Regionalsport
Wo den Limmattaler Sportvereinen der Schuh drückt

Bei der Hallensituation im Limmattal sehen Verantwortliche regionaler Sportvereine Nachholbedarf. Sie wünschen sich mehr Spielfläche und eine kostenlose Nutzung für die Vereine.

Pascal Gut
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Sowohl beim Turnverein STV Dietikon (links) wie auch beim Handballclub Dietikon-Urdorf (rechts) ist Rekrutieren und Binden von Nachwuchssportlern ein grosses Thema. (Archivfotos zvg)

Sowohl beim Turnverein STV Dietikon (links) wie auch beim Handballclub Dietikon-Urdorf (rechts) ist Rekrutieren und Binden von Nachwuchssportlern ein grosses Thema. (Archivfotos zvg)

Gemäss der neuen Studie «Sportvereine im Kanton Zürich 2017» läuft es bei den Sportvereinen im Kanton grundsätzlich gut, doch sie stehen auch vor einigen Baustellen. Doch wie geht es den Vereinen in der Region konkret? Im Interview erklären Heinz Burla, Präsident des Handballclubs Dietikon-Urdorf, und Marta Giacomini vom Turnverein STV Dietikon, wo sie in Zukunft die grössten Herausforderungen für Sportvereine sehen.

Wir würden Sie die derzeitige Situation für die Sportvereine im Limmattal beschreiben?
Heinz Burla: Grundsätzlich sehe ich vor allem bei den ganz Jungen viel Interesse am Mannschaftssport. Die Vereine stehen aber vor drei grossen Herausforderungen. Erstens die Infrastruktur: Im Limmattal stehen nicht genügend Hallen zur Verfügung und die Bedürfnisse der Vereine werden in der Hallenplanung ungenügend berücksichtigt. In Urdorf etwa sind zwei neue Hallen vorgesehen. Gemäss der Planung sind beide sowohl für Handball wie auch Unihockey zu klein. Zweitens das Problem mit den Kosten: Bei uns im Verein decken die Mitgliederbeiträge nicht einmal die Hallenmieten, andere Gemeinden geben die Hallen kostenlos an die Vereine ab. Die Mitgliederbeiträge können wir aber nur beschränkt erhöhen, da wir niemanden vergraulen wollen.
Marta Giacomini: Das Infrastrukturproblem beschäftigt auch uns. Die Organisation verschiedener sportlicher Anlässe in Dietikon scheitert oft, weil eine Dreifachhalle zwingend erforderlich wäre.

In der kantonalen Studie wird das Gewinnen und Binden von Ehrenamtlichen als die grösste Sorge der Vereine beschrieben. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Heinz Burla: Das ist die dritte grosse Herausforderung – die Freiwilligenarbeit. Für den Spielbetrieb sind wir auf ein ständiges Commitment der Trainer angewiesen. Wer zwei bis drei Mal die Woche mit Kindern in der Halle steht, jedes Wochenende mit einer Mannschaft zu einem Spiel fährt, oder im Verein organisatorische Aufgaben übernimmt, braucht viel Idealismus. Zudem braucht es Schiedsrichter, Organisatoren und Leute, die bereit sind, Verantwortung im Verein zu übernehmen.

«Die Wertschätzung seitens der Politik und die entsprechende Unterstützung fehlt mir heute.»

Heinz Burla Präsident des HC Dietikon-Urdorf

Marta Giacomini: Viele Vereine haben Schwierigkeiten, Vorstandsmitglieder zu gewinnen. Bedingt durch die Doppelbelastung von Beruf und Haushalt entscheiden sich viele gegen ein Freiwilligenamt. Besonders schwierig ist es, für spezielle Anlässe OK-Mitglieder zu finden. An freiwilligen Helfern fehlt es hingegen selten. Positive Erfahrungen machen wir mit dem 1418coach-Projekt, wo 14 bis 18-Jährige in die Leitertätigkeit eingeführt werden. Es ist unsere Aufgabe, die Jungen in der Leiterausbildung zu fördern und zu unterstützen. Sie im Verein zu behalten und in die Erwachsenenriegen einzubinden, gehört zu einer der grossen Herausforderungen für die Zukunft.

Ist auch die Mitgliedergewinnung schwieriger geworden?
Marta Giacomini: Wir haben vor allem bei den Erwachsenen zu kämpfen. Ältere Mitglieder müssen das Training wegen Altersbeschwerden aufgeben und 50- bis 60-Jährige fühlen sich noch zu fit, um in die ältere Garde nachzurücken. Zudem ist es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen, die noch nie in einem Turnverein waren. Heute suchen viele ihre sportliche Betätigung lieber im Fitnesscenter. Bei den Jungen ist es so, dass viele Kinder abspringen, sobald sie in die Oberstufe kommen. Sie haben etwa Angst, den schulischen Anforderungen nicht mehr gerecht werden zu können oder konzentrieren sich auf andere Freizeitbeschäftigungen.
Heinz Burla: Obwohl der Handball in der Schweiz an Bedeutung verloren hat, ist es uns gelungen, in unserem Club die Mitgliederzahlen konstant zu halten. Wir wollen aber in Zukunft wieder richtig wachsen. Jüngst haben wir ein Programm gestartet, um mittels Schulsport und anderen Investitionen die ganz Jungen zu erreichen und die Basis aktiv aufzubauen.

Was würden Sie sich von der Politik, von Gemeinden und Kantonen wünschen?
Heinz Burla: Zur Zeit nehme ich in der Politik kaum Appetit wahr, sich für eine bessere Hallensituation im oberen Limmattal stark zu machen. Sportvereine leisten Jugendarbeit und fördern die Integration, was wiederum die Kosten im Sozialbereich senkt. Die entsprechende Wertschätzung seitens der Politik und die entsprechende Unterstützung fehlt mir heute. Sport ist eben nicht ausschliesslich ein individuelles Freizeitvergnügen, sondern hat einen immensen Wert für die Gesellschaft mit einem positiven Effekt auf unsere Gesundheitskosten.
Marta Giacomini: Die Gesundheit ist ein wichtiger Aspekt. Wir erleben es immer häufiger, dass Kinder den Weg in unseren Verein durch die Empfehlung eines Arztes, eines Schulpsychologen oder von Lehrpersonen finden. Vom Kanton erhoffen wir uns den definitiven Zusammenschluss der verschiedenen Turnverbände KTV, SVKT, SATUS und STV. Von der Stadt Dietikon würden wir uns eine Dreifachturnhalle wünschen, in denen wir unsere Veranstaltungen durchführen können. Zudem sind wir der Meinung, dass die Turnhallen den Sportvereinen gratis zur Verfügung gestellt werden sollten.