Schiessen
Wortgewandt und treffsicher: Martina Landis startet in letzte Studenten-WM

Die Adliswilerin Martina Landis gehört zu den besten Schützinnen des Landes und will im Oktober an der Studentenweltmeisterschaft eine Medaille holen. Weil sie ihr Studium an der Universität Genf abgeschlossen hat, wird es die letzte Teilnahme sein.

Fabio Baranzini
Drucken
Teilen

Fabio Baranzini

Hätte sie es planen müssen, hätte es wohl kaum so punktgenau gepasst: Zwei Tage vor dem Interviewtermin im Schiessstand der Stadtschützen Zürich auf dem Albisgüetli ist Martina Landis in Thun Schweizer Meisterin in der Disziplin 50 Meter liegend geworden. «Ich habe mich wirklich speziell über den Sieg gefreut, denn so kommt doch noch was Aktuelles in den Artikel», meint sie lachend.

Geringeres Trainingspensum

Ihre Befürchtung, dass nichts Aktuelles hätte geschrieben werden können ohne den Triumph an der Schweizer Meisterschaft, ist nicht ganz unbegründet. Vor einem Jahr hat die 26-Jährige ihr Studium an der Universität Genf mit dem Master abgeschlossen und arbeitet seither in Zürich als Übersetzerin. Seit sie im Berufsalltag steckt, musste sie ihr Trainingspensum stark reduzieren. Während dem Studium verbrachte sie bis zu 15 Stunden pro Woche im Schiessstand, derzeit ist es noch knapp die Hälfte. Entsprechend sind ihre Leistungen nicht mehr auf dem Niveau ihrer besten Tage.

Gute Erinnerungen

Beispielsweise so wie 2012, als sie an der Studentenweltmeisterschaft Silber im Dreistellungsmatch über 50 Meter und Bronze in der Disziplin 50 Meter liegend gewann und zudem Teil des Nationalkaders war. «Das waren meine grössten Erfolge. Heute kann ich an einem guten Tag immer noch solche Leistungen erzielen, aber leider fehlt die Konstanz aufgrund des geringeren Trainingsaufwandes», weiss Martina Landis.

Aus diesem Grund hatte die Adliswilerin auch nicht mit dem Gewinn der Goldmedaille an den nationalen Titelkämpfen in Thun gerechnet. «Ich war ziemlich nervös vor dem Wettkampf und verspürte eine gewisse Unsicherheit. Als ich dann aber in den Schiessstand kam, hatte ich sofort ein gutes Gefühl und wusste, dass es klappen wird», beschreibt Landis. Am Ende gewann sie den Wettkampf mit 0,9 Punkten Vorsprung.

Die Jungs geschlagen

Die Anfänge der erfolgreichen Schützenkarriere von Martina Landis liegen rund 15 Jahre zurück. Ihr Vater und ihr Grossvater waren Mitglieder im Schützenverein Wettswil und so waren Martina Landis und ihr Bruder öfters als Zuschauer dabei. Mit elf Jahren besuchte sie dann ihren ersten Jugendschiesskurs. «Ich erzielte auf Anhieb gute Resultate und habe einige Jungs geschlagen. Das hat mir Freude gemacht», erinnert sie sich schmunzelnd.

Kombination aus Konzentration und Präzision

Schritt für Schritt baute Martina Landis daraufhin ihr Trainingspensum aus und investierte immer mehr in den Schiesssport. Dass sie ab und an schräg angeschaut wird, weil sie «als Frau diesen Sport ausübt», stört sie nicht. Noch immer fasziniert sie die Kombination aus Konzentration und Präzision, die den Schiesssport ausmacht. «Im Schiessstand musst du alle Gedanken ausblenden können – egal was gerade passiert. Sonst klappt es nicht», sagt sie.

Diese Fähigkeit wird Martina Landis auch im Oktober wieder gebrauchen. Dann nämlich wird sie an ihrer letzten Studentenweltmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Disziplinen 50 Meter liegend und 10 Meter Luftgewehr nochmals um Edelmetall kämpfen.

Aktuelle Nachrichten