Playoff-Final

ZSC-Trachsler: «Jetzt wissen alle, wie es sicher nicht geht»

Die Enttäuschung steht den Zürchern ins Gesicht geschrieben.

Die Enttäuschung steht den Zürchern ins Gesicht geschrieben.

Nach der Niederlage im Penaltyschiessen gegen Davos liegt der ZSC wie bereits im Viertelfinal und Halbfinal nach drei Spielen 1:2 zurück. Trotzdem bleiben die Zürcher zuversichtlich. Die Hoffnung auf den Titel hat man noch lange nicht begraben.

Die ZSC Lions lieben die Herausforderungen. Wie im Viertelfinal und Halbfinal liegen sie nun auch im Playoff-Final nach drei Spielen 1:2 zurück. Für einmal schafften es die Zürcher sogar, sich in Rücklage zu manövrieren, ohne Leidenschaft und Konzentration vermissen zu lassen. Es war ein Spiel, das einseitiger nicht hätte sein können.

Wer im Anschluss an die Partie frustrierte Zürcher Spieler oder einen entnervten Trainer erwartete, sah sich allerdings ziemlich getäuscht. Der Tenor war ganz anders: eine Niederlage, na und?

20 bis 25 Chancen zählte Verteidiger Geering, «dafür sind wir schon ein bisschen gar schlecht belohnt worden». ZSC-Trainer Marc Crawford fasste den Abend so zusammen: «Manchmal gewinnst du, obwohl es eigentlich gar nicht möglich ist – und manchmal ist es eben umgekehrt.» Auf die Frage, ob der HCD einzig das Penaltyschiessen erreichen wollte, entgegnete er: «Wahrscheinlich wollten sie schon mehr zeigen, aber wir liessen schlicht nicht mehr zu.»

Schwach im Penaltyschiessen

Eine schlechte Idee ist es jedenfalls nie, den ZSC in ein Penaltyschiessen zu verwickeln. Es war bereits die siebte Niederlage im «Shootout» in dieser Saison – so viele erlitt kein anderes Team der Liga. Das ist, angesichts der Fülle von technisch hochbegabten Zürcher Spielern, ziemlich erstaunlich. Genauso unwohl scheint sich auch Torhüter Lukas Flüeler in der Kurzentscheidung zu fühlen.

Natürlich gab es den einen oder anderen Akteur, der bedauerte, dass es in der Schweiz im Playoff bei unentschiedenem Spielstand überhaupt ein Penaltyschiessen gibt und nicht wie in der NHL und allen anderen bedeutenden Ligen der Welt weitergespielt wird, bis ein Tor fällt. Crawford aber sagte: «Ich werde ja nicht dafür bezahlt, die Regeln zu machen – sondern um zu coachen.»

Gemäss Liga-Direktor Ueli Schwarz diskutierte die Liga nach der letzten Saison darüber, die Regeln zu ändern. Die Klubs lehnten die Änderung schliesslich deutlich ab. Vor allem aus logistischen (u.a. öffentlicher Verkehr) und finanziellen (u.a. Polizei) Gründen. «Diese Argumente haben das sportliche Herz besiegt.»

Hoffnung nicht aufgegeben

Morris Trachsler sah einen ZSC mit «sehr viel Charakter», selbst nach dem 0:2-Rückstand spielten die Lions einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Shannon und Geering glichen die Partie im letzten Drittel innert 168 Sekunden aus. Aber danach fanden sie keinen Weg mehr vorbei an Genoni. Cunti und Geering vergaben in der Verlängerung die besten Chancen. «Auf diese Weise werden die Davoser sicher nicht noch einmal gewinnen», sagte Trachsler.

Er räumte ein, dass sich einige Spieler nach dem 3:0-Erfolg im ersten Spiel vielleicht etwas zu sicher fühlten. Aber er bezog dies vor allem auf das zweite Spiel in Davos, nicht auf die gestrige Leistung. «Jetzt wissen alle, wie es am Donnerstag sicher nicht geht.» Und er ergänzte: «Wenn es so weitergeht, kommt es gut.»

Irgendwann bevor sich Trainer Crawford verabschiedete, fragte er in die Runde: «Hat sonst noch jemand eine Perle der Weisheit auf Lager?» Es tönte nicht wie jemand, der die Hoffnung auf den Meistertitel bereits aufgegeben hat.

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