Wie haben Sie das Trainingscamp der Edmonton Oilers erlebt?

Chris Baltisberger: Am ersten Tag wurden alle Spieler auf Herz und Nieren getestet. Zähne, Augen, alles Mögliche von Kopf bis Fuss. An den nächsten beiden Tagen ging es dann auf dem Eis zur Sache: Es wurden drei Mannschaften gebildet, die gegeneinander spielten. Dort lief es mir sehr gut. Mir gelang sogar ein Tor.

Was ist Ihnen sonst aufgefallen?

Dass man als Spieler überraschend viel Freizeit hat. Am ersten Tag fragte ich nach dem Morgentraining, wann am Nachmittag wieder trainiert wird. Da haben mich die anderen Spieler ausgelacht. Was ich nicht gewusst habe: Gemäss Gesamtarbeitsverlag ist festgelegt, dass pro Tag maximal drei Stunden organisiertes Programm durchgeführt werden darf. Dann bin ich halt shoppen gegangen (lacht).

Am Sonntag durften sie mit den Oilers gegen die Calgary Flames ein Testspiel bestreiten. Das war sicher der Höhepunkt für Sie.

Es war ein tolles Erlebnis. Allein das ganze Drumherum. Wir sind eine halbe Stunde geflogen von Edmonton nach Calgary. Natürlich erste Klasse. Es gab zehn Menüs zur Auswahl. Generell muss man als Spieler nichts machen ausser Eishockey spielen. Im Spiel selbst erhielt ich relativ viel Eiszeit (etwas mehr als zehn Minuten, Anm. der Red.). Ich war zwar nervös, aber es ist gut gegangen.

Hat sie der Ex-ZSC- und aktuelle Flames-Trainer Bob Hartley noch gekannt?

Ja, ich habe ihn nach dem Spiel getroffen und mit ihm über alte Zeiten geredet.

Wie haben Sie die kleine Eisfläche erlebt?

Es wird ein anderes Eishockey gespielt. Man hat viel weniger Platz. Man ist immer in Zweikämpfe verwickelt, es ist sehr physisch – man kann es fast Arbeiterhockey nennen.

Das tönt so, als sei es wie geschaffen für Sie.

Ich weiss jetzt, wie ein NHL-Spielerprofil aussieht. Wichtig ist, dass ich mich weiterentwickle. Ich muss noch viel an mir arbeiten.

Welches Feedback erhielten Sie von Oilers-Trainer Dallas Eakins?

Er sagte mir, dass er zufrieden ist und dass ich auf einem guten Weg sei. Und dass ich immer Vollgas geben soll, weil auch an den entlegensten Orten der Welt jederzeit ein Scout der Oilers auf der Tribüne sitzen könnte.

Man darf annehmen, dass Sie Lust auf mehr bekommen haben.

Klar, das Erlebnis motiviert mich. Wenn man mal an der NHL schnuppern durfte, macht das «gluschtig». Wie bei einem Kuchen, von dem man ein Stück probieren durfte und dann den ganzen essen möchte.

Hatten Sie auch Kontakt mit den
Oilers-Jungstars wie Taylor Hall oder Jordan Eberle?

Nein, ich habe einmal mit Nail Yakupow trainiert. Sonst hatte ich nicht viel Kontakt mit anderen Spielern.

Wieso?

Es wird einem Nichts geschenkt. Es wird dir zwar geholfen, aber nur so viel, dass du keinen Vorteil daraus generieren kannst. Der Konkurrenzkampf ist riesig, jeder schaut zuerst für sich. Die Kollegen aus dem Rookie-Camp hatten sicher keine Freude, dass ich wieder auftauchte. Aber das war mir egal. Ich wusste das und hatte ja auch nichts zu verlieren (lacht).

Hoffen Sie, dereinst mal in Nordamerika zu spielen?

Ich habe meinen Vertrag bei den ZSC Lions ja erst gerade verlängert. Ich will mich hier weiterentwickeln. Und wer weiss schon, was in zwei Jahren ist? Wenn ich zurückschaue, wo ich vor zwei Jahren gestanden bin, hätte ich mir so eine Entwicklung nie träumen lassen. Die NHL ist ein Traum, aber jetzt sicher noch kein Thema.