Rahel Kiwic, wie gross ist der Frust, dass es Ihnen und den Schweizerinnen an der Europameisterschaft nicht zum Weiterkommen gereicht hat?

Rahel Kiwic: Der ist natürlich gross. Man denkt immer wieder daran. Und es wird auch noch zwei, drei Tage dauern, bis ich das verdaut habe. Denn für uns fühlte sich dieses Unentschieden gegen Frankreich an wie eine Niederlage. Wir lagen in Führung und machten einen einzigen Fehler, der bestraft wurde.

Nach dem Platzverweis und dem 1:0-Führungstor sah es für die Schweizerinnen gut aus. Warum konnten Sie nach dem Ausgleichstreffer das Steuer nicht nochmals herumreissen?

Gut, im Nachhinein fragt man sich, was man hätte anders machen können. Wir hatten Mühe, uns zu befreien. Vielleicht hätten wir das 2:0 suchen und uns nicht so sehr zurückdrängen lassen sollen. Aber das ist uns nicht gelungen.

Sie persönlich erlebten ein zwiespältiges Turnier: Nach der Roten Karte im ersten Spiel gegen Österreich mussten Sie im zweiten Spiel gegen Island zuschauen. Wie schwierig war das für Sie?

Dass ich gegen Island nicht spielen durfte, musste ich akzeptieren. Der grössere Frust für mich war, dass wir gegen Österreich verloren hatten. Das war nicht so herausgekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wenn man so will, haben wir das Weiterkommen gegen Österreich verspielt. Allerdings waren wir gegen Frankreich so nah dran, und die Französinnen hatten ja auch schon gegen Österreich und Island Mühe bekundet. Frankreich war schlagbar. Daher schmerzt dieses Remis umso mehr.

Abgesehen vom Sportlichen: Wie haben Sie Ihre erste Europameisterschaft erlebt?

Holland war ein toller Gastgeber. Wir wurden sehr herzlich empfangen, das fing schon im Hotel an. Und auch das mediale Interesse von Schweizer Seite war sehr gross, vielleicht sogar noch grösser als an der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Allerdings waren auch die Erwartungen grösser. Das haben wir im Startspiel gegen Österreich gespürt.

Können Sie für sich etwas von dieser Europameisterschaft mitnehmen, das Ihnen besonders gut gefallen hat?

Die Begeisterung der Fans. Die war super, auch von den gegnerischen. Damit meine ich vor allem diejenigen aus Island. Aber momentan überwiegt noch der Frust über das Ausscheiden.

Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Ich habe jetzt ein paar Tage frei, die ich bei meiner Familie verbringe. Darüber bin ich sehr froh. Dann fahre ich zurück nach Deutschland, um mit der Vorbereitung für die neue Bundesligasaison zu starten.