivelj stand Davide Lopez frei und traf zum Ausgleich. Der FCD war nun haushoch überlegen, doch weder aus den zahlreichen Freistössen oder Eckbällen noch aus dem Spiel heraus wurde es wirklich gefährlich. Ganz anders die Gastgeber: Den einzigen Eckstoss schlossen sie zum 2:1 ab. Bedenklich: Torschütze Alen Rako wurde beim Kopfball am Fünf-Meter-Raum von einem Mitspieler behindert – von den Dietiker Gegenspielern und Torwart Markus Würsten fehlte jede Spur. Die Schlussoffensive brachte nichts ein. Die zweite Niederlage war Tatsache.

«Das ist eine Riesenenttäuschung»

Nach dem Schlusspfiff lernte man Goran Ivelj von einer neuen Seite kennen. Als Trainer an der Seitenlinie ein Leisetreter und stets besonnen, ging er gestern nach dem Schlusspfiff im Zuge einiger Scharmützel verbal auf Tuchfühlung mit den Affoltermern. Und auf eine Auskunft zum Spiel hatte er keine Lust. Stattdessen fand sein Assistent Carmelo Giamboi klare Worte: «Das ist eine Riesenenttäuschung. Wir waren im Kopf nicht präsent und liessen jede Aggressivität vermissen. Zum Glück bleiben uns noch 12 Spiele.»