Finalniederlage
ZSC-Baltisberger: «Ich nehme es einfach, wie es kommt»

Vergangenen Samstag wurde für Stürmer Chris Baltisberger und die ZSC Lions die 1:4-Finalniederlage gegen Davos besiegelt. Nun spricht der 23-Jährige über den bitteren Moment, seine persönliche Saison und eine allfällige WM-Teilnahme im Mai.

Pascal Del Negro
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Die Leere nach der finalen Niederlage: ZSC-Lions-Stürmer Chris Baltisberger schaut den Davosern beim Jubeln zu.

Die Leere nach der finalen Niederlage: ZSC-Lions-Stürmer Chris Baltisberger schaut den Davosern beim Jubeln zu.

KEYSTONE

Was haben Sie und die Mannschaft unmittelbar nach der entscheidenden Niederlage gemacht?

Chris Baltisberger: Das war natürlich ein sehr bitterer Moment. Das musste man erst einmal setzen lassen. Viele Spieler sassen einfach in der Garderobe und realisierten, was gerade passierte. Danach setzten wir uns alle zusammen und tranken etwas. Auch die Freundinnen und Frauen waren anwesend. Zusammen versuchten wir, die Niederlage zu vergessen und liessen den Abend ausklingen.

Konnten Sie die Finalniederlage seither bereits etwas verdauen?

Sicher noch nicht ganz, aber fürs Erste schon, ja.

Wie schafft man so etwas überhaupt?

Die letzten Tage nach dem entscheidenden Spiel haben wir in der Mannschaft verbracht, da wurde viel darüber geredet. Es hilft sicher, wenn man kurz noch einmal zurückblickt und versucht, das Positive rauszunehmen. Wir müssen das Ganze nun akzeptieren, es bleib uns ja nichts anderes übrig – trauern hilft sowieso nichts. Ich versuche jetzt, nach vorne zu schauen und mich auf die kommenden Herausforderungen zu fokussieren und das Geschehene zu vergessen.

Was sagte Marc Crawford unmittelbar nach dem letzten Spiel zur Mannschaft?

Er war überhaupt nicht böse oder etwas in der Art – im Gegenteil. Er versuchte, uns aufzubauen, machte uns auch keine Vorwürfe. Denn auch ihm war klar, dass wir bis zuletzt alles versucht hatten.

Was war dann der Grund für den klaren 1:4-Endstand in der Serie?

Wir sind eine Mannschaft, die spielerisch sehr stark ist, Davos dafür vor allem physisch. Am Ende fehlten bei uns einfach die letzten und entscheidenden fünf bis zehn Prozent, die es für einen Erfolg gebraucht hätte. Vielerorts wurde geschrieben, dass wir den Sieg weniger wollten als die Davoser – das stimmt sicher nicht! Wir wollten den Titel genauso wie der HCD.

Sie waren beim ZSC der Vorzeigekämpfer – fühlten Sie sich in dieser Rolle manchmal ein bisschen alleine gelassen?

Nein, überhaupt nicht. Ich war nicht der Einzige, es gab mehrere andere, die ebenso kämpften. In einer Mannschaft hat eben jeder seine Rolle, es können nicht alle dieselbe übernehmen. Mir war von Anfang an klar, dass ich ein grosser Teil des physischen Spiels sein werde – aber nicht der einzige.

Wieso war der HCD dann physisch so überlegen?

Eigentlich sind auch wir eine Mannschaft, die hart spielt, nur kam das gegen Davos nicht zur Geltung. Weil die Davoser extrem physisch spielten, täuschte der Eindruck ein wenig. Aber es ist schon so, dass wir vor allem spielerisch sehr stark waren.

Sie persönlich spielten eine starke Saison: Ihr Fazit?

Hätte mir jemand vor der Saison eine solche prophezeit, hätte ich ihm nicht geglaubt. Durch den Abgang von Ronalds Kenins wurde viel Eiszeit frei. Um diese kämpfte ich von Anfang an, was mir letztlich auch gelang. Dass ich dabei das volle Vertrauen vom Coach spürte, machte es für mich einfacher. Danach habe ich wirklich schnell Fortschritte gemacht. Der Lohn dafür war das NHL-Camp bei Edmonton im Herbst – da ging für mich ein Traum in Erfüllung. Danach folgten meine ersten Einsätze in der Nationalmannschaft, mit welchen ich auch noch nicht gerechnet hatte. In diesen Monaten konnte ich sehr viel Selbstvertrauen tanken. Ich befinde mich aber noch mitten in einem Prozess, ich kann noch viel lernen.

Sie haben die Nationalmannschaft angesprochen: Machen Sie sich noch Hoffnungen auf ein WM-Aufgebot?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Aber ich rechne eigentlich nicht damit. Nicht, dass ich es mir nicht zutrauen würde, ich wäre auf jeden Fall bereit! Und ich will auch sicherlich einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, doch dazu muss ich erst noch den nächsten Schritt machen. Das Ziel ist – in den nächsten zwei Jahren an einer WM zu spielen.

Wie verbringen Sie die nächsten Wochen, wenn es mit der WM nicht klappt?

Jetzt mache ich erst einmal eine Pause, verbringe Zeit mit der Familie. Ich werde sicher noch nach Kanada reisen und dort meinen Bruder besuchen. Daneben will ich einfach mal abschalten, auch mit den Gedanken weg von Eishockey. Ich muss viel Energie tanken, damit ich wieder bereit bin, wenn das Sommertraining beginnt.

Wie sieht es mit der kommenden Saison aus, wird die NHL wieder zum Thema?

Ich habe bei den ZSC Lions einen
2-Jahres-Vertrag unterschrieben und bin sehr froh darüber. In diesen zwei Jahren will ich mich so gut wie möglich weiterentwickeln. Klar, die NHL ist und bleibt mein Traumziel, doch momentan zeichnet sich nichts Konkretes ab. Ich nehme es einfach, wie es kommt.